Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Die Spur der Füchse (Ken Follett)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN 978-3404125852
6,99 €


Ein kurzer Einblick

Binnen weniger Stunden in London: Ein tolldreister Millionenraub wird verübt, ein hoher Politiker begeht einen rätselhaften Selbstmordversuch, ein Großkonzern wird in letzter Minute vor dem Konkurs gerettet, und ein Unterweltboß erlebt ein blutiges Fiasko.
Als ein junger Reporter dieses Netzwerk aus Korruption und Gewalt entwirrt, wird er zum Schweigen gebracht. Denn selbst die Presse ist nur eine Figur im teuflisch-genialen Plan eines Finanzhais – der Operation Obadja.

Bewertung

Felix Laskie, Bankenbesitzer, Tony Cox, Unterweltboss Londons, und Arthur Cole und Kevin Hart, Mitarbeiter der Evening Post, verkörpern neben ein paar wichtigen Nebenfiguren das Groß der Charaktere. Nicht ohne Grund hebe ich die Figurenkonstellation derart hervor, denn einen Protagonisten gibt es nicht. Vielmehr nimmt eine jede Figur eine immens wichtige Rolle ein, ohne die das Handlungsgerüst nicht funktionieren würde.
Leider erschlägt die Vielfalt der Charaktere gerade anfangs etwas. Zwar gelingt es Ken Follett eine jede seiner Figuren ein Eigenleben zu geben, doch bei so vielen Figuren gelingt dies nur bis zu einem gewissen Maß. Die Charaktere sind gerade so weit ausgestaltet, dass sie Persönlichkeit besitzen, aber ebenso gerade etwas zu wenig, um sie ins Herz zu schließen. Das ist ein dreifacher Fluch: Zum einen können die Figuren nicht gänzlich überzeugen, zum anderen braucht es seine Zeit, bis man zu den Charakteren vorgedrungen ist, und letztendlich zieht sich der Einstieg des Romans durch das Vorstellen eines jeden Charakters in die Länge. Ken Follett versucht dies mit einem schnellen voranschreiten der Handlung zu kompensieren, was ihm aber auch nur teilweise gelingt. Zu schwer wiegt der Nachteil seiner Charaktere.
Als Gegenstück, das die bisherigen Nachteile ausgleicht, dient der Romanaufbau. Der Plot ist auf einen Tag beschränkt. Die Kapitel sind in Tagesstunden eingeteilt. In jedem Kapitel werden die Erlebnisse der Charaktere geschildert. Das klingt erst einmal sehr banal, aber durch die Kombination aus Ganoven- und Mediensicht ergibt sich ein sehr interessanter Blickwinkel auf Geschehnisse und Zusammenhänge. Denn so einfach das Grundgerüst ist, so gut ist es hingegen inszeniert. Zwar kann das Gerüst nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Story ab und an etwas konstruiert anmutet, aber die Glaubwürdigkeit, die Ken Follett vermitteln kann, steht dem mehr als entgegen. Vergessen darf man natürlich nicht, dass die Handlung im London der 70er Jahre spielt.
Einen Leckerbissen möchte ich potentiellen Lesern hinwerfen: Das Ende ist ungewöhnlich, ist perfekt in die Handlung integriert und auf die Zusammenhänge der Machenschaften der einzelnen Charaktere perfekt abgestimmt. So soll es ja auch sein!

Fazit

„Die Spur der Füchse“ ist eines der ersten Werke Ken Folletts, dass der Autor zuerst noch unter seinem Pseudonym Zachary Stone veröffentlicht hat. Die ein oder andere Schwäche verzeiht man dem Roman aufgrund des Frühwerks sehr gerne, denn geboten wird eine spannende Handlung mit Raffinesse, die erst durch die Erzählstruktur interessant wird. Und vergesst nicht: Geld regiert die Welt!

3 von 5 Punkten

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