Samstag, 29. Dezember 2012

Rezension: Imagery (Christoph Marzi)

Feder & Schwert
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN 978-3-86762-107-6
10,99 €

Ein kurzer Einblick

Chronos Communication Systems ist der wichtigste Kunde des Institute for Consumers Research. In ein paar Tagen soll ein neuartiger Tablet-PC vorgestellt werden, doch zuvor läuft alles aus dem Ruder: Die Klage einer Umweltschutzorganisation droht die entwickelte Marketingstrategie zunichtezumachen. Zugleich wird Michael Conway, Verhaltensforscher beim ICR, in einen tödlichen Unfall verwickelt: Er hinterlässt eine kryptische Botschaft auf der Handinnenfläche: Imagery. Freund und Arbeitskollege Richard Elliot beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und deckt Geheimnisse auf, die besser verborgen geblieben wären.



Bewertung
»‚(...) Imagery ist der Weg ins Gehirn der ganzen Welt, ein Freeway ins Bewusstsein eines jeden Menschen (...)‘« (Seite 262)
Das Institute for Consumers Research in Boston hat sich auf das Marketing 3.0 spezialisiert und entwickelt zusammen mit seinen Kunden die beste Marketingstrategie, um Produkte gewinnbringend auf dem Markt zu etablieren. In den nächsten Tagen soll ein neuartiger Tablet-PC des Kunden Chronos Communication Systems auf den Markt gebracht werden - und nichts darf schief gehen. Als Richard Elliot, Verhaltensforscher am Institut, morgens einen Anruf bekommt, sein Freund und Arbeitskollege Michael Conway sei frontal, alkoholisiert und unter Drogen in einen Sattelschlepper gerast, ahnt Richard noch nicht, dass sein Leben mit diesem Anruf aus dem Ruder laufen soll. Beruflich stark belastet und extremen Stress ausgesetzt (der Tod seines Freundes und der Druck auf der Arbeit setzen ihm immens zu), ruft er seine Ex-Frau Patricia an, die ihm Anker und Zuflucht in diesen Tagen bietet. Quälende Kopfscherzen veranlassen ihn beständig Tabletten zu schlucken, die kaum behilflich sind ... Im Institut muss eiligst eine neue Marketingstrategie entwickelt oder die Vorwürfe der Umweltschutzorganisation entlastet werden. Und dann ist da ja noch das rätselhafte Wort »Imagery«, ein Begriff aus der Verhaltensforschung, das Michael Conway sich auf die Handinnenfläche schrieb.
Christoph Marzi, bisher für seine Fantasy-Romane bekannt, überrascht mit einem Science-Thriller und widmet sich zugleich einem extremst aktuellen Thema. In einer Zeit, in der Marketing und Marktführerschaft immer wichtiger werden, bohrt Marzi in einer empfindlichen Wunde und deckt auf wie hinter der Bühne die potentiellen Konsumenten zum Kauf verführt werden sollen. In »Imagery« mag die zugrundeliegende Idee vielleicht noch Utopie sein, doch mit Ansätzen werden garantiert schon seit Jahren die Kunden beeinflusst. Eine erschreckende Vorstellung, die man im Hinterkopf behalten sollte. Christoph Marzi lenkt den Blick au die modernen Technologien respektive die wirtschaftlichen Interessen und deren ethische Vertretbarkeit. In einer globalisierten Welt, in der Informationsflut zum Alltag gehört und die virtuellen Netze den traditionellen Marktplatz weitestgehend an Bedeutung haben verlieren lassen, ist die Zukunft der digitale Marktplatz. Die indirekte Injizierung von Werbung wird den Kundenfang revolutionieren. Der Kunde soll unbewusst manipuliert und konditioniert werden. An genau diesen Stellen setzt das Institute for Consumers Research an.
Sprachlich kann man Christoph Marzi nichts ankreiden. Die Erläuterungen der kognitiven Psychologie wie z.B. des Begriffs Imagery sind anschaulich und verständlich. Einziger Nachteil der doch teils vielen Ausführungen zum tieferen Verständnis der komplexen Materie: Die Handlung wird unsanft unterbrochen; ein zu verschmerzender Punkt, denn trotz des für die Meisten vermutlich unbekannten Themas, vermittelt Christoph Marzi die Thematik auf interessante Art und Weise. Marketingstrategien, Produkteinführungen und Entwicklungen am Markt sind somit keine drögen Erklärungen, sondern - vielleicht nicht spannende - aber vor allem handlungsrelevante Einschübe.
»‚(...) Es liegt in unserer Macht zu entscheiden, was wir damit tun.‘« (Seite 262)
Fazit

Sprachlich fachkundig und schreibtechnisch sattelfest vermag »Imagery« technikaffine Leser zu begeistern und technikfremde Leser zumindest zu fesseln. »Imagery« führt die Manipulationsversuche der Werbung vor und vermittelt erzählerisch geschickt die Bemühungen der Firmen den potentiellen Käufern ihr Produkt unterzujubeln - ob sie es nun brauchen oder nicht.

4 von 5 Punkten

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