Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Gothic. Dark Stories (Boris Koch (Hrsg.))

Gulliver
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN 978-3-407-74120-2
7,95 €


Ein kurzer Einblick

Sehnsüchtige und ewige Liebe, schauerliche Wesen, verfallene Friedhöfe und verwelkte Rosen ...
18 schwarz-romantische Kurzgeschichten um Vampire, Liebe und Tod, mysteriöse Begebenheiten, blutrünstige Zombies oder düstere Endzeitvisionen.
Markus Heitz, Christian von Aster, Tobias O. Meißner, Christoph Hardebusch, Maike Hallmann, Jörg Kleudgen sowie 12 weitere namhafte Autoren aus der Gothic- und Fantasy-Szene entführen in eine wohlig schauerliche Welt.

Bewertung

18 exklusive Kurzgeschichten namhafter und aus der Szene bekannter Autoren haben sich in der von Boris Koch herausgegebenen Anthologie versammelt, um mit düster-schaurigen Storys die Jugend zu unterhalten. Bei Gulliver, das zu Beltz & Gelberg gehört, erschienen, richten sich die Geschichten vornehmlich an Jugendliche; Erwachsene werden nur bedingt auf ihre Kosten kommen.
Von Geschichten, die die Erwartung einer allseits bekannten Gruselgeschichte erfüllt, über romantisch-schaurige Geschichten bis zum übernatürlichen Horror ist die Bandbreite der düsteren Phantastik voll ausgeschöpft und garantiert damit ein abwechslungsreiches Lesevergnügen voll Mystery und grauenvoller Düsternis. Auch thematisch versagt »Gothic. Dark Stories« nicht. Bezugspunkte lassen sich für Jugendliche reichhaltig finden: Das Erwachsenwerden, die erste große Liebe, der Realitätsverlust oder das Aufbegehren gegen die Eltern sind nur einige Themen, die die Autoren verarbeitet haben. Vertreten sind die allseits bekannten Geschöpfe wie Elfen und Werwölfe. Vampire treten etwas zu zahlreich auf, was eventuell deren Popularität zu verschulden ist.
Auffallend ist jedoch, dass gerade die namhaften Autoren gewöhnliche, wenig überraschende, wenn auch gut umgesetzte Geschichten abliefern und die in der Szene aktiven Autoren die kreativeren Ideen anbieten. Wie dem auch sei, ein Vorwort Boris Kochs und ein Autorenverzeichnis runden das Gesamtbild stimmig ab.
Folgend verliere ich Worte zu ein paar ausgewählten Geschichten:

Markus Heitz‘ »Schattenspiel« wird seinem Namen nicht gerecht. Der 0815-Stempel darf getrost genutzt werden, denn über eine düster-kitschige Story einfallsloser Art kommt sie nicht hinaus. Jana ist auf dem Weg zu ihrem Freund und nimmt wie immer die Abkürzung. In der Dunkelheit der Unterführung lauert jedoch ein schwarzer Schatten, dessen Anziehungskraft sie sich nur schwer entziehen kann.
Markolf Hoffmanns »Die blauen Handschuhe« hingegen zeigt, was eine gute Geschichte ausmacht. Obwohl die gleiche Mystik in der Luft hängt, besticht sie von Anfang bis Ende. Mit hervorragendem Geschick flicht Hoffmann eine geheimnisvolle Sehnsucht ein, die die Handlung vorantreibt. Marina hat ihren Vater seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen. Nun ist sie auf dem Weg zu ihm nach Altmooren, wo er ein Geheimnis hütet, das Marina offenbart, warum sie ihr Leben lang Handschuhe tragen müssen wird.
Von Malte S. Sembtens »Eine halbe Stunde zu früh« erhoffte ich mir viel - und wurde zum Ende hin enttäuscht. Dabei fing seine Story makellos an, setzte sich actionlastig und überraschend fort und verlangte ein Ende, das dann von belangloser Gewöhnlichkeit und Kitsch erdrückt wurde. Lea findet im Internet einen Nachhilfelehrer, wird in seiner Wohnung jedoch von einem bärbeißigen Vampirjäger in Armeeklamotten und Bart überwältigt und gefesselt. Was folgt, muss nicht näher erläutert werden ...
Kathleens Weises »Der Wolf und der Muli« ist eine gewollt gebastelte Geschichte um Mobbing und Werwölfe. Gut geschrieben bleibt die Story hauptsächlich wegen des Zeigefingers in Erinnerung. Vera ist das Mobbingopfer ihrer Klasse, bis sie mit Hilfe ihrer Mutter ein Geheimnis erfährt, das sie fortan aus ihrer Rolle befreit.
Simon Weinerts »Wolf an der Leine« widmet sich abermals dem Thema Werwolf. Mit einem Dialog, der das Interesse weckt, und zwei charakterlich entgegengesetzten Figuren baut Weinert die Handlung vielversprechend auf, lässt diese jedoch durch unglaubwürdige Verstrickungen im Sande verlaufen. Rüdi und Boris wollen im Schwarzwald einen weiblichen Werwolf fangen, um endlich einmal eine ansehnliche Frau nackt betrachten zu können. Boris Angst siegt, er haut vorzeitig ab und Rüdi nimmt den Werwolf mit Heim. Es ist die Freundin seines Freundes ...
Michael Marraks »Liliths Töchter« ist fabulös in Szene gesetzt, setzt die Akzente punktuell präzise und lässt unnötige Ausschweifungen aus. Mysteriös, geheimnisvoll und leicht erotisch angehaucht endet die Anthologie mit einem Höhepunkt, derer mehr hätten vorhanden sein dürfen. Adrian sammelt mit Lydia im Wald alchemistische Pflanzen, um eine Alraune zu erwecken. Was Adrian jedoch nicht wusste: Lydia treibt ein falsches Spiel mit ihm.

Fazit

»Gothic. Dark Stories« ist keine Offenbarung, aber auch keine Enttäuschung. Die Anthologie rangiert in einem guten Mittelfeld und darf damit angeben, dass keine Geschichte ein Flop ist. Schreibtechnisch versagt keiner der Schreiberlinge, allein die Ideen sind so manches Mal etwas zu einfach gestrickt. Ideeneinfallsreichtum ist aber auch leichter verlangt als umgesetzt.

3 von 5 Punkten

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