Dienstag, 18. Dezember 2012

Rezension: Kalte Krieger (Thomas Plischke)

Piper 
Taschenbuch, 464 Seiten 
ISBN: 9783492266901 
9,95 €
 
Ein kurzer Einblick

In Portland verschwindet eine junge Frau spurlos, Menschen erfrieren im Hochsommer – als die Psychologiestudentin Amy Marsden dort ihr Pflichtpraktikum absolvieren will, gerät sie in eine Verschwörung von unüberschaubarem Ausmaß. Gemeinsam mit dem Psychologen Michael Beaumont findet sie heraus, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügt. Denn es gibt sie wirklich: Menschen mit Superkräften! Und sie leben mitten unter uns. Amy muss sich entscheiden, ob sie auf der Seite der Guten oder der Bösen stehen will.

Bewertung

Menschen mit übernatürlichen Kräften kommen sowohl im Fernsehen, als auch in Büchern vor. Manche wissen um ihre Kräfte und nehmen sie an, anderen bleiben sie verborgen und noch andere werden in der Welt, in der sie leben, deswegen verfolgt. Oft findet man solche Charakter, die in einer anderen Welt als wir leben, in Fantasy-Büchern. Thomas Plischke hat seine beiden Hauptcharaktere, Amy und Nina, aber im Hier und Jetzt angesiedelt. Oder besser gesagt fast, denn in diesem Buch laufen zwei Handlungsstränge parallel, die auch in unterschiedlichen Jahren spielen. Einmal wird die Geschichte von Nina erzählt, die im Jahr 1999 beginnt. Nina bekommt das Angebot in ein Sommercamp zu gehen, in dem ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten gefördert werden sollen. Der zweite Handlungsstrang beginnt im Jahr 2009, zehn Jahre nach Ninas Zeit im Sommercamp. Hier geht es wieder um Nina, aber nur nebensächlich, da sie verschwunden ist. Jetzt steht Amy im Mittelpunkt, die aus einer Beziehung flieht und ein Praktikum in der Praxis des Psychologen Michael Beaumont annehmen möchte. Amy erlebt gleich mit, wie Beaumont eine Patientin beruhigt und auch der Leser bekommt hierdurch einen ersten Eindruck von den Superkräften, um die es in diesem Buch geht. Störend wirken die beiden Handlungsstränge auf keinen Fall. Sie spannen den Leser eher auf die Folter, da sie immer dann aufhören, wenn es spannend ist. Es ist aber auch schwierig, da fast jede Stelle an diesem Buch eine gewisse Spannung aufbaut und man schon gefesselt auf die nächste Eröffnung wartet.
Amy und Nina entwickeln sich zu Figuren, die sehr viel Tiefe aufweisen und für den Leser gut nachvollziehbar sind. Die anderen Figuren, bis auf den Psychologen Michael Beaumont, bleiben etwas im Hintergrund und können nicht ihr ganzes Potenzial entfalten. Plischke lässt hier den Leser etwas unbefriedigt zurück, möchte man doch gerne auch mehr über die anderen erfahren. Gerade Vince, der Gerichtsmediziner, scheint ein Charakter zu sein, auf den sich ein zweiter Blick lohnen würde.
Wer der Böse in diesem Buch ist, wird ziemlich schnell klar und stellt keine Überraschung für den Leser dar. Allerdings macht es Spaß mitzuerleben, wie die anderen Charaktere aus dem Sommercamp langsam wieder auftauchen und wie sie sich verändert haben und welche Fähigkeiten sie besitzen. Zwar muss man auch hier nochmal sagen, dass der Leser etwas im Dunkeln gelassen wird, aber man hat trotzdem Spaß am Lesen des Buches.
Das Thema „Superkräfte“ behandelt Plischke auf seine Weise. Wie der Titel „Kalte Krieger“ schon sagt, zieht er Parallelen zu dem Thema des Kalten Krieges. Zwar spielt das Buch zu der Zeit, in dem der Kalte Krieg schon vorbei ist, aber dennoch gibt es plausible Erklärungen, wieso die Jugendlichen in Camps geschickt werden. Durch die Superkräfte wirken die Jugendlichen und Erwachsenen nicht unnahbar. Sie haben dieselben Probleme, wie auch andere in ihrem Alter. Das macht sie liebenswert und gerade Amy schafft es durch ihre unbeholfene Art und ihren aberwitzigen Gedankengängen, den Leser zu erobern.
Thomas Plischke hat es auch mit diesem Buch geschafft seine Leser zu fesseln. Fernab der „Zerrissenen Reiche“ hat er eine kleine Welt voller Menschen mit Superkräften erschaffen, die einen genauso in ihren Bann zu ziehen vermag. Natürlich kommen Superhelden-Geschichten nie ganz ohne Klischees aus, so dass es immer die Bösen gibt, die ihre Macht missbrauchen und die Guten, die dies verhindern wollen. Dies tut der Geschichte aber keinen Abbruch, da Plischke sie fesselnd und innovativ verpackt.
 
Fazit

Ein Buch, welches nicht frei von Klischees ist, aber im Gesamtbild ein rundum gelungenes Werk darstellt. Deswegen bekommt es von uns auch

4,5 von 5 Punkten 

Wir danken dem Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

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