Freitag, 14. Dezember 2012

Rezension: Eobal (Dirk van den Boom)

Atlantis
Paperback, 170 Seiten
ISBN 978-3-941258-58-7
11,90 €


Ein kurzer Einblick

Casimir Daxxel, der junge Konsul der Galaktischen Akte auf der Randwelt Eobal, hat es nicht leicht: Er wird von allen gehasst und sein Job ist mühsam. Als er eines Morgens die Leiche seines einzigen Freundes, des turulianischen Botschafters Dhloma, im Foyer seines Konsulats findet, beginnen die Probleme erst richtig. Er wird mit Dingen konfrontiert, die er sich niemals hätte träumen lassen: Galaktopolitische Spannungen, reizende Echsenfrauen, korrupte Polizeichefs, höchst gefährliche Drogengeschäfte und mehrere Versuche, ihn vom Leben zum Tode zu befördern. Daxxels einzige Verbündete ist die Marinesoldatin Josefine Zant, offiziell für die Sicherheit des Konsulats verantwortlich, aber offenbar vielfältiger begabt. Als schließlich auch noch Söldner, Kampfkreuzer und sehr seltsame Verwandtschaftsverhältnisse dazu kommen, spürt der junge Diplomat, dass er mit dieser Situation offenbar leicht überfordert ist… 

Bewertung

Military-Science-Fiction-Fan Dirk van den Boom, Autor der »Tentakelkrieg«-Trilogie, legt mit »Eobal« einen in sich abgeschlossen Science-Fiction-Krimi mit Aussicht auf Fortsetzung vor. Während Adam-Troy Castro in seiner Trilogie bestehend aus »Halbgeist«, »Die dritte Klaue Gottes« und »Sturz der Marionetten« außerirdische Lebewesen psychologisch akribisch genau beschreibt und die Planeten in Beschaffenheit und Auswirkung auf Lebensformen genauestens analysiert, verzichtet van den Boom auf jeglichen Schnickschnack. Wofür die Galaktische Akte Terras einsteht oder worin die galaktopolitischen Spannungen herrühren, wird nicht näher erläutert. Fakten erschließen sich bruchstückhaft aus dem Gesamtkontext. Großartige Erklärungen des Backgrounds Eobals und seiner Bevölkerungsgruppen sind für die Handlung aber auch nicht vonnöten, sodass man sich auf das Geschehen bestens einlassen kann. Dieses nämlich eilt stringent vorweg und weiß trefflich zu unterhalten. Langeweile kann durch die Schnelligkeit des Erzähltempos gar nicht erst aufkommen. Leser der »Tentakelkrieg«-Trilogie kennen das van den Boom‘sche Phänomen der auf das Wesentliche reduzierten Handlung.
Eobal ist eine Randwelt zwischen dem terranischen Hoheitsgebiet und dem verfeindeten Imperium der reptiloiden Meraner. Eobal ist somit trotz seiner nichtigen planetarischen Existenz Schmelztigel politischer Spannungen, die in nicht allzu ferner Zukunft auf einen Krieg zwischen Terranern und Meranern hinauslaufen könnte. Verwunderlich ist es daher nicht, dass Terra die Marinesoldatin Josefine Zant als Leibwächterin des hiesigen Konsuls Casimir Daxxel abbestellt, um für seine Sicherheit zu garantieren. Bevor Zant eintrifft, findet Daxxel seinen Freund und Oktopoid Dhloma tot im Foyer seiner Botschaft auf. Ausgerechnet die verfeindeten Meraner werden zu Daxxels wichtigsten Verbündeten. Daxxel und Zant stoßen immer tiefer in das korrupte Staatssystem und ein übermächtiges Drogenkartell vor, um Dhlomas Ermordung aufzuklären. Um eine völlige Ignoranz der Einblicke in die Sozialstrukturen außerirdischer Rassen kommt Dirk van den Boom nicht herum, doch werden diese auf das Minimum des Möglichen reduziert.
»Eobal« würde hervorragend ohne jeglichen Bezug zur Science-Fiction funktionieren. Falsche Fährten, geheimnisvolle Verbündete, finstere Machenschaften und ein zwielichtiges Lokal unseriöser Machenschaften vermischen sich zu einem bekannten, aber ausgeklügelten Mix überraschender Wendungen, dezent eingestreutem Humor und einer überraschend einfachen, nichtsdestotrotz schwer erratbaren Auflösung. Der sympathisch-hilflose Daxxel erinnert an den netten Nachbarn von nebenan, der jede Aufgabe und Problemstellung gewandt meistert.
Doch geben wir es zu: »Eobal« ohne Science-Fiction? Nein! Die Exotik tut dem Krimi außerordentlich gut, bietet »Eobal« doch nur bekannte Versatzstücke, die jedoch hübsch aufpoliert sind.

Fazit

»Eobal« ist ein flüssig lesbarer Science-Fiction-Krimi mit flotter Handlung, reduziertem Geschwafel unnötiger Erklärungen diverser außerirdischer Rassen und politischer Einrichtungen. Gerade deswegen ist »Eobal« ein äußert unterhaltsamer Roman. Zwar ist »Eobal« in sich abgeschlossen, eine Andeutung einer Fortsetzung ist jedoch vorhanden, an der Autor Dirk van den Boom schreibt. Bis diese veröffentlicht ist, kann die Zeit mit seiner Alternativwelt-Reihe »Kaiserkrieger« überbrückt werden.

3 von 5 Punkten

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