Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Frau Ella (Florian Beckerhoff)

List
Gebunden, 320 Seiten
ISBN-13: 9783471350232
14,90


Ein kurzer Einblick

Eigentlich war das alles nur Zufall. Doch plötzlich hat Sascha Frau Ella bei sich in der Wohnung sitzen. Eine alte schnarchende Schachtel. Und das nur, weil Frau Ella nicht operiert werden wollte und er sie kurzerhand aus der Klinik gerettet hat. Aus dem anfänglich gedachten Kurzaufenthalt Frau Ellas, werden schnell ein paar Tage. Zum Entsetzen Saschas fressen seine Freunde auch noch einen Narren an der alten Frau.

Bewertung

Sascha hat seine eigene kleine Welt im Kopf. Da passt ihm der Klinikaufenthalt überhaupt nicht ins Konzept. Als dann auch noch Frau Ella in seinem Zimmer einquartiert wird, werden seine geringsten Erwartungen über Bord geworfen. Akkurat liegt ihre persönliche Habe im Schrank, ordentlich ausgerichtet ihre Schuhe davor, der Bademantel ist penibel auf den Kleiderständer gehängt; Saschas Habe ist wild verstreut. Von Ordnung keine Spur. Und dann schnarcht Frau Ella auch noch ohrenbetäubend. Von Ruhe ist auch nichts mehr zu spüren.
Was soll er mit einer alten Frau auf seinem Zimmer? Doch aus der anfänglichen Abneigung erwächst schnell eine heimliche Zuneigung. Sascha kann es sich selbst nicht erklären. Er kann diese Frau doch schließlich nicht mögen! Und doch hat er sie plötzlich aus der Klinik gerettet. Für einen Tag, sagt er sich immer wieder, nur für einen Tag.
Beide Generationen müssen feststellen, dass sie zwar viel voneinander lernen können, dennoch aber grundsätzlich verschieden sind und ein Zusammenleben einfach nicht möglich ist. Zumal Frau Ella sich nach ihrem alten Leben sehnt; so sehr sie die wenigen Tage bei Sascha auch genießt. Denn er und seine Freunde bieten Frau Ella einige Erlebnisse, die sie so schnell nicht mehr vergessen wird. Doch auch die kleinen Dinge können Wunder verbergen: Kaffee muss ja nicht immer Filterkaffee sein und Eier müssen ja nicht immer mit Blick auf die Uhr zubereitet werden. Oh, und Musik, Musik muss nicht veraltet sein, wenn sie Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Und dann sind da ja auch noch all die profanen Dinge wie das Sprachproblem (Wozu braucht man auch mehr als eine Sprache?) oder das Fertigessen aus der Fabrik, anstatt frischer Zubereitung.
Frau Ella ist jedoch nicht Saschas einziges Problem. Seine Ex-Freundin Lina, die ihn noch immer liebt, ist aus Spanien zurückgekehrt. Und Frau Ella vermeint zu erkennen, dass sie zusammengehören. Nur Sascha ist skeptisch. Für Frau Ella ist Liebe ein einfach Ding. Doch zählt das auch für Lina und Sascha?
Spielerisch geht Beckerhoff an den Generationenkonflikt heran und arbeitet wesentliches pointiert heraus, ohne dass es an Witz und Ideen mangelt. Dabei schafft er es mit zwei Sprachen – Jugend und ältere Generation – zu jonglieren, sodass das Buch generationsübergreifend zu unterhalten vermag. Teils witzig, teils ernst, teils gefühlvoll wird die Begegnung zwischen Sascha und Frau Ella erzählt, ohne jemals die ganz besondere Note zu verlieren, die diesem Roman anhaftet.

Fazit

Mit „Frau Ella“ ist Florian Beckerhoff ein amüsanter Roman, der Jung und Alt zu unterhalten vermag, über das Zusammenleben zweier Generationen gelungen. Empfehlenswert!

4 von 5 Punkten

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