Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Judastöchter (Markus Heitz)

Knaur
Taschenbuch, 608 Seiten
ISBN: 978-3-426-65230-5
14,99 €

Ein kurzer Einblick

Die Vampirin Sia ist das letzte der todbringenden Judaskinder – und zu allem bereit, um zu verhindern, dass der Fluch an Emma und Elena, ihre einzigen Nachfahren, weitergegeben wird. Als die beiden entführt werden, beginnt für Sia daher ein mörderischer Wettlauf mit der Zeit: Denn gelingt es ihr nicht, die unschuldige Frau und ihr Kind zu retten, könnten sie zu Töchtern des Judas werden. Und dann muss Sia die beiden töten …

Bewertung

Nach „Kinder des Judas“ und „Judassohn“ nimmt die Geschichte um das heitz'sche Vampiruniversum vorerst mit „Judastöchter“ ein Ende. Nach ihrem letzten Abenteuer hätte Sia am liebsten ein wenig Ruhe. Sie muss sich um ihre Enkelin Elena kümmern, denn ihre Mutter Emma liegt im Krankenhaus im Koma. Doch Emma und Elena werden entführt und Sia ist gezwungen nach Irland zu reisen, um ihre Familie aus den Fängen der Sidhe zu befreien.
Ihr zur Seite steht Eric von Kastell. Eric von Kastell? Genau, der Eric von Kastell aus „Ritus“ und „Sanctum“! Markus Heitz hat einmal mehr sein Multiversum miteinander verknüpft, neue Verbindungen gezogen. Wer Eric von Kastell nicht kennt, der hat mitnichten einen Nachteil, da passt Markus Heitz schon auf. Wer aber so manche Figur kennt – ja, Kastell ist nicht der einzige Unbekannte –, der erlebt ein fröhliches Wiedersehen der überraschenden Sorte. Gemeinsam gehen Sia und Eric in Irland auf Rachefeldzug gegen die Sidhe, hetzen die Gestaltwandler auf und bringen die Sidhe in tödliche Bedrängnis.
Diesmal verzichtet Markus Heitz auf einen historischen Handlungsfaden und verbleibt voll und ganz in der Gegenwart. Das genügt auch vollkommen, denn die Handlung geizt an Langeweile und fordert die Aufmerksamkeit der Leser, denn verschiedenste Gruppierungen verfolgen ihre Absichten. Sia ist nur der Spielball im irischen Machtkampf, die Marionette, die den anderen gegenüber den gewissen Vorteil verschaffen soll. Nur gut, dass Sia sich nicht auf dieses Spiel einlässt und ihre eigenen Fäden spinnt. Neben den Gruppierungen gibt es zunächst noch ein paar undurchsichtige Gestalten, die erst später zugeordnet werden können und genau darum die Spannung noch ein Quäntchen steigern können. Wie passen sie in das Spiel hinein? Auf welcher Seite stehen sie? Oder arbeiten sie doch ganz allein, machen sie gar den Sidhe oder den Rí, den Anführern der Gestaltwandler, etwas vor? Ein Unterhaltungsroman der fordernd spannenden Variante mit unglaublichem Spaßfaktor; „Judastöchter“ hat diesen Stempel wahrlich verdient. Ein Charme-Potenzial gewinnt der Roman durch das Wiedersehen altbekannter Gesichter. Und mit den flott-schrägen (Streit-)Gesprächen, muss man „Judastöchter“ letztendlich einfach mögen. Besonders die Streitgespräche zwischen Sia und Justine u.a. sind feurig-furios und feuern den Lesespaß förmlich an.
Doch wenden wir uns kurz den Wermutstropfen zu. Manches soll wohl witzig sein, gerät aber zu einer Farce. Sorry, aber manches ist dann doch etwas aufgesetzt lächerlich und bemüht. Kann man über diese Kleinigkeiten noch ganz gut hinwegsehen, fällt Elena und ihre Altersfrage schon schwerer ins Gewicht. Sie ist ein Kind, vielleicht etwas erwachsener als andere mit ihren Erlebnissen, aber ein Kind! Heitz schafft es durchweg auch, dem Leser die Gestalt des Kindes glaubhaft zu machen, aber er kann dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie so manches Mal ihrem Alter deutlich - !!! - voraus ist. Das passt einfach nicht zusammen.

Fazit

Markus Heitz beweist sich mit „Judastöchter“ einmal mehr als fantastischer Autor, der es virtuos versteht, die Handlung spannend und einfallsreich voranzutreiben und zugleich Bilder im Kopf zu erwecken, die kaum mehr weichen möchten. „Judastöchter“ ist uneingeschränkt zu empfehlen!

4 von 5 Punkten

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