Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Die Prophezeiung der Schwestern (Michelle Zink)

cbj
Hardcover, 416 Seiten
ISBN: 978-3-570-13721-5
17,95 €


Ein kurzer Einblick

Eine uralte Prophezeiung lässt die Schwestern Lia und Alice zu Feinden erwachsen. Lia, das Tor für Samael, muss alles daransetzen, dass Tor für immer zu schließen. Doch dafür muss sie erst einmal die vier Schlüssel finden. Alice hingegen setzt alles daran, Samael durch Lia in die Welt zu lassen. Geschieht dies, ist der letzte Tag der Menschheit gekommen.

Bewertung

Der Vater der Schwestern Lia und Alice ist gestorben. Atmosphärisch gefühlvoll wird der Leser in die Geschichte gezogen und kann gleich eine emotionale Bindung zu Lia herstellen. Doch schnell ändert sich das von Trauer durchsetzte Bild zu einer Unruhe, die vorerst nicht weiter greifbar ist. Schuld trägt das entstandene Mal an Lias Handgelenk, dessen Ursprung Lia sich nicht erklären kann. Die Entfremdung zu Alice ist ihr ebenso unheimlich, war ihre Beziehung bisher doch immer von Schwesternliebe geprägt. Doch etwas drängt sich zwischen sie, etwas, das vielleicht mit dem Mal zu tun hat – und das macht Lia angst.
Leider schafft Michelle Zink es erst, nach der ersten Hälfte des Romans den Leser richtig zu fesseln. Dies liegt weniger daran, dass ein gut lesbarer Stil fehlt, denn der ist vorhanden, sondern daran, dass die Geschichte allzu gleichmäßig abläuft. So werden dem Leser nach und nach Brocken zugeworfen, an denen sich die Geschichte entlang hangelt, aber erst viel zu spät entfaltet. Eine interessante Story reicht eben nicht aus, von daher ist es nur gut, dass Die Autorin die Spannungsschraube anzieht; wenn auch ein wenig spät. Zugute halten kann man ihr lediglich, dass es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt und sich die Story erst entwickeln muss. Die recht einfache und gut strukturierte Geschichte, ohne dass es künstlich wirkt, kann dennoch ein spannendes Leseerlebnis bieten. Konsequent wird das Finale aufgebaut; zielstrebig, aber nicht zu geradlinig.
Vieles herausreißen kann die gelungene Atmosphäre und die eindringlichen Szenen wie die Beerdigung des Vaters, der Tod des Bruders oder Lias Liebe zu ihrem Freund.
Doch erst der Konflikt der Schwestern von Liebe und Hass, macht die Geschichte erst richtig lesenswert. Sie müssen mit einem Konflikt kämpfen, der gegensätzlicher nicht sein könnte und der dennoch unumgänglich ist, sodass ihnen gar keine Wahl zur Auswahl steht. Dies ist alles andere als langweilig, denn gerade hier liegt viel Potential, fühlen sich die Schwestern trotz allem zueinander hingezogen. Und das spürt man auch. Doch der Prophezeiung können sie eben nicht entkommen, so sehr sie vielleicht auch wollen.
Eingebettet wird die Geschichte in das 19. Jahrhundert. Die Darstellung des damaligen Lebens ist überzeugend, kann aber nur einen oberflächlichen Blick bieten; etwas, was ich aber auch nicht weiter bekritteln möchte, da Zink einen phantastischen Roman und keinen historischen vorgelegt hat.

Fazit

Michelle Zink legt mit dem Roman „Die Prophezeiung der Schwestern“ den Auftaktband zu einer phantastischen Trilogie vor. Das Zielpublikum Jugendliche wird bestens befriedigt, dennoch kann der Roman nicht verhehlen, dass er über ein solide nicht hinauskommt.

3 von 5 Punkten

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