Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Im Schatten der Götter (Christian von Aster)

Eloy Edictions
Taschenbuch, 168 Seiten
ISBN 3-938411-02-3
12,00 €


Ein kurzer Einblick

Eine unerklärliche Serie von Todesfällen auf den Straßen Berlins versetzt Kommissar Mathesdorf in helle Aufregung: Menschen ersticken ohne erkennbare Ursache. Seine Ermittlungen führen ihn tief in die sagenumwobene Vergangenheit des schwarzen Kontinents. Erst als ein mysteriöses Videoband und eine schöne Afrikanerin auftauchen, scheint sich der Nebel zu lichten. Doch nun beginnt der Alptraum erst recht, denn eine übernatürliche Macht bedroht die ganze Welt.

Bewertung

Ein Dieb bricht in die Villa Floyd Wittgensteins in Berlin-Grunewald ein, um sich zu bereichern. Er öffnet eine Schatulle und entlässt damit ein nicht greifbares Wesen, das nur schwer beherrschbar ist und zahlreiche unerklärliche Erstickungstode in Berlin auslöst. Die Kriminalbeamten Mathesdorf und Plagemann stehen vor einem Rätsel: Mord oder Seuche? Unterdessen sucht Wittgenstein, der mehr weiß, als er der Polizei erzählte, die Hilfe seines alten Freundes Simon Grubert, der einem ostafrikanischen Kult auf die Spur kommt.

»Im Schatten der Götter« (2005) ist ein dunkel-phantastischer Krimi, der altbekannten Pfaden folgt, aber mit dem ostafrikanischen Kult frischen Wind mitbringt, sodass sich Spannung und Vorhersehbarkeit die Waage halten. Der Handlungsverlauf ist wenig aufregend, außergewöhnlich oder weltbewegend. Christian von Aster folgt hier bewährten Methoden, die den Nervenkitzel an üblichen Punkten der Spannungskurve in die Höhe treibt, ansonsten aber ereignislos vor sich hindümpelt. Das finale Ende - und somit auch die kriminalistische Auflösung - läuft ebenfalls konsequent auf ein erwartetes, erratenes und ordinäres Ende hinaus. Zugute halten muss man dem Roman aber, dass die Spannung trotz aller Vorhersehbarkeit bis zum Schluss gehalten wird.
Das tatsächliche Interesse zu wecken vermag erst der Kult aus Zimbabwe, der zugleich mit einer Kritik an dortigen wahren Gräueln verbunden wird. Einst wurde den Wasania eine Schatulle gestohlen, die Floyd Wittgenstein und Simon Grauert vom Meeresgrund aus einem versunkenen Wrack bargen. Wittgenstein unterschlug den Fund der Schatulle. Die Geschichte um uralte Götter und mächtige Artefakte, die beherrscht werden müssen, würzen den Krimi in doppelter Hinsicht auf mysteriöse Weise.
Das ein deutsches Ermittlerteam gegen ein derartiges Grauen machtlos ist und das Seuchenkommando auf die Bildfläche ruft, ist wenig verwunderlich. Wer glaubt schon an Götter, die in unseren Schatten wandeln? Doch zu den Polizisten: Eigentlich sind sie die besten Stereotypen, die man finden kann. Mathesdorf ist faul, wartet auf die Rente und verflucht jeden arbeitsintensiven Fall. Plagemann ist fleißig und kompetent: Vom übernatürlichen Fall verstehen natürlich beide nichts, auch wenn sie der Lösung des Problems Schritt für Schritt näher kommen. So stereotypenhaft die beiden sind, so viel Witz, Skurrilität und Situationskomik bringen sie mit. Einerseits sind sie das klischeebehaftete Bild des typischen Krimi-Polizisten, andererseits agieren sie in Kleinigkeiten und im Charakter nuanciert anders, dass es kaum auffällt, aber schwer ins Gewicht fällt: Ja, Mathesdorf und Plagemann sind zwei liebenswerte und sympathische Gestalten mit Witz und Charme. Doch nicht nur die Herren Ermittler wissen zu begeistern, auch von Asters Wortwitz:
Einen Augenblick später sahen die Männer des schwerbewaffneten Sondereinsatzkommandos sich mit den scheußlichsten Boxershorts konfrontiert, die sie je gesehen hatten. (S. 83)
Figuren und Stil: Christian von Aster weiß, an welchen Stellen er Skurrilitäten und Witzeleien einbauen kann und wo sie funktionieren. Der gewöhnliche Handlungsverlauf rückt da fast in den Hintergrund. Aber eben nur fast ...

Fazit

»Im Schatten der Götter« ist ein Mystery-Krimi mit wenig Überraschungen, sympathischen Ermittlern und einer scharfen Prise westafrikanischen Kultes. Im Vergleich zu von Asters Romanen »Armageddon TV« oder »Der letzte Schattenschnitzer« fällt »Im Schatten der Götter« allerdings qualitativ ab, sodass man diesen Roman nicht gelesen haben muss. Sammler Christian von Asters‘scher Romane dürfen aber beherzt zugreifen.

2,5 von 5 Punkten

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