Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Die Kannibalen von Candyland (Carlton Mellick III)

Festa
Hardcover, 160 Seiten
ISBN: 978-3-86552-095-1
16,80 €

Ein kurzer Einblick

Als er noch ein Junge war, sah Franklin Pierce die Candyfrau mit dem rosa Zuckerhaar zum ersten Mal. Sie machte die Kinder mit ihrem betörenden Erdbeerduft willenlos und fraß sie auf. Aber niemand glaubte seine Geschichte. Seither ist Franklin Pierce besessen davon, zu beweisen, dass die Kannibalen von Candyland wirklich existieren. Doch dazu muss er erst einen fangen … tot oder lebendig.

Jahrzehnte später findet er den Zugang ins unterirdische Candyland – und wird der Sexsklave der zuckersüßen Frau mit Biss …

Bewertung

Hat man Ihnen schon einmal menschliches Fleisch von Kindern vorgekaut und Sie damit gefüttert? Wurde Ihr Bein mit einer Pfefferminzsäge abgesägt, die Wunde mit heißer Karamellsauce versiegelt und Ihr Bein vor Ihren Augen von einer Zuckerfrau gegessen? Hat man Ihr Gehirn mit Schokoladenstreuseln verziert? Wurde Ihre Hand abgetrennt und gegen eine Marzipanhand eingetauscht? Candyland – das wohl süßeste und zugleich blutigste Land, das jemals von einem menschlichen Verstand erfunden wurde!
Zucker trifft Blut. Das Candyland ist ein Schlaraffenland der Süßigkeiten. Karamellbäche und Schokofelsen prägen u.a. das Landschaftsbild. Candyland - die süßeste Verführung seid es Süßes gibt! Es ist die Welt der Zuckermenschen. Lakritz, Marzipan, eine Zuckerglasur, etc. überzieht ihre fleischlichen Körper. So süß, so zuckrig und so verführerisch diese Welt erscheint, darf nicht vergessen werden, dass die Zuckermenschen Kannibalen sind und das zarte Fleisch von Menschenkindern bevorzugen!
Franklin Pierce hat ein Superhirn; und er ist ein Zuckermenschenjäger. In Franklins Kindheit haben die Zuckermenschen seine Schwester gefressen. Seine Rache und sein Hass gegen die Zuckermenschen konzentriert sich auf die völlige Vernichtung der Zuckergestalten. Kein Preis ist zu hoch, um die Zuckermenschen auszurotten. Und eines Tages findet er den Eingang ins Candyland …
Sprachlich ist „Die Kannibalen von Candyland“ mit Sicherheit nicht wertvoll und Kunst ist es noch lange nicht, aber – und das ist der entscheidende Punkt – der krasse Gegensatz aus Süße und Blut macht tierischen Spaß. Rasant schreitet die kurze Geschichte voran und immer wieder ist man gespannt, was für verrückte Ideen Carlton Mellick III noch aus seinem Ideenhut zaubern wird.
Die Story: 0815. Die Verkleidung: Grandios! Obwohl die Handlung keinerlei Neuerungen bringt, liest sich die Geschichte dennoch erfrischend neu. Dank der verrückten Ideen. Dank der zuckrigen Kulisse. Dank der süßen Kannibalen.
Doch nicht nur die Innereien sind ein wahrer Schmaus, auch die Verpackung: Wenn man den Bauch der Zuckerfrau streichelt, duftet es nach Erdbeeren. Verrückt, nicht wahr? Aber garantiert nicht verrückter als der Roman!

Fazit

Carlton Mellicks III Ideen sind derart abgedreht und übertrieben, dass die kranken Fantasien des Autors gar nicht erst eine Chance haben in sinnlose Abstrusität abzurutschen, sondern ohne Wenn und Aber spaßig genial genannt werden müssen. Nicht umsonst ist das Werk in der Reihe Bizarro Fictionerschienen. Freunde ungewöhnlicher Romane werden herzlich eingeladen, in die Welt der Zuckermenschen abzutauchen und der süßen Verführung zu erliegen.

3 von 5 Punkten

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