Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Die Rache des Doctor Nikola (Guy Newell Boothby)

Wurdack
Klappenbroschur, 231 Seiten
ISBN-13: 978-3-938065-61-7
13,95 €

Ein kurzer Einblick

London, in den dekadenten 1890ern: Vier Männer aus allen Ecken dieser Welt werden zu einer geheimnisvollen Zusammenkunft in ein vornehmes Hotel bestellt. Geladen hat Dr. Nikola, der ein ungeheueres Verbrechens plant. 
Zur gleichen Zeit rettet in Sydney ein junger Mann – ein Abenteuerer und Geschäftsmann, der einen Urlaub in England, der Heimat seines Vaters geplant hat – ein vornehmes Mädchen vor dem Angriff einiger Rohlinge. Es kann nicht ahnen, dass dies der Auftakt eines turbulenten Abenteuers ist, in dessen Verlauf sich seine und Dr. Nikolas Wege immer wieder kreuzen werden. Hat er, der Abenteurer, überhaupt eine Chance gegen den Superschurken Dr. Nikola?

Bewertung

Es ist selten der Fall, dass ein Roman noch nach über 100 Jahren seiner Existenz gleichermaßen begeistern kann. Bestsellerautor Guy Newell Boothby hat in den elf Jahren seines Schaffens etwa 50 Bücher geschrieben, darunter die Reihe um Doctor Nikola, dessen erster Band (A Bid for Fortune, or Dr. Nikola's Vendetta; dt. Die Rache des Doctor Nikola) 1895 erschien und im März 2010 neu veröffentlicht worden ist. Die anderen Teile werden ebenfalls bei Wurdack erscheinen, der zweite Teil ist für das zweite Quartal unter dem Titel „Die Exepedition des Doctor Nikola“ angekündigt, bevor 2011 die letzten beiden Romane als deutsche Erstveröffentlichung vorliegen werden.
Mit Dr. Nikola hat Guy N. Boothby einen der ersten Serienschurken erschaffen und den Geschmack der breiten Masse getroffen. Bis heute hat sich daran nichts geändert, zumindest an der Figur des Serienschurken, der unabwendbar immer wieder in der Literatur auftaucht. Lediglich am Auftreten und an der Ausführung der Figur hat sich vieles geändert. Sind heute Schurken kleine Actionhelden oder blutrünstige Monster, erinnert Dr. Nikola an das Bild eines ehrenhaften Gentleman – der er auch ist –, aber gewisse Machenschaften verfolgt: Die Weltherrschaft ist das vorrangiges Ziel, die Manipulation von Menschen das Mittel zum Zweck. Übersinnlich begabt, legt er mehr Wert auf Ränkespiele durch Handlungsmöglichkeiten, als direkte Gewalt auszuüben. Nach einer Actiongranate klingt dies wahrlich nicht, würde jedoch auch nicht in die Zeit um 1900 passen. Vielmehr entfaltet Boothby eine zwar ruhige, dafür aber umso eindringlichere exotische Atmosphäre, die überhaupt keinerlei Rasanz bedarf, um Spannung auf hohem Niveau zu garantieren.
Trotz des Alters lässt sich vorliegender Roman flüssig lesen. Ich kann nicht umhin zu sagen, dass diese Übersetzung unserer modernen Zeit gerecht wird, aber das Alter nicht verachtet. Dem Übersetzer Michael Böhnhardt ist ein wahrhafter Spagat gelungen und ihm und dem Wurdack Verlag ist es zu verdanken, dass uns die Abenteuer des Doctor Nikola erneut zugänglich gemacht werden. Denn alt mag „Die Rache des Nikola sein“, veraltet ist der Roman allerdings nicht.
Bedächtig schildert Boothby die Abenteuer Mr. Hatteras', der sich unwissentlich in die Intrigen Nikolas verstrickt. Überrascht? Nun, Doctor Nikola ist wahrhaftig nicht der Erzähler, auch wenn sich die Reihe um diesen dreht. Boothby ist damit ein Kniff gelungen, der den Leser von außen an Nikola heranführt und zugleich kann Boothby unnachahmlich die unheimlich-faszinierende Figur skizzieren und charakterisieren. Nikola bekommt auf diese Weise eine düstere Aura, deren Erschaffung anders wohl kaum möglich gewesen wäre, und die der Roman auch benötigt, will er gänzlich von der Gestalt Nikolas profitieren.

Fazit

Seid 1895 hat sich kein Staub angesetzt. Nach wie vor bietet sich dem Leser ein die Welt umrankendes Intrigenspiel, das nichts von seiner Faszination verloren hat. Ein grandioser Roman, der seine Leser finden sollte – verdient hätte der Roman es.

4,5 von 5 Punkten

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