Freitag, 14. Dezember 2012

Rezension: Gharana. Eine neue Welt 1. Herix (Jakob Moser)

Luzifer Verlag
eBook
ISBN 978-3-943408-31-7
2,99 €


Ein kurzer Einblick

Herix - der junge Ehrwürdigen-Krieger - wird in den “Exodus“ gesandt, da er die eisernen Regeln des Stammes verletzt hat. So muss er nun auf sich allein gestellt die garstige Oberwelt Gharana’s erkunden, um Sühne und Begnadigung zu erlangen.
Exodus - der Weg in den Tod, ein Weg ohne Wiederkehr.
Doch für einen Krieger der Ehrwürdigen ist der Tod keine Strafe, sondern eine ehrenvolle Herausforderung ...

Bewertung

In ihrer Selbstverherrlichung und unendlichen Arroganz stürzte sich die Menschheit in einen atomaren Krieg. Infolgedessen verbrannte der Feuersturm die Erdoberfläche unauslöschlich. Meere verdunsteten und der Himmel verdunkelte sich. Die Erde mit ihren Metropolen und Zivilisationen lag in Schutt und Asche. Nun, Jahrhunderte später, die Sonne scheint glühend erneut auf den Erdball hinab, kehrt das Leben an die Oberfläche zurück. Mutationen und monströse Geschöpfe bevölkern die alten Ruinen, U-Bahn-Schächte, Kanalisationen und Bunkeranlagen.
Die Nosferaten sind nur eine der Kreatürlichkeiten, die aus der menschlichen Zivilisation hervorgegangen sind. Sie scheuen das Licht, verkriechen sich in der Dunkelheit und ernähren sich vom Blut ihrer Opfer. Es sind schwächliche Kreaturen, doch ihre Stärke liegt in ihrer Masse und ihrer Schwarmintelligenz, die sie ungemein gefährlich macht. Nicht die komplette Menschheit hat sich in diese abscheulichen Wesen verwandelt. Viele überlebten als menschenähnliche Geschöpfe der atomaren Selbstauslöschung. In Raumstationen, Bunkeranlagen und auf dem Meeresgrund überstanden versprengte Gruppen die Atomarverseuchung und passten ihre Physis an die neue Umwelt an.
Das Volk der Ehrwürdigen, eine der Gruppierungen, zu denen auch der Titelheld Herix gehört, überdauerte den planetaren Suizid in den Bunkeranlagen. Jedoch nicht ohne Folgen. Ihr Körperbau hat sich deutlich verändert. Sie weisen eine ausgebildete Muskulatur auf und leiden unter schwärzlich-totem und vernarbtem Gewebe, das von der Reststrahlung in den unterirdischen Anlagen herrührt. Die Ehrwürdigen besitzen eine ausgeprägte Kämpfernatur und ein großes Wissen aus der alten Welt, das sie gleichwohl verachten. Die Benutzung der einstigen Feuerwaffen gilt als schwächlich. Stattdessen greifen sie zu den ehrenhaften Nahkampfwaffen, den Schwertern. Ihr patriarchalisches Kastensystem ist zwar nicht unbedingt religiös veranlagt, tendiert aber hin zu heidnischen Ritualen und dem Ahnenkult.
In diesem Gesellschaftssystem wächst Herix in Sonders Bunker in der strengen Ausbildung der Kriegerkaste auf. Früh verliert er seinen besten Freund Kladius im »Eisernen Ritual«. Das »Eiserne Ritual« ist die letzte Prüfung, die ein angehender Kämpfer in den tieferen, versiegelten Ebenen des Bunkers zu bestehen hat. So fähig Herix mit seinen Schwertern umzugehen vermag, so neugierig ist er, was ihm zum Verhängnis wird. Er verletzt die ehernen Regeln seines Volkes und wird ins Exil verbannt. Alleine muss er nun auf der rauen Welt Gharanas überleben, um Begnadigung zu erlangen. Während Nahrung und Wasser in der toten Welt zur Neige gehen, nimmt Herix den Überlebenskampf als kriegerische Ehre und Herausforderung an. Dabei muss er sich nicht nur den tödlichen Gefahren der Natur stellen, sondern auch Entscheidungen treffen, die das Wohl und Übel anderer Bevölkerungsgruppen anbelangen. Unterwegs auf seiner Reise trifft er nicht nur Freunde und eine weitere Kolonie der Ehrwürdigen, die sich von den alten Traditionen abgewandt haben: Todbringende Feinde lauern auf Herix‘ Schicksalsweg. Die technisch fortgeschrittenen Kosmonauten leben in Raumstationen, umkreisen den Erdball und streben nach der Alleinherrschaft auf der Erde. Die Engstirnigkeit, die ihm in Sonders abgelegenem Bunker angelernt wurde, öffnet sich einem weltlichen Wissen. Ferner kommt Herix zu der Erkenntnis, dass unterschiedlichste Interessensparteien darum kämpfen, das Überleben in der neuen Welt zu meistern. Völlig überraschend und schwer glaubwürdig für ihn ist die Information, dass bereits damit begonnen wurde, eine neue Zivilisation zu errichten: Relikt und Verhängnis einer anderen Zeit.

Die Welt Gharanas setzt sich Stück für Stück zusammen, formt eine glaubenswürdige postapokalyptische Nachkriegszeit, in der die einstige Menschheit nicht mehr existiert. Karge Landschaften, trockene Ebenen und staubige Gebirge zeichnen ein trostloses Bild, in denen vereinzelt Ruinen vergangener Zeiten einsam verfallen. Die Vegetation beschränkt sich auf Mose und Flechten.
Jakob Mosers Schreibstil fügt sich wunderbar in das raue Bild dieser Welt ein. Der Leser erhält eine stimmige, atmosphärische Untergangsstimmung, in der sich der selbstbewusste Herix zurechtfinden muss. Überhaupt wird Herix als sympathischer Krieger dargestellt, der so manche Entscheidung treffen muss, die nicht nur sein Leben, sondern auch das vieler anderer Intelligenzen betrifft. Zweifel kennt der junge Krieger nicht. Herix folgt unbeirrt seinem Pfad und schlägt selbstsicher den richtigen Weg ein, um an sein Ziel zu gelangen.
Etwas verwunderlich und auf den ersten Blick unpassend lesen sich Formulierungen wie: »Mit der rasenden Wut eines preschenden Streitwagens brandete das kriegerische Berserkerhormon Adrenalin in feurigen Wogen gegen Herix‘ mutiertes Synapsengeflecht.« oder »[p]ostspektrale Dysphorie«. Derartige Metaphern und Fachausdrücke fallen doch ziemlich aus dem Rahmen dessen, was man vom Handwerk anderer Autoren kennt. Gerade anfangs liest sich dieser Stil sehr ungewohnt. Auf Dauer jedoch unterstreichen eben diese herausstechenden Wörter und Sätze den besonderen Charakter Gharanas.«

Fazit

»Herix« ist der erste Teil einer aus losen Episoden bestehenden eBook-Serie, die einen glänzenden Start hinlegt. Holprige Formulierungen oder seltsame Ausdrücke fallen kaum ins Gewicht, sind diese doch genauso rau und geschunden wie die Lebensfeindlichkeit Gharanas. Fans düstererer Zukunftsszenarien sollten unbedenklich zuschlagen und sich auf das Abenteuer mit Herix einlassen.

4 von 5 Punkten

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