Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: In der Hölle (John Shirley)

Edition Phantasia
Klappenbroschur, 152 Seiten
ISBN: 978-3-937897-22-6
12,90 €

Ein kurzer Einblick

H ist ein Sphärenwesen aus einer höheren Dimension. Unbemerkt beeinflusst er die Menschen auf verschiedenste Weise, sodass diese daraufhin blutige Morde begehen. Am Ende verliert H jedoch die Kontrolle und das Experiment endet in einem rauschenden Blutbad.

Bewertung

John Shirley hat einen Roman über Gewalt vorgelegt – und doch weitaus mehr. Es ist nicht nur ein Roman über Gewalt, es ist ein Roman über menschliche Triebe, über menschliche Extremsituationen, über den menschlichen Überlebensinstinkt, es ist ein Roman über das Menschsein in den einfachen Dingen. Es sind Sphärenwesen einer höheren Dimension, die den Menschen einem brutalen Experiment unterziehen, um diesen zu erforschen. Diesmal sind nicht die Ratten oder Mäuse die Versuchskaninchen, dieses Mal sind es die Menschen selbst.
Zunächst jedoch werden die Sphärenwesen vorgestellt. Man begreift sie nicht gänzlich, aber wie kann das auch sein, wenn der Autor selbst nur ein Mensch ist? Shirley gelingt es jedenfalls auf einfallsreiche Weise diese Wesen vom Menschen zu trennen. Er setzt einzelne Begriffe, Wörter und menschliche Gesten in [eckige Klammern], um auszudrücken, dass hier nur eine Art Übersetzung zum Verständnis vorliegt. Es distanziert und fördert die Fremdartigkeit – bringt aber auch den Lesefluss etwas ins Stocken.
Ins Stocken gerät der Lesefluss aber auch durch die Einführung einiger Charaktere. Im finalen Experiment steigt die Zahl der Charaktere noch einmal an. Von daher ist es vorteilhaft, dass wichtige Personen schon zu Anfang eingeführt werden, zugleich liegt hier aber auch ein Kritikpunkt vor: Person B folgt auf Person A, Person C folgt auf Person B. Der Leser springt von einem Charakter zum nächsten, sodass man sich jedes Mal erneut auf eine neue Situation einlassen muss, bevor die Handlungsstränge zusammen laufen.
Die wichtigsten Charaktere kennt der Leser also, wenn es zum katastrophalen Experiment kommt. Dennoch sind es nur die markantesten Punkte, der Rest ihrer Persönlichkeit bleibt sehr blass. Es ist eher die speziell gegen Ende des Romans aufkommende Atmosphäre, die verstärkt wird durch eine Art Unsterblichkeit - denn wer ermordet wird, taucht einen Tag später wieder lebend auf -, die Spannung erzeugt und den Leser fesselt.
Ähnlichkeiten zu dem Film „Cube“ sind nicht von der Hand zu weisen, doch gelingt es Shirley der Idee seine eigene Note zu verpassen. Menschen auf engem Raum, besonders in Situationen, in denen die Gewalt Nährboden finden kann und grassierend zuschlägt, bleiben aufgrund ihrer äußerst beklemmenden Atmosphäre interessant.

Fazit

John Shirley ist ein durchwachsener Roman gelungen, der seine Schwächen vor allem im Anfang begründet sieht. Das finale Experiment jedoch strömt einem Höhepunkt entgegen, untersetzt mit einer hervorragenden Atmosphäre und einer glaubwürdigen Handlung, sodass sich „In der Hölle“ doch noch aus der vermeintlichen Versenkung erheben kann.

4 von 5 Punkten

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