Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Drachenkaiser (Markus Heitz)

Piper
Hardcover, 544 Seiten
ISBN: 9783492701532
17,95 €

Ein kurzer Einblick

Unsere Welt gehört den Drachen – seit Anbeginn der Zeit haben sie Länder und Kontinente unter sich aufgeteilt, säen Hass und Intrigen zwischen den Völkern, entfachen politische Konflikte und Kriege. Doch im Europa des Jahres 1926 gibt es Menschen, die sich den übermächtigen Geschöpfen entgegenstellen. Die Drachentöterin Silena, Fürst Grigorij und ihre Gefährten haben die erste Schlacht gegen die Drachen geschlagen. Die feuerbewehrten Herrscher der Alten Welt sind geschwächt und zerstritten. Dies lockt einen neuen Drachen aus dem Fernen Osten herbei, der seine gierigen Klauen nach Europa ausstreckt. Silena und ihre Mitstreiter müssen verhindern, dass der Machtkampf der Drachen zur Unterdrückung der gesamten Menschheit führt …

Bewertung

Majestätisch schweben die Zeppeline durch den Himmel Europas. Luftschiffe, die vielmehr Schlachtschiffe sind, denn die Hoheit des Himmels besitzen sie nicht. Drachen sind die fliegenden Zeitgenossen und immerzu eine Gefahr. Die Ausrottung der Feuer speienden Kreaturen wird vehement betrieben, ein toter Drache bringt sehr viel Geld in die Kasse ein, doch es gibt einfach zu viele, als dass das Drachenjägergeschäft binnen weniger Monate arbeitslos wäre.
Silena, ehemals Drachenjägerin im Dienste des Officium Draconis, der offiziellen Drachenjägereinheit des Papstes, hat dem hochnäsigen Officium den Rücken gekehrt und ihre eigene Drachenjägereinheit, die Skyguards, gegründet. Die Havock`s Hundred und Ichneumon sind Verbündete Silenas, die die Drachen mit sturem Willen ihren Daseinsplatz auf Erden streitig machen. Selbstverständlich herrscht zwischen der Einheit des Papstes und den freien Drachenjägern kein Einverständnis; doch das überrascht nicht, denn der Alleinherrschaftsanspruch auf die Drachenjagd ist eine hervorragende wirtschaftliche Einnahmequelle. Und das lässt sich die Kirche doch nicht einfach so nehmen! Doch Zwistigkeiten herrschen nicht nur innerhalb der Drachenjäger. Die Drachenfreunde helfen den Echsen ihre heimliche Macht über den Menschen auszubauen und die Drachenjäger zu vernichten.
Verrat, Intrigen und Machtspielchen drängeln sich förmlich in den Vordergrund. Markus Heitz spart daran auch nicht, sondern baut ein verwirrendes Spiel aller Parteien und mehrerer Handlungsstränge auf, sodass Geradlinigkeit im Storyverlauf gnadenlos im Keim erstickt wird. Was Silena und Leída im Laufe ihres Abenteuers aufdecken ist eine weltumspannende Machtübernahme, die selbst die USA bedroht. Markus Heitz schreibt Geschichte neu! Er nutzt die Alternativewelt zur Kreation einer eigenen Weltwirtschaftskrise um 1926. Von den Altvorderen Europas haben in der Schlacht am Triglav nur wenige überlebt. Europa steht fast schutzlos da, was der Drachenkaiser zum Anlass nimmt, seine Arme nach Europa auszustrecken. Doch mehr will ich nicht verraten, außer: Heitz' Machtspielchen und ausgeklügelte Zänkereien beeindrucken!
Und doch treibt der Autor es etwas zu weit. Verwirrungsspielchen durch Handlungsfäden und der darin enthaltenden Machtkämpfe werden natürlich herzlich willkommen geheißen, doch die Nebenhandlung um Ealwhina Snickelway verwirrt mehr, als das sie wirklich zur Geschichte gehört. Und dennoch ist gerade dieser Faden einer der interessantesten. Mit dem Medium Lady Ealwhina Snickelway, einem der interessantesten Charaktere, hat der Weltenstein (Wir erinnern uns!) einen zweiten Auftritt mit überraschender Auflösung; sowohl, was den Weltenstein anbelangt, als auch Ealwhina Snickelway.
Das Feuerwerk der Lüfte ist in diesem Teil etwas kurz gekommen, was schade ist, denn gerade die Luftkämpfe in „Die Mächte des Feuers“ haben irre Spaß gemacht. Stattdessen werden mehr Boden- und die versteckten Wirtschaftskämpfe geboten. Auch die epische Finalschlacht entfällt. Vielleicht wollte Markus Heitz sich nicht wiederholen – für meinen Geschmack hat er ein paar Akzente aber falsch gesetzt. Die Exotik Chinas mag ein wenig der Enttäuschung nehmen, das Ende um den Drachenkaiser ist dann aber wiederum reichlich kurz geraten, als ob schnell ein Ende her müsste. Wofür wiederum Heitz' ruhige Erzählstimme und die flotte Handlung zu entschädigen Wissen, sodass Schwächen zwar deutlich auffallen, aber glücklicherweise nicht zu schwer ins Gewicht fallen. Zumal Nebenhandlungsstränge den Leser erfolgreich ablenken können.
„Drachenkaiser“ ist ein würdiger Nachfolger des ersten Teils „Die Mächte des Feuer“ und lässt die Option auf eine Fortsetzung offen, die Ausnahmsweise einmal sehr wünschenswert ist, denn nicht alle Handlungsfäden finden ein Ende, manch einer bleibt gar ausgefranst in der leeren Luft hängen, wo sich unweigerlich die Frage aufdrängt: Und nun?

Fazit

Die Stärken des Romans liegen ganz klar im ausgetüftelten Wirrwarr aus Intrigen und Handlungsfäden, die durch starke Figuren zu spannendem Leben erwachen. Leider überzieht Markus Heitz den Bogen, sodass gar offene Handlungsstränge übrig bleiben. Selbst ein offenes Ende, sollte in sich abgeschlossen sein. Schwächen werden jedoch übertüncht, sodass sich „Drachenkaiser“ als Fortsetzung nicht zu schämen braucht!

4 von 5 Punkten

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