Freitag, 14. Dezember 2012

Rezension: Gott (Frank Schweizer)

Blitz-Verlag
Hardcover, 224 Seiten
ISBN 978-3-89840-287-3
15,95 €


Ein kurzer Einblick

Im Himmel ist die Hölle los! Ein prominenter Teufel wird tot aufgefunden. Verdächtig ist ein Engel. Waltharius, Inhaber einer Teufelsdetektei, nimmt die Ermittlungen auf. Zwei Spezialagenten vom TSD, dem Teuflischen Sicherheitsdienst, mischen sich ein, und die furiose Jagd durch die Anderwelt beginnt. Ein wahrlich apokalyptischer Spaß erwartet Sie in diesem rasanten Fantasy-Roman.


Bewertung

»Die ganze bemerkenswerte Geschichte jenes Abenteuers ist in einem Ergänzungsband der Teufelsenzyklopädie der Vollkretins ausführlich beschrieben worden.« (S. 39) Gemeint ist jene Geschichte, abgedruckt in »Grendl« (Otherworld Verlag), die das verrückte Weltrettungsunternehmen des Studenten Max Merkur und des Teufels Lutherion erzählt. Kenner besagten Ergänzungsbandes genießen Vorteile, denn eine Charaktervorstellung Merkurs und Lutherions sowie eine eingehende Beschreibung der Hölle ist diesem Roman abkömmlich. Einstiegsschwierigkeiten dürfte es für Nichtkenner daher geben, doch trifft dies fast ausschließlich auf Schweizers Ideenwelt der Hölle zu. Max Merkur und Lutherion agieren nicht als Protagonisten. Sie bilden als Spezialagenten des TSD (Teuflischer Sicherheitsdienst) das tollpatschige Ermittlerteam, das die entflohenen Hauptakteure, gesucht als Mörder, zurück in die Hölle bringen soll.
Teufel und Philosoph Spizza III. (Erfinder der Erleuchtung durch Nahrungsmittelkonsum) wurde ermordet. Waltharius nimmt am Tatort den Engel Enlil in Haft, der sich von der Bluttat distanziert. Waltharius glaubt ihm und gemeinsam begeben sie sich gejagt als vermeintliche Mörder Spizza III. auf Spurensuche des echten Mörders. Es ist eine rasante Reise, es ist eine skurrile Reise voller Aberwitzigkeiten. In Dämon-City, in einem Meer aus schwarzem Sand am Fluss Dä gelegen, entdecken sie die erste Spur, die sie in die Totenstadt bringt. Zigarette rauchende Skelette beäugen sie misstrauisch. Doch zuvor müssen sie einen Supermarkt durchqueren und die Rolltreppe des Grauens bewältigen. Und noch längst ist die Reise nicht beendet ...

»‚Cool!‘ Max Merkur öffnete die Arme. ‚Lasst uns knuddeln.‘« (S. 183) Süß, verrückt, schräg? Natürlich! Frank Schweizer hat sich schon in »Grendl« als Garant für Spaß und Schabernack entpuppt. Hier wie dort gibt sich der Autor hemmungslos Albernheiten, Unmöglichkeiten, Wortspielereien und philosophischen Grundsatzfragen hin - natürlich verdreht und verquer. Das Fegefeuer als Spielcasino in Szene zu setzen, ist in einem Fantasy-Roman vielleicht nicht gewagt, aber überraschend und einfallsreich. Einen Chip gibt es gratis. Wer seinen letzten Chip ausgibt oder verspielt, landet in der Hölle. Wer den Jackpot knackt, darf den Himmel betreten.
Humor ist noch und nöcher vorhanden. Zwar kann Frank Schweizer den Ulk die Handlung über nicht konsequent hochhalten - Abnutzungserscheinungen treten unweigerlich auf -, aber die Vielfalt an Ideen, dummen Sprüchen und philosophischen Fragen fangen dieses Problem spielend auf. Langweilig und dröge wird »Gott« nicht. Immer lässt sich sich eine Alberei zum Lachen und Schmunzeln finden. Dazu bei trägt nicht nur die hervorragende Fantasie des Autors, sondern auch das ungleiche Duo aus Teufel und Engel, Waltharius und Enlil.
Waltharius ist ein Plappermaul, ungeduldig und draufgängerisch, zugleich aber auch ein schreckhaftes Wesen. Enlils Charakter ist von ruhiger Art, etwas hochnäsig und zurückhaltend in Konfliktsituationen. Gemeinsam stolpern Waltharius und Enlil von Handlungsort zu Handlungsort. Das muss so sein, das ist spleenig, das ist garantierter Lesespaß.

»‚Hmm, und wenn wir alle aufeinander liegen würden?‘
‚Enlil denkt, das würde die himmlische Zensurbehörde alarmieren«, gab der Engel zu bedenken. »Enlil glaubt auch, dass wir nicht noch mehr empörte Engel hier brauchen.‘« (S. 183)
Trotz des Lobes und kleinerer Schwächen darf die Kritik nicht vergessen werden. Es ist nicht tragisch, dass Lutherion und Max Merkur nicht eingehender vorgestellt werden, es ist aber sträflich, bei aller Liebe zur gelungenen Witzigkeit die Charaktere hintenanstehen zu lassen. Sympathisch und liebenswürdig mögen Waltharius und Enlil sein, aber etwas mehr Tiefe hätte den Hauptakteuren gut getan. Als Witzfiguren (trotz negativer Belastung ist Witzfigur ausnahmsweise positiv gemeint) taugen sie allerdings. In dem Sinne bin ich über die Vernachlässigung der Charaktere zugunsten von Witz und Wortspielerei empört. Ein abschließendes Lob darf sich die Story einheimsen: kurzweilig, aber spannend, konsequent und einfallsreich.

Fazit

Frank Schweizers Philosophiestudium war schon in »Grendl« bemerkenswert ausgeprägt. »Gott« stellt die Frage nach der Existenz Gottes - hübsch verpackt und garniert mit Jux und Witz. Größte Schwäche sind die sympathischen Charaktere, die mehr Persönlichkeit verdient hätten. Ein Unterhaltungsroman hervorragender Güte ist »Gott« aber allemal. Es darf nur zu hoffen bleiben, das »Gott« nicht Frank Schweizers letzter Fantasy-Roman bleibt.

3 von 5 Punkten

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