Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rezension: Heaven - Stadt der Feen (Christoph Marzi)

Arena
Hardcover, 358 Seiten
ISBN 978-3-401-06382-9
14,95 €


Ein kurzer Einblick

London – das ist seine Stadt. Und über den Dächern von London – dort hat David sein zweites Zuhause gefunden. Hier oben kann er den Schatten der Vergangenheit entfliehen. Bis er eines Tages auf ein Mädchen trifft, das alles auf den Kopf stellt, woran er bisher geglaubt hat. Ihr Name ist Heaven. Sie ist wunderschön. Und sie behauptet, kein Herz mehr zu haben. Ehe David begreifen kann, worauf er sich einlässt, sind sie gemeinsam auf der Flucht. Und sie werden nur überleben, wenn sie Heavens Geheimnis lüften.

Bewertung

Wer den Titel Stadt der Feen liest und anschließend kleine Wesen mit zarten Flügeln und zierlichen Kleidchen vorgesetzt bekommen will, wird schnell enttäuscht sein. Christoph Marzi hat die Entstehung dieser Fantasiewesen nämlich mit einer - wie ich finde - sehr schönen Theorie erklärt, über die sich Science-Fiction-Fans freuen dürften. Von diesen fantastischen Elementen mal abgesehen, ist die Geschichte aber sehr realitätsnah gestaltet, sowohl was die Handlungsweise und die Entscheidungen der Figuren, als auch das gesamte Setting anbelangt. So wird der Leser nach London eingeladen und entdeckt diese Stadt einmal von einer anderen Seite. Denn sowohl David als auch Heaven nehmen statt Bürgersteig, Straße und U-Bahn lieber die Dächer der Stadt, um sich fortzubewegen.

Auf so einem Dach trifft David Heaven, ein Mädchen mit kalter und dunkler Haut, wie eine Nacht im November. Trotzdem er bis zu diesem Moment eher als verschlossener 17-Jähriger beschrieben wird, der von zu Hause ausgerissen ist, gern schwarze Sachen trägt, Drogen nahm und auch mal ein Glas an die Wand wirft, weil seine Freundin mit ihm Schluss macht, entschließt sich David, Heaven zu helfen. Und das, obwohl er ihre Geschichte, dass zwei Männer ihr das Herz herausgeschnitten hätten, verständlicherweise nicht glauben kann. Schließlich kann man ja ohne Herz nicht leben...

Leider haben die beiden keine Zeit, dieses Rätsel in Ruhe lösen zu können, denn der Auftraggeber der bösen Männer begnügt sich nicht nur mit Heavens Herz, sondern will das Mädchen nun gänzlich in seine Gewalt bringen. Im Laufe der daraufhin beginnenden Flucht bzw. Jagd nach der Wahrheit fassen Heaven und David immer mehr Vertrauen zueinander und es entwickelt sich eine aufkeimende Liebesgeschichte, die aber ohne Pathos auskommt.

Marzi bedient sich generell einer einfachen und klaren Sprache. Dadurch und auch deswegen, dass der Spannungsbogen bis zum Showdown auf dem London Eye kontinuierlich immer weiter aufgebaut wird – sei es deswegen, dass der Leser immer mehr Details aus Heavens und Davids Vergangenheit erfährt und sich so besser in sie hineinversetzen kann, oder die beiden Stück für Stück die Wahrheit über die Feen herausfinden, lassen sich die knapp 360 Seiten wie im Fluge lesen.

Ein besonderes Schmankerl sind die vielen literarischen Anspielungen. Abgesehen davon, dass David in einem kleinen gemütlichen Buchladen arbeitet und sich als Tiny Tim ausgibt, lies die Tatsache, dass der Auftragsmörder sich je nach Stadtteil als Mr. Drood, Mr. Heep oder Mr. Scrooge vorstellt mein Herz regelmäßig höher schlagen.

Fazit

„Heaven – Stadt der Feen“ ist ein guter Vertreter der Urban Fantasy, welcher sowohl Fans von sanften Liebesgeschichten, als auch Kriminalromanen ansprechen dürfte.


4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen