Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Die Verschollenen (Brian Keene)

Heyne
Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-453-52742-3
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Eine tropische Insel mitten im Ozean. Eine Gruppe Kandidaten für eine Reality-TV-Show. Ein Geheimnis, das den Trip ins Paradies schon bald in ein blutiges Gemetzel verwandelt. Wer schafft es heil von der Insel herunter? Und was zur Hölle treibt dort sein Unwesen? Das Spiel ist vorbei – der blutige Ernst des Überlebens hat begonnen…

Bewertung

Brian Keene, der den deutschen Lesern bisher nur durch Weltuntergangsszenarien mit Zombies (Ausnahme ist die Novelle „Der lange Weg nach Hause“) bekannt ist, ließ sich für „Die Verschollenen“ von Richard Laymon – sein Freund und Idol – inspirieren (speziell von seiner „Beast House“-Serie; dt. „Der Keller“) und huldigt ihm mit diesem Roman zugleich. Richard Laymon († 2003) ist hierzulande gut bekannt, darum wollen wir an dieser Stelle nicht näher auf ihn eingehen. Wer Laymons Werke kennt, darf sich nun vorliegenden Roman bildlich vorstellen. Essen sollte aber bitte tunlichst zur Seite gelegt werden, unter Umständen kommt es schneller wieder hoch, als man schauen kann.
Reality-TV + Richard Laymons „Die Insel“ + trashiger Monstersplatter = „Die Verschollenen“. So banal die Gleichung ist, so viel Spaß bereitet der Roman. Ein 100%er Unterhaltungsroman mit gewaltigem Ekelfaktor. Hardcore für gesottene Horror-Leser. Es ist ein Wunder, dass der Roman nicht unter dem Heyne Label „Heyne Hardcore“ erschienen ist.
„Castaways“ - Reality-TV der Marke „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“. Eine Gruppe Überlebenskandidaten hat es auf eine einsame Insel verschlagen; Flucht unmöglich. Als die Ausläufer eines Orkans über die Insel fegen, greifen stinkende Bestien die Teilnehmer an – und dezimieren mühelos ihre Anzahl. Gut so - zumindest für den Leser! -, denn es waren einfach zu viele Charaktere, um einen vernünftigen Überblick zu behalten und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Als Jagdopfer taugen die Überzähligen dann aber sehr gut. So bitterböse das auch sein mag …
Die Monster: Stinkende, behaarte Kreaturen – Kryptiden wie Jerry sie nennt –, unterernährt und hungrig nach Fleisch (dumm nur, dass es außer den Menschen kein Fleisch mehr auf der Insel gibt) machen unerbittliche Jagd auf die restlichen Überlebenden. Es sind einfache Kreaturen, es sind effektive Kreaturen, es sind Kreaturen, die den Ekelfaktor drastisch in die Höhe treiben. Was will man bei einem Unterhaltungsroman mehr? Eben: Nichts.
An Jerry ist es in die Höhle des Löwen vorzudringen und seine frische Liebe Becka zu befreien. Wie romantisch eine Reality-TV-Show doch sein kann! Lassen wird die Ironie bei Seite und begutachten Troy, der Jerry helfen möchte. Nun, die andere Wahl wäre allein sein Heil auf der Insel zu finden. Troy ist eigentlich ganz cool, aber sein andauerndes Gefluche kann des Öfteren doch etwas auf die Nerven schlagen. Gut, zu seinem Charakter passt es, der Story tut es auch keinen Abbruch, akzeptieren wir sein Gefluche, immerhin sind davon selbst die Bestien beeindruckt! Apropos: Hat jemand eine Zigarette für Troy? Er wird sonst stinkwütend!
Reality-TV-Hasser und Trash-Liebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten!

Fazit

Trashig, aber kein A und auch kein O. Brian Keene kann definitiv mehr, sobald man zu „Das Reich der Siqqusim“ oder „Totes Meer“ greift. Dennoch ist „Die Verschollenen“ ein wahrer Pageturner der getrost gelesen werden kann, bei dem man sich aber auch kein Bein bricht, es bleiben zu lassen. Verpasst hat man nichts. Hinein schnuppern heißt hier vielleicht zuallererst die Devise!

3 von 5 Punkten

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