Freitag, 14. Dezember 2012

Rezension: Die Wächter Edens (Stephan R. Bellem)

Otherworld
Klappenbroschur, 309 Seiten
ISBN 978-3800095483
14,95 €


Ein kurzer Einblick

Die junge Journalistin Arienne forscht einer grausamen Mordserie nach. Die verbrannten Opfer scheint kein Motiv zu verbinden, die Polizei sieht keinen Handlungsbedarf. Als Arienne den Tätern über den Weg läuft, offenbart sich ihr eine Wahrheit, die den Menschen verborgen bleiben sollte. Unterdessen wird der Schweizergardist Antonio nach Deutschland beordert. Nichtsahnend gerät er zwischen die Fronten zweier verfeindeter Engel.

Bewertung

Arienne ist eine junge Journalistin mit einer Vergangenheit, über die sie nicht hinwegkommt. In ihrer Kindheit hat sie ihren Vater verloren, als Jugendliche beging sie versuchten Selbstmord und bis heute plagt sie eine psychische Krankheit. Gemeinsam mit Tom, einem älteren Kollegen, gelangt sie an Informationen, die sie völlig am ihrem Verstand zweifeln lässt.
Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Gegenseite. Antonio, ehemaliger Schweizer Gardist, wird vom Vatikan nach Deutschland abbeordert, um dort die Paladine um den Engel Vincent zu unterstützen. Die Paladine beschützen die nichtsahnenden Menschen vor dämonischen Gefahren und mystischen Wesen. Von all dem ahnt Toni jedoch nichts. Als er Vlad, dem Urvater der Vampire - der übrigens von der Kirche unter Hausarrest gestellt wurde -, vorstellig wird, beginnt er zu begreifen, dass die Welt wie er sie kannte nicht existiert.
Beide Handlungsstränge verzahnen sich schnell und dringen zum eigentlichen Kern der Handlung vor: der Hassliebe zwischen Vincent und Nathaniel. Einst waren sie die Wächter Edens, nun bekriegen sie sich im Glauben daran, den Menschen das Paradies zu bringen oder die Tore der Hölle zu öffnen.
Das Romanthema mag oftmals aufgegriffen sein, doch das Rad neu erfinden muss man nicht, um unterhaltsame Urban Fantasy zu schreiben. Die Handlung um Arienne und Vincent und seine Paladine ist konventionell genug, damit ein breites Publikum angesprochen wird, aber in Details unterschiedlich genug, um keine zu große Vorhersagbarkeit zu erzeugen. Zudem lässt die Geschichte angemessenen Spielraum, um über die Fortgänge spekulieren zu können. Angenehmerweise schlägt Stephan R. Bellem keinen eingefahrenen Weg ein, der kaum Handlungsspielraum gewährt. Zum Ende hin überstürzt sich die Handlung etwas zu sehr, bleiben Fragen ungeklärt und wirkt der konzeptionelle Rahmen der Story leicht unfertig. Ein zwar nicht kinoreifer Stil in Atmosphäre und Szenenzeichnung, aber packender Stil hält dagegen an.
Die Charaktere sind nicht außerordentlich differenziert ausgearbeitet, bewahren sich aber eine Eigenständigkeit, die nicht nur den Helden eine Sympathie oder Antipathie zugesteht, sondern auch den Gegenspielern. So löst sich die Schwarzmalerei zwischen Vincent und Nathaniel zunehmend auf und lässt den Leser entscheiden, wer für die Gerechtigkeit kämpft.
Sind die Menschen bereit, das Paradies auf Erden zu empfangen? Dies ist eine religiöse Frage, die einen Rattenschwanz von Religion und Ansichten hinter sich her zieht. In »Die Wächter Edens« spielt genau diese Frage eine immens wichtige Rolle, drängt sich glücklicherweise aber nicht so weit in den Vordergrund, dass das Thema Religion penetrant wird, sondern unterstützendes Beiwerk bleibt. Bibelfestigkeit wird nicht schaden, wird aber auch nicht vorausgesetzt. Verfechter der Bibel auf die eine Wahrheit werden entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, hat Stephan R. Bellem doch ein paar entscheidende Teile umgedichtet. Die schöpferische Freiheit sei ihm gestattet, bringt doch eben dies frischen Wind in ein bekanntes Thema.

Fazit

Elegant bewegt Stephan R. Bellem sich auf dem schmalen Grad zwischen Mainstream und Änderungen konventioneller Strukturen. In Teilen ist »Die Wächter Edens« zu hastig erzählt ausgefallen, kann dafür aber mit glaubhaften Figuren und einer spannenden Story kontern. Urban Fantasy-Lesern ist dieser Roman wärmstens empfohlen.

3,5 von 5 Punkten

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