Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Die Korrekturen (Jonathan Franzen)

Rowohlt Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 784 Seiten
ISBN: 978-3-499-23523-8
12,99 €


Ein kurzer Einblick

Enid Lambert hat eigentlich nur einen Wunsch. Sie möchten ihre erwachsenen Kinder noch einmal zu einem Weihnachtsfest bei ihr und ihrem Mann Alfred versammeln. Doch Alfreds Parkinson-Krankheit wird immer schlimmer und auch jedes der drei Kinder hat mit eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Gary muss sich in seiner Familie durchsetzen, Chips Karriere scheint vor dem Aus zu sein und Denise hat Probleme in der Liebe, die sich auch auf ihre berufliche Situation auswirken. 
 
Bewertung

Von außen betrachtet scheinen die Lamberts eine ganz normale Familie zu sein. Sie leben in einer kleineren Stadt und können sich durch das frühere durchschnittliche Gehalt des Vaters Alfred ein kleines Haus leisten. Ihre drei Kinder haben alle irgendwie Karriere gemacht. Der Älteste, Gary, hat eine kleine Familie und verdient mit Bankgeschäften gutes Geld. Der Mittlere, Chip, ist Dozent an einer Universität und die Jüngste, Denise, ist eine bekannte Köchin. Doch der Schein trügt und das erfährt man eindringlich, wenn man die einzelnen Figuren im Laufe des Buches immer tiefergehender kennen lernt.
Eigentlich weiß niemand so richtig von den Problemen des anderen, will es vielleicht auch gar nicht wissen und will den anderen seine eigenen Probleme auch nicht wirklich verraten. Jeder führt sich eigenes Leben, in dem die Liebe zur Familie scheinbar auf der Strecke geblieben ist. So hat Gary mit seiner tyrannischen Ehefrau zu kämpfen, die seine Kinder gegen ihn aufhetzt, Chip wurde wegen eines Verhältnisses mit einer Studentin entlassen und hat jede Menge Schulden und Denise hat sowohl mit ihrem Chef als auch mit dessen Frau geschlafen, so dass auch sie gefeuert wurde. Man erfährt so von steilen Auf- und Abstiegen und lernt Situationen kennen, in denen es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt, doch man sich irgendwie immer wieder hochrappelt. Das einzige Problem, von dem alle wissen und das nicht zu lösen ist, ist, dass Alfred Parkinson hat.
Doch niemand, außer Gary, will sich wirklich eingestehen, wie schwer seine Krankheit schon vorangeschritten ist und so kann man in eindrucksvoller Weise miterleben, wie die Krankheit Alfred mehr und mehr einschränkt und zugleich auch ausschlaggebend für das Leben seiner Frau ist und praktisch zu deren einzigem Lebensinhalt wird. Jonathan Franzen lässt einen mitfühlen, wie schwierig es für Ehepartner sein muss, wenn die Krankheit ihres Partners immer schlimmer wird und sie es sich nicht eingestehen wollen und zugleich einen Ausweg aus der Situation suchen. Gleichzeitig sieht man aber auch Familienmitglieder, die jeder zueinander irgendwie in einem nicht ganz ausgeglichenen Verhältnis stehen, sich mit einem Problem auseinandersetzen. Doch da alle wenig von den anderen wissen und jeder irgendwie versucht eine bestimmte Rolle zu bedienen, die ihm irgendwann mal zugeschrieben wurde, ist dieses Problem alles andere als leicht zu lösen und erfordert auch, dass eine Familie wieder mehr zusammenfindet.

5 von 5 Punkten

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