Freitag, 14. Dezember 2012

Rezension: Judassohn (Markus Heitz)

Doremer Knaur
Klappenbroschur, 688 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-65225-1
14,95 €

Ein kurzer Einblick

Frankreich, ausgehendes 18. Jahrhundert. Im Sumpfland der Briére wächst eine Kreatur heran, deren tödlicher Rachedurst bis in unsere Gegenwart reicht. Deutschland, Leipzig im Jahre 2008. Sia, ein „Kind des Judas“, wacht über ihre Nachkommen, auf dass diese nicht das gleiche vampirische Schicksal erleiden. Doch dann taucht ein jahrhundertealter Racheengel auf, der ihr nach dem Leben trachtet.

Bewertung

Markus Heitz – ist eben Markus Heitz. Und so reiht er sich glücklicherweise nicht in die Schublade der Kuschel-Vampir-Autoren ein. Er geht seine eigenen Wege. Körperliche Begierden werden zwar auch in diesem Roman durchaus ausführlich ausgelebt, ohne die Grenze zur Pornografie zu überschreiten, doch im Vordergrund steht die Lebensart der Vampire und einige ihrer „Biografien“.
Blutig, düster, sinnlich und mit viel Action ausgestattet wird der Leser durch mehrere Handlungsstränge geschleift, die anfangs scheinbar keinen Bezug zueinander aufweisen. Zum einen ist da Tanguy, der in den Sümpfen der Briére dem Fluch seiner Mutter erliegt. Zum anderen ist da Sandrine, die mit ihrer Geliebten versucht ein ruhiges Leben zu führen. Dann ist da Dominic de Marat, der von den Judaskindern aus Frankreich nach Požarevac (serbisches Gebiet) verschleppt wird. Da ist Harm Byrne, Unterweltboss von Großbritannien, auf der Suche zum Stillen seiner Rache. Und zuletzt ist da Sia, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird und doch nur ihre Nachkommen schützen will. Immer wieder überschneiden sich einzelne Handlungsstränge, ohne jedoch scheinbar mehr als einen flüchtigen Kontakt miteinander zu haben. Lange fragt man sich, worauf die verschiedenen Handlungen am Ende hinauslaufen. Nun, Markus Heitz hat dies kongenial und sehr überraschend gelöst. Am Ende endlich ergeben die Handlungsstränge einen Sinn. Ich mag hier nichts andeuten, ich mag an dieser Stelle kein weiteres Wort zur Handlung verlieren – zu schnell würde ich zu viel verraten.
Markus Heitz lässt gerne geschätzte Figuren sterben. Das hat er schon in anderen Romanen gemacht – das geht ihm auch hier wieder leicht von der Hand. Es verleiht der Handlung Tiefe, plötzlich vermisst der Leser eine Figur, in die er sich eingelesen hat: er kann um einen geschätzten Charakter trauern. Spätestens dann ist der Leser wirklich mitten in der Handlung und fiebert mit. „Judassohn“ ist so ein Roman, in den man zeitweilig abtauchen kann. Nicht zuletzt auch durch den geschichtlichen Hintergrund der französischen Revolution. Geschickt nutzt Markus Heitz diese aus. Er flicht Merkmale dieser Zeit in die Handlung ein, er nimmt Ereignisse, nimmt Vorstellungen der damaligen Zeit sehr bewusst auf und handelt sie nicht nur kurz nebenbei ab. Natürlich ist dies kein historischer Roman im eigentlichen Sinne, aber die Verflechtung von Phantastik und historischen Ereignissen verleiht Authentizität.

Fazit

Mit viel Rasanz und Tempo jagt Heitz den Leser durch die Seiten und gönnt ihm keine Ruhe. Es ist eine Familientragödie tiefsten Ausmaßes. Es ist ein Werk vampirischer Triebe, ein Werk aus dessen Seiten das Blut der Opfer fließt.
Die Fortsetzung zu „Judassohn“ wird im Dezember 2010 unter dem Titel „Judastöchter“ erscheinen.

4 von 5 Punkten

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