Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Kaltduscher (Matthias Sachau)

Ullstein
Taschenbuch, 400 Seiten
ISBN-13: 9783548280172
8,95 €


Ein kurzer Einblick

Krachs Leben ist chaotisch. Der Vermieter will ihn und seine WG-Mitbewohner aus dem Haus ekeln. Er verliebt sich in die Ex-Freundin von Tobi, beginnt zugleich aber auch eine Affäre mit der Freundin der Ex-Freundin, und neben dem Job als Museumswächter versucht er als Schauspieler Fuß zu fassen. Und dann steht noch der Geburtstag seines Vaters an. Nur was soll man diesem schenken?

Bewertung

„Kaltduscher“ ist mit Sicherheit kein literarischer Roman, der Wert auf Originalität oder Hochwertigkeit in irgendeiner Art legen möchte. Doch das hat der Roman auch gar nicht nötig. Er funktioniert bestens, so wie er ist. Einfach, klischeehaft und übertrieben. Warum auch mehr, wenn nicht mehr vonnöten ist?
Eben. Doch schauen wir einmal genauer hin, um das verschwommene Bild klar zu bekommen. Mit Reto (schweizer Grasschnüffler), Gonzo (Ausraster Nr. 1), Krach (vergebliches Schauspielertalent und verspätetes Gesangsgenie), Tobi (Ex-Freund von Krachs großer Liebe) und Francesco (Rechtsanwalt) ist die chaotische WG der Stereotypen und Klischees komplett. Übersehen sollte man natürlich auch nicht die Randfiguren, die Mitbewohner im Haus: z.B. den DDR-Schnüffler oder ... belassen wir es dabei, dass ein Klischee das andere jagt. Was nicht passt, wird passend gemacht – nein, was nicht passt, wird zusammen gepackt! Und manchmal funktioniert es sogar. Man muss es nur konsequent durchziehen und sich nicht beirren lassen. Herrn Sachau ist dies auf jeden Fall bestens gelungen.
Ach ja, die einstürzende Zimmerdecke, Atom-Strom aus der Ukraine, fehlendes Wasser und das tägliche Wettrennen nach dem Frühstück auf das Klo, weil es keine Lüftung gibt, sind ebenso typisch für diesen Roman, nebst vielen weiteren kleinen Dingen, die einen nur zunehmend schmunzeln und zugleich den Kopf schütteln lassen, ob der abstrusen Dinge, die da harren. Kleine Peinlichkeiten, große Zerstörungswut, Missgeschicke und Erfindungen, sowie kreativer Pläne für so manchen Spaß sollten nicht weiter verwundern.
Spannend ist das alles auf, nun, einfache und sehr angenehme Art. Auch die leichte Sprache, die sich nicht immer selbst ganz ernst nimmt, tut das Übrige, um den Roman zu einem angenehmen Lesespaß werden zu lassen. Man nehme einige Bauklötze, in der Farbe bloß nicht zu unterschiedlich, aber verschieden genug, dass es auffällt, und baue ein kleines, prächtiges Schloss, das jeglicher Verzierungen entbehren muss, aber dennoch verdammt gut aussieht.

Fazit

„Kaltduscher“ ist somit einfache Unterhaltung auf angenehm subtiler Ebene. Man(n) schnappe sich ein Bier und mache es sich auf dem Sofa bequem. Ein Roman zum Abschalten. Ein Roman, der durch Einfachheit siegt. Ein Roman, der Spaß machen kann. Ein vordergründiger Roman, der jedem zu empfehlen ist, der auf leichte Kost steht.

3 von 5 Punkten

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