Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Furien (Richard Laymon)


Festa
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN 978-3-86552-136-1
13,95 €


Ein kurzer Einblick

Ein Kinobesuch wird für Marty zum schlimmsten Albtraum, als sie den Kerl sieht, der hinter ihr sitzt. Willy – der Mann, der vor zehn Jahren in ihre Wohnung einbrach und sie vergewaltigte. Er ist raus aus dem Gefängnis. Er ist auf der Jagd nach ihr. Willy ist eine Furie …

Furien – ein Kurzroman und 12 weitere Begegnungen mit dem Grauen.

Bewertung

Was verbindet ein Laymon-Leser mit dem Horrorschriftsteller? Blut, Abartigkeiten, Gewalt und Sex – und das durchweg in übertrieben hohem Maße; Atempausen gewährt Laymon kaum. Und das ist auch gut so, denn ein Laymon ist ein Laymon: Unverwechselbar und unterhaltend.
„Furien“ aber ist kein Laymon; zumindest kein Laymon mit Laymon-Anspruch. Zahm und verhalten nähert sich Richard Laymon seinen Geschichten. Niemals kommt er in Fahrt, niemals fährt er das Laymon-Potential auf. Beispiele gefällig?

„Der Katzenwurf“: Ein Mädchen möchte unbedingt ein untotes Katzenbaby adoptieren und erfährt zu was steifes Beharren führen kann. Ein Hauch der unheimliche Atmosphäre, die diese Geschichte bitter gebraucht hätte, ist erst zum Ende hin spürbar. Eine viel versprechende Geschichte macht leider keine gute Geschichte.
„Vorkoster“: Einem etwas tolpatschigen Detektiv wird ein Auftrag angeboten, den dieser wegen Geldmangel annimmt. Die Pointe ist fies, aber vorhersehbar. Und eigentlich ist „Vorkoster“ eine wirklich tolle Geschichte; wenn sie nicht von Laymon wäre, denn zu diesem mag sie einfach charakteristisch nicht passen.
„Die Jagd“: Eine Frau wird entführt, als Lockvogel missbraucht – und versteckt sich lediglich auf einem Baum. Was eine brutale Story hätte werden können, verwischt zu einem schalen Nichts. Es gelingt Laymon einfach nicht, gute Ansätze auch auszuschöpfen.
„In der Wildnis“: 3-Seiten-Geschichten benötigen eine verdammt gute Pointe, die diese Story leider nicht hat. Die doch schon deutlicher zum Tragen kommende Laymon-Gewalt, kommt leider nicht zur Geltung.
„Joyce“: Die schockgetrocknete Ex-Frau wird fanatisch verehrt. Die neue Ehefrau ist davon natürlich alles andere als begeistert. Makaber ist die Story. Sie verspricht und hält zu Anfang auch einiges, dreht sich dann aber doch nur im Kreis und verkommt zu einer langweiligen Farce.
„Ein ruhiges, stilles Örtchen“: Ein typischer Außenseiter versucht neue Freunde zu finden und wird von denen doch nur verarscht; bis die Situation eskaliert. Laymon hat es drauf! Endlich eine gute Geschichte … oder, nein, doch nicht. Das Ende versaut die Story komplett. Unlogisch sind Laymons Geschichten sowieso, gar keine Frage, aber dieses Ende ist nicht nur unlogisch vom Verhalten der Kinder her, sondern zusätzlich noch total dämlich.

Bessere Geschichten bietet Laymon mit: „Die Blutspur“, „Der Anhalter in der Wüste“, „Die Maske“, „Einschnitte, „Ungebetene Gäste“ und „Die Auserwählten“. Doch in Topform ist Laymon auch hier nicht. Eine überragend gute Geschichte wird hier vergeblich gesucht. Mittelmaß ist in Mengen vorhanden und Enttäuschungen gibt es viel zu viele.
Kann Laymon einfach keine Kurzgeschichten schreiben? Diese Frage lasse ich jeden Leser selbst beantworten. Gute Ansätze hat er jedenfalls. Doch die guten Ansätze reichen für eine gute Kurzgeschichtensammlung nicht aus! Vor allem nicht dann, wenn selbst die Novelle „Unholde“ völlig banal ist, die Laymon-Intensität fehlt und das Thema ausgelutscht ist: Perverser jagt Jungfrau.

Fazit

Laymon unterhält – und das schafft er auch in seiner Kurzgeschichtensammlung „Furien“. Seine restlichen Eigenschaften – Blut, Gewalt, Sex – sind ihm allerdings abhanden gekommen. Seicht und harmlos verwöhnt er den Leser; und langweilt mit seinen banalen Geschichten zumeist. Meisterleistungen auf Laymon-Niveau sind gar nicht erst vorhanden, sodass eine Enttäuschung nur schwer umgangen werden kann.

2 von 5 Punkten

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