Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Fight Club (Chuck Palahniuk)

Goldmann
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN 978-3-442-54210-9
7,95 €


Ein kurzer Einblick

Sie sind jung, sie sind stark – und sie sind gelangweilt: Normale, berufstätige Männer und Familienväter auf der Suche nach einem Mittel gegen die Leere in ihrem Leben. Sie treffen sich auf Parkplätzen und in Kellern von Bars, um mit nackten Fäusten gegeneinander zu kämpfen. Der Anführer dieser „Fight Clubs“ ist Tyler Durden, und er ist besessen von dem Plan, furchtbare Rache an einer Welt zu nehmen, in der es keine menschliche Wärme mehr gibt …

Bewertung

Eine Raufereiverletzung, die von seinen Arbeitskollegen völlig missachtet wurde, gab Chuck Palahniuk die Idee zu »Fight Club« ein. Zwar schrieb der Autor die Geschichte 1996, von ihrer Aktualität hat sie jedoch nichts verloren. Die Ignoranz gegenüber Mitmenschen und das Schauspiel eines Staats- bzw. Gesellschaftssystems sind die letzten Jahrzehnte unveränderlich geblieben. »Fight Club« war ursprünglich eine Kurzgeschichte, die später zu Kapitel 6 des Romans wurde. 1997 wurde »Fight Club« mit dem Pacific Northwest Bookseller Association Award und dem Oregon Award in der Kategorie Roman ausgezeichnet. 1999 wurde der Roman mit Brad Pitt und Edward Norton verfilmt. Heutzutage besitzt »Fight Club« Kultstatus.
Dabei ist die zugrunde liegende Idee kein Einfall eines kreativen Geistes, sondern die Umsetzung einer erkalteten Profitgesellschaft. Die exzentrisch, kompromisslos und bizarr gehaltene Geschichte lebt durch die Figuren und einen etwas eigenartigen Stil. Sporadisch gesetzte Anführungszeichen, gewollte, aber künstlich wirkende Wiederholungen und die Vermischung von indirekter und direkter Rede zeichnen den Schreibstil Chuck Palahniuks aus.
Trotz des hervorstechenden Stils ist »Fight Club« keineswegs ein komplexes Stück Literatur, sondern ebenso unkompliziert gestrickt wie das Verlangen der Männer, die ihre innere Leere mit Sinnhaftigkeit füllen wollen. So dominieren denn kurze Sätze und ein hohes Tempo mit einer entschiedenen Härte, die klischeehaft nur Männern zugesprochen wird. Die Männlichkeit in der modernen Gesellschaft, eingekerkert in den starren Strukturen des Alltags, kann lediglich im Fight Club und seinen weiterführenden Ideen befriedigt werden. Skurrilität, Absurdität, Obszönität und Bizarrheit wechseln im Verlauf der Handlung zu vermehrter Brutalität und Mordbereitschaft. Die abgestumpften Synapsen zerschlagener Körper und der ermüdete Geist müssen neuartigen Anregungen zugeführt werden: Immer extremere Methoden, die alsbald nicht mehr nur dem Aufbegehren gegen besagte Strukturen entspringen, sondern zunehmend den Anarchismus in Betracht ziehen lassen, müssen herhalten. Das Chaos greift um sich.
Der namenlose Erzähler, Angestellter bei einer Autofirma in der Abteilung für Rückrufaktionen, besucht Selbsthilfegruppen. Dort sucht er Entspannung, dort findet er Aufmerksamkeit, die ihm anderweitig nicht zuteilwird. Doch er ist nicht der einzige Simulant. Marla Singer simuliert ebenfalls und verleidet dem Erzähler die Besuche. Tyler Durden, der die Gesellschaft vorführen und zerstören möchte, führt ihm eine neue Lebensaufgabe vor Augen. Tyler entspringt auch die Idee des Fight Clubs, der sich nach und nach aus einer fixen Idee fortentwickelt. Die Fight Clubs verbreiten sich in allen Städten Amerikas und Tyler Durden wird zu einer Legende, die den Fight Club beeinflussen, aber dessen Idee nicht mehr zu brechen vermag.
Der Fight Club ist zwar die zentrale Idee des Romans, trägt aber nicht die wesentliche Rolle. Diese muss der maroden Gesellschaft zugesprochen werden, die den Bürgern keine Befriedigung und Freiheit zugesteht. Schnell und zielgerichtet - und damit ebenso tiefgründig -, sofern zwischen den Zeilen gelesen wird, präsentiert sich der Fight Club, der zu einer lebenden Idee geworden ist.

Fazit

Eigensinnig, aber eben darum einzigartig, ungewöhnlich, aber eben darum brilliant: Das ist der »Fight Club«, der kurzweilig und tiefgründig Gesellschaft und Männlichkeit auslotet. Doch nicht nur Idee, Umsetzung und Charakterisierung wissen zu gefallen, sondern auch die Auflösung, die nicht nur einen Aha-Effekt zu erzeugen vermag. »Fight Club ist zurecht ein Kultroman.

4 von 5 Punkten

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