Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Gedankenhaie (Steven Hall)

Piper
Taschenbuch, 432 Seiten
ISBN 978-3492252041
9,95 €


Ein kurzer Einblick

»Wenn Du das hier liest, bin ich nicht mehr da. Geh ans Telefon und drücke die Kurzwahltaste 1. Der Frau, die den Hörer abnimmt, sagst Du, Du seist Eric Sanderson.« Mit diesem unerklärlichen Brief, gezeichnet »der Erste Eric Sanderson«, beginnt für Eric Sanderson ein Abenteuer jenseits aller Vorstellungskraft, in dem nur eins sicher ist: Er wird von einer unsichtbaren Macht verfolgt, die sein Leben bedroht. Aber vielleicht geschieht das alles nur in seinen Gedanken?

Bewertung

Als Thriller aufgemacht, als Thriller vermarktet – und doch ist es nur die halbe Wahrheit; je nachdem wie der Leser die Akzente setzt. Mit Sicherheit kann „Gedankenhaie“ ein reiner Thriller sein. Insbesondere dann, wenn man Eric Sanderson seine Geisteskrankheit in vollem Maße zugestehen möchte. „Gedankenhaie“ kann aber genauso gut ein phantastischer Roman sein. Nämlich dann, wenn man die Geisteskrankheit lediglich als Grundlage für eine moderne Erklärung nimmt, aber eine weitere uns verborgene Dimension akzeptiert, sodass die Fantasien des Eric Sanderson zur Wahrheit werden. Wie auch immer Sie „Gedankenhaie“ lesen sollten, ein unkonventioneller Roman, der einem Flickenteppich aus extravagant zusammengeschusterten Ideen gleicht, liegt definitiv vor.
Eric Sanderson der Zweite wacht eines Tages auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Doch ein ominöser Eric Sanderson der Erste hat ihm Botschaften hinterlassen – und eine Zeitbombe. Diese ist es auch, die ihm letztlich sein langsam aufgebautes Leben mit der Hilfe von Dr. Randle zerstört und ihn dazu veranlasst, den Botschaften des Eric Sanderson des Ersten zu Folgen. Mühsam verfolgt er Botschaften und Nachrichtenschnippsel, die ihn zu Dr. Trey Fidorous führen sollen; einem Experten für Konzeptfische und insbesondere einen Experten für den Schwammkopf-Geisterhai, der Eric Sandersons Leben bedroht. Allein mit Konzeptschleifen und einem Paket an Briefen, die seine Spur verwischen und ihn beschützen sollen, gelingt es Eric sich den Schwammkopf-Geisterhai vom Leib zu halten. Denn sollte dieser ihn finden, gäbe es Eric Sanderson den Zweiten mit seiner jetzigen Persönlichkeit nicht mehr. Gemeinsam mit Scout, seiner Führerin durch eine verborgene Welt, die ihn vor Dr. Nobody gerettet hat, gelingt es ihm schließlich Dr. Trey Fidorous zu finden.
Eric Sanderson ist geisteskrank. Angeblich jedenfalls. Sofern man dem Urteil von Dr. Randle trauen darf. Ob Eric Sanderson jedoch eine phantastische Welt in seinem Kopf erschaffen hat oder wirklich durch diese vor dem Schwammkopf-Geisterhai flieht, lässt unweigerlich die Frage aufkommen: Ist alles wahr oder nur Irrealität? Denn eindeutig entscheiden kann man nicht, ob diese Geschichte aus der scheinbaren Sicht eines Geisteskranken geschrieben wurde. Fakt ist jedoch, dass es Steven Hall gelungen ist, einem die Erlebnisse glaubhaft und spannend zu vermitteln. Grafiken und seltsame Textschnippsel tragen dazu bei. Das 50-seitige Daumenkino ist mehr als ein Gag, vermittelt es doch das Auftauchen des Schwammkopf-Geisterhais aus dem Roman; zumal der Hai nur ein Konzept aus Worten ist. Ein Konzeptfisch eben. Wie die halbe Welt, durch die Eric wandert.
Nichts ist wahr, alles ist möglich!

Fazit

„Gedankenhaie“ ist ein Feuerwerk von außergewöhnlichen Ideen und eine Offenbarung eines Romans. Vergleichbar ist „Gedankenhaie“ nur mit der schwereren Kost des Mark Z. Danilewskies: „Das Haus“. Ist „Gedankenhaie“ aber nun ein phantastischer Thriller mit Persönlichkeitsstörung, ein lupenreiner Thriller oder ein phantastischer Roman mit Thrillerelementen? Die Antwort überlasse ich Ihnen und ermuntere jeden, diesen Roman zu lesen. Sie werden nicht enttäuscht sein!

4,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen