Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rezension: Grischa - Goldene Flammen (Leigh Bardugo)

Carlsen
Einband gebunden mit Schutzumschlag, 350 Seiten
ISBN: 978-3-551-58285-0
17,90 €


Kurzer Einblick

Alina ist eine einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren. Dass sie heimlich in Maljen verliebt ist, ihren besten Freund seit Kindertagen, darf niemand wissen. Schon gar nicht Maljen selbst, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm.

Bei einem Überfall rettet Alina Maljen auf unbegreifliche Weise das Leben. Doch was sie da genau getan hat, kann sie selbst nicht sagen. Plötzlich steht sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und wird zum mächtigsten Grischa in die Lehre geschickt. Geheimnisvoll und undurchschaubar wird er von allen der Dunkle genannt. Aber wieso fühlt sie sich von ihm so unwiderstehlich angezogen? Und warum warnt Maljen sie so nachdrücklich vor dem Einfluss des Dunklen?

Bewertung

Der Debütroman von Leigh Bardugo fängt ein wenig holprig an, was aber an den befremdlichen Begriffen liegt, die nicht gleich erklärt werden. Doch wenn man sich erst einmal eingelesen hat, kann man kaum mehr aufhören und das Buch aus der Hand legen!

Die Autorin entführt uns in eine mit russischer Seele geprägte fiktive Welt mit mächtigen Zauberern und grausigen Monstern. Die Protagonisten sind Alina und Maljen, zwei Waisenkinder, die ihren Platz im Leben erst noch finden müssen. Als Maljen bereits einer der besten Fährtenleser in der Armee des Zaren ist, glaubt Alina ihre Berufung als Kartografin gefunden zu haben. Doch nachdem die Handlung bereits zu Beginn spannend und rasant Fahrt aufgenommen hat, ändert sich für Alina schlagartig alles. War sie bisher ein schmächtiges und unscheinbares Mädchen, welches mit sich selbst nicht zufrieden ist, wird sie plötzlich als Sonnenkriegerin und angehende Retterin der Welt in die Hauptstadt gebracht, wo sie zusammen mit anderen Grischa unterrichtet wird.

Sowohl Alina und Maljen als auch viele Nebenfiguren nehmen den Leser schnell für sich ein. Durch die Erzählweise aus Alinas Sicht erfährt man zwar wenig von den Absichten und Gedanken der übrigen Personen, doch werden diese in ihrer Mimik und Gestik so detailverliebt beschrieben, dass man keine Probleme hat, sich in sie hineinzuversetzen. Die Autorin hat hier auch sehr schön ein Thema einfließen lassen, was in unserer heutigen Zeit immer mehr an Aktualität gewinnt: übertriebener Schönheitswahn. Der Wahn nach perfektem Aussehen und dem Wunsch, am Hof des Zaren auf- und zu gefallen, da dort nur die äußere Erscheinung zählt. So gibt es unter den Grischa eine Bildnerin, die einzig dazu da ist, das Aussehen von anderen „aufzufrischen“ – die Grischa-Variante von Botox… Dass das nicht ohne Folgen bleibt, liest man ständig heraus, wie bei der Zarin:

„Die Zarin war wunderschön. Ihre glänzenden blonden Haare waren makellos frisiert, ihre feinen Gesichtszüge lieblich. Doch mit ihrem Gesicht stimmte etwas nicht – der Ausdruck war kalt, die Augen waren eine Spur zu blau, ihre Haut schien eine Spur zu glatt, ihr Haar eine Spur zu blond.“ (Seite 111)

Das Schönheit aber nicht alles ist, wird ebenfalls klar zum Ausdruck gebracht, wenn z.B. eben diese Bildnerin einfach keine Beachtung bei dem Mann findet, den sie liebt, obwohl sie eine makellose Erscheinung hat.

Eine weitere Hauptfigur sollte ebenfalls kurz erwähnt werden. Kann der zweitmächtigste Mann im Land, der der Dunkle genannt wird und von Haus aus eine schwarze Kefta (Robe) trägt, gut sein? Mit seiner geheimnisvollen und undurchschaubaren Art wirkt er auf alle Grischa anziehend und auch Alina kann dieser Anziehung nicht lange widerstehen... Wird sie Maljen darüber vollkommen vergessen? Und kennen wir bereits die wahren Absichten des Dunklen? Obwohl von Beginn an spannend, nimmt das Ende nochmals eine sehr interessante Wendung, die hier aber nicht näher erläutert wird, um die Spannung nicht zu verderben.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die sehr schön gestaltete Landkarte, die bereits zu Beginn Lust macht, in die Geschichte einzutauchen. Auch ist die Gesamtgestaltung des Buches wunderschön: Nicht nur der Schutzumschlag ist mit dem Aquarellbild schlicht aber ebendarum auch ein Blickfang, sondern auch der Buchrücken ist mit einem Aquarellwald bedruckt.

Weiterhin sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Produzent David Heyman sich bereits die Filmrechte an Alinas Abenteuern im geteilten Rawka gesichert hat. Auf diese Verfilmung bin ich sehr gespannt.

Fazit

Dieser Auftakt zu Leigh Bardugos Trilogie um Alina und die Grischa ist ein grandioses Werk, das nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch hervorragend gelungen ist.


5 von 5 Punkten



Wir danken sowohl Carlsen als auch bittersweet für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen