Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Halbgeist (Adam-Troy Castro)

Bastei Lübbe
Klappenbroschur, 428 Seiten
ISBN: 978-3-404-28536-5
14,00 €


Ein kurzer Einblick

Andrea Cort ist Ermittlerin im Diplomatischen Corps. In ihrer Kindheit hat sie Grausames durchlebt: Sie musste töten, um nicht selbst getötet zu werden. Ihr Auftrag führt sie zu einer mysteriösen Welt, auf der eine künstliche Intelligenz seltsame Wesen züchtet. Hier soll Cort den Mord an einem Menschen aufklären. Doch noch ehe sie den Mörder aufspürt, verübt dieser einen Anschlag auf sie. Ein fataler Fehler. Denn seit ihrer Kindheit ist Andrea Cort kein Mensch mehr. Sie ist ein Monster …

Bewertung

One One One ist eine künstlich erschaffene und autarke Welt, bewohnt von künstlich erschaffenen Wesen, den Brachiatoren, erschaffen von einer künstlichen Intelligenz, den KIquellen. Viele, viele Kilometer über einem brodelnden Ozean hängt in schwindelerregender Höhe befestigt an einem pflanzlichen Überwuchs Hängemattenstadt, eine Forschungsstation der Menschen, aufgebaut aus Seilbrücken und Zelten. Hierhin, an diesen Ort, wird die introvertierte Andrea Cort beordert, um den Mord an zwei Menschen aufzuklären. Es ist ein Fall, der sich als zweischneidiges Schwert entpuppt: Die Morde sollen aufgedeckt werden, dürfen es zugleich aber nicht, denn alles deutet daraufhin, dass die KIquellen nicht ganz unschuldig sind. Sollten sie angeklagt werden, steht das Überleben der Menschheit am Abgrund des Todes. Denn ein Krieg gegen eine unsichtbare Intelligenz grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Andrea Cort und speziell ihren Auftraggebern ist also sehr daran gelegen einen Sündenbock zu finden. Und so ermittelt Andrea Cort, befragt die KIquellen, wendet sich an die Brachiatoren und wird hinreichend von den Verlinkten (Zwei Menschen, die geistig in ein Individuum verschmolzen worden sind, aber noch beide Körper besitzen.) Oscin und Skye Porrinyard unterstützt.
In einer Welt fremder Wesen und fremder Umweltbedingungen, lassen sich gänzlich andere Lebensarten finden. Adam-Troy Castro nutzt die Fremdartigkeit aus und lässt philosophische Ideen mit in die Handlung einfließen, die die ganze Welt stimmig gestalten und dem Leser einen umfassenden Eindruck vermitteln; zumal die geistigen Vorstellungen der Brachiatoren ihren wesentlichen Bestandteil zur Aufklärung der Morde beitragen. Man beginnt diese Welt nicht nur als fremdartig wahrzunehmen, man beginnt sie zu verstehen und auch die Bedingungen unter der Andrea Cort nach einem Schuldigen ermittelt.
Mehr Krimi als SF-Roman, wird der Leser in Verwicklungen und Geheimnisse hineingezogen, die so nicht zu erwarten sind. Denn was Andrea Cort aufdeckt, sind nicht nur die Morde, sie klärt auch das Geflecht von (Macht-)Beziehungen unter den Menschen auf, ein Geflecht, dass diese Morde erst zugelassen hat. Man braucht Geduld für diesen Roman, denn erst spät werden all die Verwicklungen und Geheimnisse gelöst. Doch letztendlich wird man mit einer faszinierenden Welt, faszinierenden Wesen und einer spannenden Geschichte entlohnt.
Abgerundet wird der Gesamteindruck durch sechs stimmige Farbgrafiken, die vom Coverkünstler Arndt „P.J.“ Drechsler stammen.

Fazit

„Halbgeist“ ist ein Roman, den man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Vollkommen zurecht wurde Adam-Troy Castro für dieses Werk der Philip K. Dick Award verliehen. Für Freunde der anspruchsvollen SF-Literatur ist „Halbgeist“ ein Roman, der unbedingt im Regal stehen sollte.
Mit „Die dritte Klaue Gottes“ erscheint im Juli 2010 der zweite Roman um die Ermittlerin Andrea Cort, bevor im Oktober 2010 der dritte Roman unter dem Titel „Sturz der Marionetten“ auf den Ladentischen landet.

3,5 von 5 Punkten

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