Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Ich will dich nicht töten (Dan Wells)

Piper
Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN: 9783492267816
12,95 €

Ein kurzer Einblick

Meine wichtigsten Regeln lauten: Sieh Mädchen nicht an. Sprich nicht länger mit ihnen als nötig. Und, um Gottes willen, verlieb dich nicht in sie! Doch nun ist da Marci, und sie ist unwiderstehlich. Ich möchte mit ihr zusammen sein. Ich möchte sie berühren. Ich möchte einfach ein normaler sechzehnjähriger Junge sein. Doch ich bin alles andere als das – ich bin ein Serienkiller. Ich weiß, dass es dort draußen Dämonen gibt. Ich träume von ihnen, jede Nacht. Und ich fürchte, dass das Dunkle in mir erneut die Oberhand gewinnt. Ja, ich liebe Marci. Und ich will sie nicht töten. Aber alle Regeln sind gebrochen, und wie kann ich das Schlimmste jetzt noch verhindern? 

Bewertung

John Cleaver, 16 Jahre, hat seine Lebensaufgabe gefunden: Er ist ein Dämonenjäger. Sehnsüchtig wartet er auf die Ankunft des neuen Dämons in Clayton County, den er angelockt hat („Mr. Monster“). John selbst ist ... nun ja, John geblieben. Er hat sich aus dem Zwiespalt Bin ich ein Mensch oder ein Serienkiller? befreit, kämpft jedoch immer noch mit fehlender Empathie gegenüber seinen Mitmenschen. Er zieht sich jedoch nicht mehr zurück, sondern geht seinen Weg in Richtung allgemein akzeptierter Menschlichkeit, auch wenn es ihm sehr schwer fällt. Sein einzigartiger schwarzer Humor bleibt ihm erfreulicherweise erhalten. Im Wesentlichen hat er sich also nicht verändert, in kleinen Details aber riesige Fortschritte gemacht, sodass es ein vorzügliches Vergnügen ist, John weiterhin bei seiner Entwicklung zu beobachten und mit ihm auf Dämonenjagd zu gehen.
Doch welche Eigenschaft wird dieser neue Dämon zeigen, der Stimme am Handy nach zu urteilen eine Frau? Niemand ist ihr Name. John ist sich mehr als uneins und durchsiebt die Bevölkerung von Clayton County nach Hinweisen, bis die Dämonin sich mit einem Paukenschlag ankündigt. Die Polizei steht wieder einmal vor einem Rätsel, allein John sieht sich in der Lage den Mörder zu finden und stürzt sich mit seiner neuen Freundin Marci in das Detektivspiel, ein Profilbild zusammenzustellen. Brooke ist Vergangenheit, auch wenn er ihre Gesellschaft vermisst. Marci ist genau das Mädchen, mit der er über seine Probleme reden kann, die ihm Verständnis entgegenbringt, auch wenn ihre gemeinsame Beziehung nicht einfach ist. Johns Tollpatschigkeit ist auf stupide Art süß und karikiert zugleich die eigenen ersten Versuche einem möglichen Partner näher zu kommen. Etwas lustlos wird Johns Verhältnis zu seinem langjährigen besten Freund Max abgehandelt. Leider wird dieser Handlungsstrang nur in wenigen Nebensätzen zur Sprache gebracht. Und auch das nur, weil es Johns Zweck zur Dämonenjagd dient. Eine weitere Ausarbeitung wäre dringend nötig gewesen, denn uninteressant ist das Freundschaftsverhältnis der beiden nicht, ist die Schönheit Marci doch das Objekt ihrer beider Begierde.
Doch wollen wir uns dem zuwenden, was die Serienkiller-Trilogie so erfolgreich macht: „Ich bin kein Serienkiller“ bot die Überraschung des Dämons an sich. „Mr. Monster“ bot die Überraschung, dass Dämonen unterschiedliche Wesenheiten/Eigenschaften besitzen. Doch welche Überraschung bietet Dan Wells in „Ich will dich nicht töten“? Die Erwartungshaltung des Lesers ist groß, seine Fantasie in Hinsicht auf die Lösung angeregt. Die Frage nach Sind diesmal zwei Dämonen beteiligt? ist naheliegend. Es wäre die perfekte Überraschung, ja, wenn der Leser dies nicht erwarten würde. Geschickt nutzt Dan Wells die Erwartungshaltung des Lesers aus, nimmt den erwarteten Ansatz, verschiebt die Überraschung aber geringfügig, sodass der Leser doch nur wieder erstaunt zusehen kann, wie sich das Bild der mysteriösen Morde gänzlich anders als auch nur entfernt erwartet zusammensetzt.

Fazit

Der abschließende Band der Serienkiller-Trilogie steht den Vorgängern in nichts nach! Beherzt sollten Fans der Serie zugreifen, eine Enttäuschung ist kaum möglich!

4 von 5 Punkten

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