Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Grim 2. Das Erbe des Lichts (Gesa Schwartz)

Egmont LYX
Hardcover, 720 Seiten
ISBN-13: 978-3-8025-8304-9
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Ein Jahr ist vergangen, seit der Gargoyle Grim und die junge Sterbliche Mia den mächtigen Magier Seraphin besiegten. Doch nun wird die Welt erneut von Unheil bedroht. Grausame Morde geschehen in der Oberwelt von Paris, und Grim erkennt schnell, dass die Ereignisse nur eine Vorwarnung für etwas weitaus Schrecklicheres sind: Eine uralte Macht wartet darauf, entfesselt zu werden und das Antlitz der Welt für immer zu verändern …

Bewertung

Nach ihrem atemberaubenden Debütroman „Grim. Das Siegel des Feuers“, geht der Kampf des Gargoyles Grim und der Hartidin Mia gegen die Kreaturen der Finsternis in die zweite Runde. Ein Jahr ist vergangen und die Ausstellung von anderweltlichen Artefakten für die Menschen steht kurz vor der Eröffnung. Mia ist fest entschlossen, den Menschen die Anderwelt und deren Wesen näher zu bringen, um eines Tages den Schleier des Vergessens zwischen den beiden Welten aufheben zu können. Gleichzeitig ist Grim mit der OGP einem grausamen Serienmörder auf der Spur, der seinen Opfern das Blut aussaugt und ihre Augen aus den Höhlen schneidet. Doch nicht die Vampire stecken hinter diesen bestialischen Morden, sondern unglaublich mächtigere Wesen vergangener Zeiten, die die Rückkehr der Feen in die Welt der Menschen vorbereiten. Und wieder ist es an Mia und Grim, eine Schreckensherrschaft nicht an die Macht gelangen zu lassen …
War schon der erste Band um Grim und Mia beeindruckend ausgearbeitet, was Welten und Charaktere angeht, vertieft Gesa Schwartz ihren Weltenbau nun gründlich. Nicht mehr die Gargoyles und ihre Geschichte und deren Zwist mit den Hybriden wird weitererzählt (die Völker Grogonias leben nun vereint und friedlich nebeneinander), sondern das Geschlecht der Alben weiter vertieft. Mit der Fee Theryon haben wir bereits eine Gestalt des Albenvolkes kennen gelernt, doch nicht nur die Feen sind dem Geschlecht der Alben zuzuordnen. Auch die Zwerge sind vor Jahrhunderten aus den Alben hervorgegangen – und noch weitaus finstere Wesen, die nicht ohne Grund in der Zwischenwelt gefangen gehalten worden waren. Erfolgreich setzt Gesa Schwartz mit dem Volk der Alben einen neuen Akzent, denn vielfältig und spannend sind ihre Ideen, die an schillernde Orte, beeindruckende Gegenden und geheime Reiche entführen: Gebäude der Menschen verfallen in rasendem Tempo und werden von Pflanzen überwuchert; vergessene Orte der Feen errichten sich neu und versprühen ihre Faszination und Magie; das Reich der Zwerge ist ein steinern vulkanischer Orte von beeindruckender Majestät.
Mit einer metaphorischen und märchenhaften Sprache wird der Leser in eine Welt des Staunens – und auch des Grauens entführt –, denn wo Glanz ist, ist auch Schatten. Uralte Krieger einer vergangenen Zeit, die für das Gute gekämpft haben, haben ebenso einen Schatten in sich, dem sie verfallen können, wie jeder Mensch unserer Zeit, der vermeint Gutes für die Welt zu tun. Die Feen strahlen eine erhabene Schönheit aus, doch eine Gruppierung unter ihnen hat den Menschen nie ihre Vertreibung aus der Welt der Menschen verziehen und so pflegen sie ihren eiskalten Hass gegen die Sterblichen und gehen mit unbarmherziger Gewalt gegen sie vor, sobald ihnen die Möglichkeit zum Krieg beschieden ist. Doch nicht alle Feen, sind dem Schatten verfallen. Wo Schatten ist, ist auch Licht. Das vollkommene Böse gibt es nicht, sowie es nicht das vollkommene Gute geben kann.
„Das Siegel des Feuers“ überraschte mit einigen guten Witzen und Situationskomik, die zwar noch vorhanden, aber bei weitem nicht mehr so häufig anzutreffen ist. Was schade ist, denn gerade dies hat der Geschichte einiges an Sympathie gegeben; Sympathie, die den Protagonisten glücklicherweise nicht abhanden gekommen ist. Mann kann gar nicht anders, als Mia, Grim und ihren Gefährten im Kampf gegen die Schattenalben und die Feen die Daumen zu drücken, ihnen alles Gute zu wünschen! Einzig Grims Macke, stets etwas für eine Legende zu halten, nur weil er es nicht für wahr gehalten hat, stört an seiner Figur dann doch etwas. Denn gerade er, sollte doch mittlerweile wissen, dass Legenden oftmals wahrer sind, als der Glaube daran.
Und wo Licht ist, ist auch Schatten. Ich sagte es bereits. Es gilt nicht nur für die hervorragende Nichtexistenz der Schwarzweißmalerei, sondern auch für die Geschichte selber. Die erste Hälfte des Romans besteht aus einer monotonen Abfolge von: 1. Geheimnis entdecken. 2. Der Feind greift an. 3. Eine Flucht ist der einzige Ausweg auf Überleben. Atempausen werden dem Leser nicht gelassen, der beständige Kampf, lässt einen förmlich nach Ruhe sehnen. Zumal ein furioser Kampf nach dem anderen zu wenig Abwechslung verspricht. Erst recht dann, wenn der Gegner nicht zu töten ist. Doch eines muss man den Kämpfen lassen: Sie sind ästhetisch spektakulär!

Fazit

„Das Erbe des Lichts“ hat seine Schwächen und reicht nicht gänzlich an seinen Vorgänger heran, doch ausgefeilte Charaktere, actiongeladene Kämpfe und magische Orte lassen den Leser fasziniert in 700 Seiten versinken. Die Aufnahme von Horrorelementen steht dem Roman abermals sehr gut zu Gesicht. Schatten und Licht mag es geben, doch eines ist klar: Gesa Schwartz' zweiter Roman um den Gargyole Grim und die Hartidin Mia erstrahlt in fast goldenem Licht!

4 von 5 Punkten

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