Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Eingesperrt (Brian Keene)

Atlantis
Paperback, 86 Seiten
ISBN 978-3-941258-96-9
8,90 €


Ein kurzer Einblick

Für die Angestellten von Big Bill‘s Home Electronics ist es nur ein ganz normaler Arbeitstag kurz vor Feierabend - bis ein bewaffneter Mann in den Laden stürmt und die Normalität mit brutaler Gewalt zu einem Ende kommt. Die, die den Angriff des unerbittlichen Mannes überleben, werden von ihm hinten im Laden in einen Käfig gesteckt. Für sie beginnt eine Nacht des Bangens, des Hoffens, der Furcht, der Pläne, des Horrors und des Entsetzens. Denn sie sind eingesperrt. Und niemand weiß, was genau der Verrückte vorhat ...

Bewertung

Acht von sechs sind zwei zu viel. Der Überfall auf Big Bill‘s Home Electronics beginnt blutig, gnadenlos und brutal. Zunächst gehen Big Bill und seine Angestellten, die ihren Chef unter sich »Bumble« nennen, von einem Raubüberfall aus. Schnell jedoch wird deutlich, dass der Mann in Schwarz andere Pläne verfolgt. Jeff, Jared, Roy, Scott, Clint und Carlos werden im Lager in einen Käfig gesperrt. Unterdessen geht der Fremde im Laden Aktivitäten nach, denen die Sechs sich nicht in ihrer dunkelsten Fantasie entsonnen hätten.
Wer ist dieser Mann? Was treibt diesen Mann an, wenn nicht ein Raub? Seltsame Geräusche dringen aus dem Verkaufsraum zu den Eingesperrten. Und dann holt sich der Fremde einen nach dem anderen. Was passiert mit jenen, die dem Mann folgen? Panik wechselt sich mit Flucht- und Überwältigungsgedanken ab. Leider ist keiner von ihnen ein Held. Sie sind einfache Angestellte, die kurz vor Ladenschluss ihr Schicksal ereilt hat. Die Ohnmacht hält sie gefangen, macht sie benommen ... und hilflos. Keiner von ihnen ist etwas Besonderes.
Freiwillig oder unfreiwillig - der Mann holt sie sich. Nichts können sie gegen ihn ausrichten. Hoffnung schürt sich nicht. Sie wissen nicht, was mit ihnen passieren soll, sie wissen nur, dass der Mann sie braucht; wofür auch immer. Die Figurenzeichnung ist einfach, aber effektiv. Sie ist nichts Außergewöhnliches und schon gar nicht überladen. Folglich fiebert man mit den Figuren mit, leidet mit ihnen und fürchtet sich vor dem Mann in Schwarz, aber Individualität ist kaum vorhanden. Die Namen sind austauschbar.
Allein die durch die Atmosphäre entstehende Ungewissheit dessen, was folgt, wenn sie dem Mann in den Laden folgen, zieht die Spannungsschraube an. Die Emotionen sind es, die diese Novelle zu einem Pageturner machen. Ob es die Ängste sind, die versiegende Hoffnung oder glückliche Erinnerungen, hier hat Brian Keene hervorragende Arbeit geleistet.

Fazit

»Eingesperrt« ist kein Knaller, aber ein handwerklich gut gemachter Pageturner, der hauptsächlich an einer kaum vorhandenen Charakterzeichnung krankt. Die hervorragend ausgestalteten Emotionen wiederum lassen die Spannung gnadenlos steigen. Ein viel zu schnell abgehandeltes Ende, das sich durchaus sehen lassen kann, lässt ein zufriedenes Leseerlebnis zu, aus dem aber einiges herauszuholen gewesen wäre.

3 von 5 Punkten

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