Freitag, 28. Dezember 2012

Rezension: Dierk Gewesen 1. Dierk Gewesen und die glorreichen Sechs (Christian Gailus)

Heyne
Taschenbuch, 320 Seiten
ISBN 978-3-453-43664-0
7,99 €


Ein kurzer Einblick

Dierk Gewesen ist Kommissar - Kommissar in der Hamburger Abteilung zur holistischen Durchleuchtung extrem seltsamer Delikte. Sein Aufgabengebiet ist nicht die Aufklärung des gestohlenen Küchenmessers der Oma, die Mordermittlung am geköpften Teddy oder des Drogenmissbrauchs an Versuchstieren. Dierk Gewesen nimmt nur die vertrackten Fälle an. Da ist zum Beispiel der Superverbrecher, der glaubt, die Erde sei hohl. Dass nebenbei Stadtteile Hamburgs der vollkommenen Zerstörung zugeführt werden ... Nun, hauptsache die Verbrecher bekommen ihre wohlverdiente Strafe. Und außerdem: Dierk Gewesen darf Hamburg in Trümmer legen; er ist schließlich von der Polizei.

Bewertung
»‚Das is ´n FREAK‘, antwortete Gewesen. ‚Freier Radikaler Einzel-Aktions-Kämpfer. (...)‘« (Seite 79)
Als Sylphen aus der Feenwelt ein Frachtschiff in Konfrontationskurs auf den Hamburger Hafen zusteuern, bleibt Dierk Gewesen nichts anderes übrig, als ein Wurmloch zu öffnen und das Hafengebiet in Schutt und Asche zu legen. Oberkommissar Scheibli schenkt der Rettung der Menschheit - zumindest der Rettung Hamburgs - keine Beachtung: Gewesen wird vom Dienst suspendiert. Die Abteilung zur holistischen Durchleuchtung extrem seltsamer Delikte steht ohne ihren Kommissar dar. Unglücklicherweise plant ein Superverbrecher ein Loch durch die Erde zu buddeln - Hamburg soll Schauplatz dieser Zerstörung sein. Als Ex-Freundin Rebecca, Gewesens große, ewige Liebe, entführt wird, nimmt er die Ermittlung auf eigene Faust auf und verwandelt Hamburg in ein Trümmerfeld. Wenn die irrgläubigen Schwerverbrecher dran gehindert werden, kümmert sich eben Dierk Gewesen drum. Gewesens Charakter ist forsch, unkompliziert, dennoch undurchschaubar und (ganz wichtig!) er hat immer einen Plan. Denn: Auch kein Plan, ist ein Plan. Während Gewesen mit seinem Dodge Challenger durch Fußgängerzonen brettert und dressierte Haie im Hamburger Hafenbecken überwältigt, kommt er des Rätsel Lösung näher. Was hat es mit den verschwundenen, wissenschaftlichen Persönlichkeiten auf sich? Wer steckt hinter der Entführung seiner heißgeliebten Ex-Freundin Rebecca? Wer ist Gewesens wirklicher Feind? Für einen derart brillanten Plan kann Dumpfbacke und Erzfeind Kurt Kolbenfresser nicht allein verantwortlich sein.
Dierk Gewesen verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein, das ihn ungeachtet drohender Gefahren in brenzlige Situationen bringt, ihn aber auch die Menschen um ihn herum abschätzig behandeln lässt. Ohne seinen treuen Assistenten Nick mit den übersinnlichen Fähigkeiten wäre der Ex-Kommissar oftmals gescheitert. Nick, von Gewesen stets als Praktikant herabgewürdigt, besitzt einen messerscharfen Verstand, kann diesen aber nicht ausspielen. Im Schatten seines Chefs versucht er das Beste zu geben und ist für so manche knifflige Lösungsfindung verantwortlich; wenn auch meistens unbeabsichtigt. Und dann wäre da noch Oberkommissar Scheibli, der ihnen Steine in den Weg legt ...
Wenn Christian Gailus die Protagonisten als derart schräge Gestalten zeichnet, wie steht es erst mit den Antagonisten? Diese werden leider nicht ganz so ausführlich dem Leser näher gebracht, dafür aber umso verrückter dargestellt. Die Welt sei hohl, die Menschen würden auf der Innenseite leben, darum müsse ein Loch nach draußen gebuddelt werden. Ein gewaltiges Unterfangen, wenn die Erdkruste durchstoßen werden will ... Ist das grenzdebil oder kongenial? Gemein ist allen Figuren, dass ihnen die Tassen im Schrank fehlen!
Schrullige Charaktere, eine Handlung, die absurder nicht sein könnte - fehlt nur noch? Ein bierernster Roman? Nö! Situationskomik en masse, unsinniger Humor und physikalisch groteske Action. Kann ein Bus fliegen? Klar, ab einer verbürgten Geschwindigkeit löst sich der Reibungswiderstand auf. Ist doch logisch? Rasant, witzig, ein durchgeknalltes Vergnügen und funkensprühende Fantasie erwarten den Leser, der sich auf Kommissar Dierk Gewesen einlässt. An Spannung und Kreativitätslosigkeit mangelt es wahrlich nicht. Alliterationen, Tier-/Menschvergleiche und Metaphern muten des häufig fast zu gewagt und absurd an, sodass man unweigerlich den Finger zwischen die Buchseiten steckt und erstmal über den schrägen Vergleich nachdenken muss. Auch Filmfreunde kommen auf ihre Kosten, denn Anspielungen auf Klassiker sind immens eingestreut. Trotz fehlenden Hintergrundwissens, nicht alle Filme muss man kennen, zünden die Gags oftmals dennoch. Wer sich genauer über vorhandene Filmanspielungen informieren möchte, schaut auf der Website von Dierk Gewesen vorbei.

Fazit

»Dierk Gewesen und die glorreichen Sechs« ist trotz Klamauk und schrägem Spaß / Humor ein (fast) ernstzunehmender Roman. Wenn Terry Pratchett einen Krimi schreiben würde, könnte dieser Roman das Ergebnis sein. Willkommen in den Wahnsinnsermittlungen des Dierk Gewesen - Kommissar in der Hamburger Abteilung zur holistischen Durchleuchtung extrem seltsamer Delikte. Hier erleben Sie Erstaunliches!

4 von 5 Punkten

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