Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (Milan Kundera)

Fischer Taschenbuch Verlage
Taschenbuch, 301 Seiten
ISBN: 978-3-596-25992-2
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Tomas, ein bekannter tschechischer Chirurg, springt von einem erotischen Abenteuer ohne emotionale Bindung ins andere. Doch dann lernt der Teresa kennen. Sie drängt sich in sein Leben und lässt Tomas ihre Eifersucht sowie ihr Leiden unter seinen ständigen Affären spüren. Doch ist ihre Liebe auch durch die politischen Verhältnisse der Zeit bestimmt…

Bewertung

Im Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ wird nicht nur eine ungewöhnliche Liebesgeschichte behandelt, sondern diese auch vor dem Hintergrund des Prager Frühlings beleuchtet. So lernt man ein Paar kennen, indem der Mann scheinbar mehr von der Beziehung zu profitieren scheint, als die Frau. Teresa billigt, dass Tomas trotz ihrer Heirat weiterhin Affären mit anderen Frauen hat, obwohl sie selbst schlecht damit klar kommt. Doch wird Tomas tiefe Verbundenheit mit Teresa auch dadurch deutlich, dass er, der eigentlich keine emotionalen Bindungen mehr eingehen wollte, erneut heiratet. Diese Verbindung geht sogar soweit, dass er ihr in das besetzte Tschechien nachreist und dort einen Job als Fensterputzer annimmt, um mit Teresa zusammen sein zu können.
Die Geschichte von Tomas und Teresa ist zudem stark durch die Ereignisse der Prager Frühlings geprägt. So fliehen sie zunächst in die Schweiz, kehren dann, eigentlich aus völlig unlogischen Gründen, wieder nach Tschechien zurück und sind dort dem Besatzungsregime ausgeliefert. Dadurch müssen sie sich auch gegen Erpressungen und Dissidenten-Verlockungen zur Wehr setzen.
Die Liebesgeschichte der beiden sowie ein weiterer Handlungsstrang, der von einer ehemaligen Geliebten Tomas und einer ihrer Affären erzählt, werden im Roman nicht chronologisch erzählt. Milan Kunderas Erzählstil springt vielmehr immer zwischen den Handlungsorten und Zeiten hin und her. Zudem sind seine Erzählungen durch philosophische Überlegungen, etwa über die Zufälligkeiten und deren Handlungskonsequenzen unterlegt. Diese Überlegungen führen allerdings dazu, dass der Roman trotz seiner wenigen Seiten einige Längen aufweist, denn die reine Handlung wäre ohne diese erzählerischen Kniffs auch auf sehr viel weniger Seiten erzählt. Die etwas ungewöhnliche Erzählweise trägt des Weiteren dazu bei, dass einem die Personen eigentlich kaum näher kommen. Man hat zu ihnen immer ein etwas eigenartig distanziertes Verhältnis, das dazu führt, dass man in diese Geschichte nicht wirklich eintauchen kann. Auch ist das Handeln der Personen ist dadurch für den Leser kaum nachvollziehbar.

Fazit

Milan Kundera beschreibt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte vor einem interessanten historischen Hintergrund. Allerdings führen die eigenartige Erzählweise und das Einschieben von einigen philosophischen Überlegungen dazu, dass es dem Leser schwer fällt, sich in der Geschichte zu verlieren und sich mit den Personen zu identifizieren.

3 von 5 Punkten

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