Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Jane Eyre (Charlotte Brontë)

dtv
Taschenbuch, 669 Seiten
ISBN: 978-3-423-12540-6
9,90 €


Ein kurzer Einblick

Jane Eyre lebt als Waise bei ihrer Tante. Doch da diese sich eigentlich nie um sie kümmern wollte, behandelt sie sie sehr schlecht und schickt sie schließlich auf ein Mädcheninternat. Nach ihrer dortigen Ausbildung findet Jane bei einer reichen Familie eine Anstellung als Lehrerin. Als der Hausherr allerdings in ihr Leben tritt, verändert sich das Leben der bodenständigen Jane für immer…

Bewertung

Charlotte Brontës „Jane Eyre“ ist nicht mehr ein Roman über eine beeindruckende Frauenfigur der Literaturgeschichte und zugleich eine mitreißende Liebesgeschichte, sondern spiegelt auch die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wider.
Jane Eyre hatte es im Leben nicht leicht. Da ihre Eltern früh gestorben sind, ist sie ohne Besitz auf die Obdach ihrer Tante angewiesen. Doch diese sowie deren Kinder behandeln Jane schlecht. Dies lässt sich das selbstbewusste Mädchen mit dem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit natürlich nicht gefallen und so kommt es ständig zu Auseinandersetzungen, die schließlich dazu führen, dass Jane auf ein Internat geschickt wird. Dort findet Jane zumindest mit der Zeit mehr Anerkennung, entwickelt aber auch ihren bescheidenen, hilfsbereiten Charakter weiter.
Als sie schließlich als Lehrerin in das Haus Mr. Rochesters kommt, verändert sich ihr Leben für immer. Mit der Zeit fühlt sie sich immer mehr zu dem 20 Jahre älteren Mr. Rochester hingezogen und der Leser kann mit verfolgen, wie sie sich immer besser kennen lernen und immer mehr füreinander empfinden. Die Weiterentwicklung ihrer ungewöhnlichen Liebesgeschichte lässt den Leser dabei nur so über die Seiten fliegen. Doch die gesellschaftlichen Konventionen und ein dunkles Geheimnis stehen zwischen ihnen. So muss Jane nicht nur für ihre Liebe kämpfen, sondern sich auch gegen klassische Rollenverständnisse wenden. Als dann jedoch noch das Geheimnis um das Haus Mr. Rochesters gelüftet wird, wird es auch der selbstbewussten Jane zu viel und sie flüchtet sich in ein anderes Leben.
Auch wenn sie auf Grund ihrer Wissens und ihrer bescheidenen und zurückhaltenden Art wieder schnell Anschluss findet und sich ungeahnte Verbindungen auftun, scheint ihr gesamtes Leben durch ihre Erfahrungen im Hause Mr. Rochesters bestimmt zu sein und so ist Jane weiterhin zwischen dem, was sie als richtig und wichtig erachtet, und dem, was die Gesellschaft als sittsam vorgibt, hin und her gerissen. Selbst wenn man als Leser Janes Liebesgeschichte schon fast aufgegeben hat, kann sie einen da noch überraschen.
Mit einem Nachwort zum Werk und zum Leben von Charlotte Brontë erhält man im Buch darüber hinaus noch einige Informationen und kann sich in einer Zeittafel auch über das Leben Charlotte Brontës informieren. Einziger Kritikpunkt ist, dass es für die französischen Passagen im Roman leider eine Übersetzung gibt.

Fazit

Ein Roman, der nicht nur eine beeindruckende Frau und deren große Liebe beschreibt, sondern auch zeigt, wie man sich in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts das Recht für selbstbestimmtes Handeln erkämpfen musste.

4,5 von 5 Punkten


Wir danken dtv für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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