Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Die Insel der besonderen Kinder (Ransom Riggs)

PAN
Hardcover, 416 Seiten
ISBN 978-3-426-28368-4
16,99 €


Ein kurzer Einblick

Die Insel. Die Kinder. Das Grauen.
Bist Du bereit für dieses Abenteuer?

Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor – doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben – und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inzwischen ist Jacob ein Teenager und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt …

Bewertung

Den 16-jährige Jacob verbindet viel mit seinem Großvater. In seiner Kindheit war er der Märchenonkel, später war er einer der wichtigsten Menschen in Jacobs Leben. Mit zunehmendem Alter jedoch wird Abraham seniler. Seine Familie glaubt, er sei nicht mehr zurechnungsfähig und schließt das Waffenarsenal weg. Abrahams Angst vor ungeahnten Schrecken aber ist begründet – und nur allzu real. Jacob muss dies feststellen, als er auf einen panischen Anruf seines Großvaters mit Gelassenheit reagiert und diesen daraufhin ermordet im Wald hinter seinem Haus auffindet. Er glaubt ein Monster gesehen zu haben, doch niemand schenkt ihm glauben …
Eine mysteriöse Familiengeschichte (Abraham ist ein Flüchtling aus Polen, der Zuflucht auf einer einsamen Insel bei Großbritannien gefunden hat, und später nach Amerika ausgewandert ist.), die der Fantasie Abrahams entsprungen zu sein scheint (seine Ausschmücken gestalten sich sehr fantasievoll), Kinder mit an Magie grenzenden Fähigkeiten und ein viktorianisches Kinderheim sind die Hauptzutaten, die Ransom Riggs für seinen Fantasy-Gruselroman verwendet hat. Natürlich glaubt Jacob nicht an die alten Märchen seines Onkels, natürlich muss er entdecken, das alles wahr ist. Natürlich möchte Jacob herausfinden, was die letzten Worte seines Onkels bedeuten. Natürlich findet er heraus, welche Geheimnisse sein Onkel vor der kompletten Familie verbarg. Natürlich – denn das ist der intensive Geschmack, der den Zutaten die Würze verleiht.
Emma kann Flammen in ihrer Hand entstehen lassen. Millard ist unsichtbar. Olive leidet unter der Umkehrung der Schwerkraft. Fiona kann Pflanzen wachsen lassen. Bronwyn besitzt die Fähigkeit Felsbrocken zu stemmen und in Hugh Leben Bienen. Jacobs neue Gesellschaft ist außergewöhnlich und offenbart ihm endlich jene Geheimnisse, die ihn brennend interessieren. Doch mit ihnen erfährt er auch, warum ihm sein Onkel Abraham vieles verschwiegen hat. Rosig wird das Leben der Kinder fortan nicht mehr, denn der Feind – das Monster – ist Jacob gefolgt.
„Die Insel der besonderen Kinder“ beruht zwar nicht auf wahren Tatsachen, aber sehr wohl auf echten Fotokopien, die Ransom Riggs auf Flohmärkten gesammelt hat. Diese „echte Realität“ der unheimlich-mysteriösen Bilder, die alle paar Seiten die Geschichte unterstützen und quasi als Beweis für die Echtheit dienen, dringt tief zwischen die Seiten des Buches ein und verbreitet eine Aura wohlen Grusels. Die Aufmachung und die Gestaltung – sowohl Äußerlich als auch Innerlich – sind ein Glanzlicht für das Auge und mit die liebhafteste Aufmachung, die ich je in einem Buch gesehen habe. So sollten wirklich schöne Bücher aussehen; so macht das Lesen Spaß, wenn Auge und Geist gleichermaßen befriedigt werden. Die Fantasie muss durch die Bilder ja nicht genommen werden. Die Bilder sollen lediglich die Fantasie anregen.
Der Stil ist typisch amerikanisch locker und ermöglicht einen leichten Lesefluss. Vergleichbar mit einem stereotypischen amerikanischen Thriller der Massenmarke und vergleichbarer Einfallslosigkeit im Plotverlauf ist vorliegender Roman aber nicht, sodass „Die Insel der besonderen Kinder“ wohltuend durch seine Ideen und die fabelhafte Umsetzung aus der Masse hervor sticht. Allein das Ende könnte auf manch einen Leser etwas unbefriedigend oder gar schal wirken. Ich jedoch finde, dass sich das offene Ende bestens in das Gesamtkonzept einfügt. Das Gute ist: Ein Fortsetzung ist mehr oder weniger beschlossene Sache, denn der Autor hat bereits Fotokopien für Buch 2 gesammelt (Quelle: Homepage von Ransom Riggs).

Fazit

Nach Broms „Der Kinderdieb“ ist „Die Insel der besonderen Kinder“ das zweite Highlight aus dem Hause PAN. „Die Insel der Kinder“ ist ein atmosphärischer Fantasy-Gruselroman, der eine Auszeichnung verdient hätte. Erwachsene werden sich eventuell an kleinen Mängeln stoßen, Jugendliche hingegen vollauf befriedigt werden. Ein Roman für jedermann, ein Roman, der zu den Büchern des Jahres gezählt werden darf.

5 von 5 Punkten

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