Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Genesis - Eis. Stein. Diamant. (Wolfgang / Heike Hohlbein)

Ueberreuter
Hardcover, 1296 Seiten
ISBN: 978-3-8000-5553-1
16,95 €

Ein kurzer Einblick

Einst herrschten die mächtigen Elder über die Erde, doch ein schrecklicher Krieg beendete ihre Herrschaft und ließ sie in einen jahrtausendelangen Schlaf sinken. Nun sind sie erwacht und wollen sich die Erde erneut untertan machen. Verzweifelt versuchen der junge Ben und die Autistin Sasha sie aufzuhalten – denn in einer Welt der Elder hat die Menschheit keinen Platz mehr …

Bewertung

Ueberreuter hat die die „Genesis“-Trilogie Anfang 2010 neu als Sonderausgabe herausgebracht, nachdem die einzelnen Bände bereits im Herbst 2006 erschienen sind – Eine Sonderausgabe für den kleinen Geldbeutel, denn alle drei Bände wird man nirgends zu diesem unschlagbaren Preis finden. Doch all das ist für die Katz, wenn der Inhalt nicht stimmt. Schauen wir uns den Roman also etwas genauer an: Schon bevor die Besatzung der Princess of the Dawn am eisigen Strand der Antarktis Schiffbruch begeht, schleicht sich das Grauen auf dem Schiff ein. Monströse Träume lassen Ben jede Nacht schreiend erwachen und kleine schwarze Spinnen scheinen ihn und die anderen Passagiere zu belauern, während das Gefühl einer dräuenden Gefahr immer stärker wird. Das unterschwellige Grauen, das für eine Lovecraft-Hommage Pflicht ist, funktioniert im ersten Band „Eis“ noch auf akzeptable Weise prächtig, doch leider gelingt es dem Autorenpaar das Grauen im Verlaufe der beiden anderen Bände kaum merklich zu steigern, sodass die Handlung stets auf demselben Level vor sich hin dümpelt. Endlose Wiederholungen und Handlungsschleifen, die sich auch noch im zweiten Band „Stein“ fortsetzen (lediglich das Setting ist ein anderes) verschleppen die Handlung. Die Schleifen nehmen zwar wenig von der Spannung, lassen die Handlung aber mehr und mehr vorhersehbar werden, sodass Überraschungen kaum noch möglich sind. Zugegeben: Auf der Princess of the Dawn oder später in der Wetterstation lässt sich bedingt durch den kleinen Raum, schwerlich große Handlungsvielfalt verwirklichen, doch eine Entschuldigung kann dies nicht sein. Kürzungen in der Handlung, eine ausgefeiltere Handlung oder beeindruckendere Ideen hätten eventuell eine Lösung sein können. Aber auch die Eismonster erscheinen auf Dauer eher lächerlich, wirken wie Marionetten, die sie zwar auch sind, werden sie doch von den Eldern befehligt, bekommen mit der Zeit aber ein viel zu menschliches Gesicht – die anfängliche subtile Bedrohung durch ihre schiere Masse ist spätestens im dritten Band „Diamant“ einfach futsch. Grausam und erschreckend wirkten sie von Anfang an nicht, aber deren schon fast virulente Ausbreitung mithilfe ihrer körpereigenen Waffen machten das ihnen selber fehlende Grauen wieder wett.
„Diamant“ ist der nötige Lichtblick, denn hier gibt es endlich keine endlosen Wiederholungen, sondern auch Überraschungen, wenn lose Handlungsfäden zusammengeführt werden. Gänzlich können die Schwächen von „Eis“ und „Stein“ natürlich nicht ausgebügelt werden, doch „Diamant“ ist ganz klar der beste und abwechslungsreichste Band. Leser, die es bis hierher geschafft haben, werden belohnt. Allerdings fallen kleinere Fehler mittlerweile doch stark auf. Es sind nur Kleinigkeiten, minimale Unstimmigkeiten, die aber dennoch störend wirken. Da hätte ein Lektorat eingreifen müssen. Warum die Söldner sich bisher stets gegen die viel mächtigere Spezies, von deren Existenz sie nichts wussten, behaupten konnten – eine effektive Waffe ist immer zur Hand – war zwar stets ein Rätsel, aber lief noch unter dem Punkt akzeptabel. Dass jedoch für den großen Endgegner eine von den Amerikanern zurückgelassene Atombombe gezündet werden kann (zugegeben: einen endgültigen großen Knall gibt sie her) wirkt letztendlich dann doch wie eine deus ex machina Lösung.
Stereotypen dominieren und bedienen die Handlung, weil sie benötigt werden. Einzig Sasha ist ein wirklich interessanter Charakter. Sie ist Autistin und weilt in ihrer ganz eigenen Welt; einer Welt, die aber spürbar Einfluss auf das Überleben der Schiffs- und der Wetterstationsbesatzung nimmt, sodass Sasha nicht nur der interessanteste Charakter ist, sondern zugleich eine der Schlüsselfiguren. Die beginnende Beziehung zwischen ihr und Ben ist nicht einfach ein Liebesgeplänkel, das viel zu viele Romane auszeichnet, sondern ein beeindruckender Handlungsfaden; ist eine Beziehung zwischen Sasha und Ben doch schon fast unmöglich: Und dennoch schaffen die beiden es auf eine Weise miteinander in Kontakt zu treten, das nur ein Band der Liebe knüpfen kann.

Fazit

Keiner der Bände sollte zum Altpapier wandern, doch gerade die ersten beiden hätte ein wenig mehr Handlungsvielfalt gut zu Gesicht gestanden. Lovecraft-Kenner werden die Trilogie enttäuscht zur Seite legen, da der Horror respektive das unterschwellige Grauen doch recht zurückhaltend ausgebaut ist bzw. dem Fantasyeinschlag einen zu großen Platz einräumen muss; alle anderen sind mit „Genesis“ hervorragend bedient.

3,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen