Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Die Wikka-Chroniken 1. Brut der Finsternis (Morven Westfield)

Otherworld
Taschenbuch, 324 Seiten
ISBN 978-3950218541
12,95 €


Ein kurzer Einblick

Als Alicia Anderson das Gefühl beschleicht, die Schatten im Computerraum wären lebendig, schreibt sie es zunächst ihrer Einbildung zu. Selbst als sie anfängt, sich matt zu fühlen und bei der Arbeit eindöst, hätte sie es auf die späten Stunden der Nachtschicht geschoben, wären da nicht die beiden winzigen Verletzungen an ihrer Kehle gewesen. Zur selben Zeit empfängt die angehende Wicca-Priesterin Matricaria plötzlich unterschwellige Botschaften. Ungewöhnlich lebhafte Träume deuten auf eine schreckliche Gefahr für jemanden in ihrem Umfeld hin. Gemeinsam mit ihrem Hexenzirkel versucht sie, die Zeichen zu entschlüsseln, bis sich offenbart, dass in ihre Kleinstadt in New England das Böse Einzug gehalten hat ... und zu bleiben gedenkt.

Bewertung

Mit drei Handlungssträngen und noch mehr Charakteren, aus deren Sicht erzählt wird, wird der Leser regelrecht überrumpelt. Es dauert seine Zeit, bis man sich in der Handlung zurechtgefunden und eine Beziehung zu den Charakteren aufgebaut hat. Relativ kurze Absätze erschweren den Einstieg in die Geschichte zusätzlich. Bis man Orte und Figuren geordnet hat, sind die ersten 50 Seiten schon gelesen; und ganz ehrlich? So ganz ist immer noch nicht klar, worum sich die Handlung eigentlich genau drehen soll.
Zum einen haben wir das Unternehmen Theoretic, in dem Alicia als Systembetreuerin arbeitet. Ihre Arbeit: Jobs erledigen, Daten sichern, Computer vor Datenverlust und Systemabstürzen bewahren; die Systeme am Laufen halten. Einblicke in die Computer- und Datenwelt der 1970er Jahre sind zwar interessant, aber immer wieder zu lesen, wie Alicia die gleichen Handgriffe erledigt, einen Drucker reparieren muss oder Computer ordnungsgemäß herunter fährt, dürfen nicht das Groß der Handlung ausmachen. Zum anderen hat sich der Vampir Wesley vorübergehend im Lagerhaus von Theoretic einquartiert und verbreitet eine düstere Atmosphäre im Unternehmen; wirklich in Erscheinung tritt er jedoch erst in der zweiten Hälfte des Romans, sodass sich der bisherige Handlungsstrang um Alicia ziemlich überflüssig gestaltet. Die vielen Nebenfiguren gestalten die Handlung auch nicht interessanter.
Der Handlungsstrang um den Wikka-Kult, liest sich schon interessanter. Leider läuft er vollkommen parallel zum Handlungsstrang um Alicia und den Handlungsstrang um Wesley dahin, sodass man mit dieser Handlung ebenso wenig wie mit allem bisherigen anfangen kann. Zumindest ist mir dies so ergangen.
Der Einstieg in „Brut der Finsternis“ gestaltet sich sehr zäh; zäher als gut ist und zäher als es sein müsste. Zu Nichts kann wirklich Spannung aufgebaut werden. Die Handlung existiert scheinbar zum Selbstvergnügen und die Charaktere wirken leblos und kalt – mal ganz davon abgesehen, dass es einfach zu viele Perspektiven sind, in die Morven Westfield den Leser springen lässt.
Morven Westfielt gelingt es einfach nicht, das Thema Vampir und Wikka-Kult so in den Vordergrund zu stellen und in die Handlung zu integrieren, dass man wirklich von zusammenhängenden Handlungssträngen und einer stringenten, spannenden Geschichte sprechen kann. Stattdessen läuft alles Wesentliche nebenher ab. Und genau das nimmt konsequent jegliche Spannung und Leselust.
Erst ab der zweiten Hälfte des Romans wird es spannender. Die Atmosphäre ist merklich düster und es wird Zeit, dass der Vampir Wesley zur Tat schreitet und sich die Handlung weiterentwickelt. Leider passiert dies zu spät und zu inkonsequent. Selbst der finale Showdown kann seine Wirkung nicht gebührend entfalten.
Was bleibt sind sehr interessante Einblicke in die Computerwelt der 1970er Jahre und Praxismethoden der modernen Hexen, die dem Wikka-Kult angehören. Doch um mich darüber zu informieren, brauche ich diesen Roman nicht, dann kann ich gleich zu Fachliteratur greifen!

Fazit

Gewöhnlich und doch speziell – diese beiden Adjektive müssen dem Roman zugesprochen werden. Leider verliert sich Morven Westfield in unbedeutenden Beschreibungen und treibt die eigentliche Handlung als Nebenprodukt voran, sodass ein sehr zwiespältiger Eindruck zurückbleibt. Allein bei der Atmosphäre wurden keine Abstriche gemacht. Letztendlich bleibt jedoch ein Handlungsgerüst über, das sehr instabil wirkt und keinen Lesespaß zu erwecken vermag.

2 von 5 Punkten

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