Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Die Hunt-Chroniken 1. Der Schattenseher (Joseph Nassise)

PAN
Paperback, 352 Seiten
ISBN: 978-3-426-28304-2
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Jeremiah Hunt sieht die Geister der Toten, nachdem er bei einem magischen Ritual das Augenlicht verloren hat. Endlich kann er auch eine Spur finden, die zu seiner vor Jahren verschwundenen Tochter führt. Hat das Verschwinden etwas mit den seltsamen Morden zu tun? Hunt kommt einem alten Geheimnis auf die Schliche.

Bewertung

Die Trilogie „Die Chroniken der Tempelritter“ war in Deutschland ein großer Erfolg. Nun legt Joseph Nassise mit „Die Hunt-Chroniken“ eine neue Buchreihe vor. Der Klappentext verkündet: Ein schneller magischer Thriller: Hochspannung garantiert! Flüssig lässt sich dieser Roman wahrlich lesen.
Hunt ist ein angenehm ungewöhnlicher Protagonist. Mit seiner eigenwilligen und auch schroffen Weise, die seine Vergangenheit widerspiegelt, ist er ein Mann mit Ecken und Kanten und nicht der glatt gebügelte Held vieler Heldenromane. Mit seiner Blindheit, die ihm lediglich erlaubt die Geister der Toten zusehen, hat er gelernt umzugehen. Ihm zur Seite stehen die Gespenster Whisper und Scream, derer Augenlicht er sich bedienen kann. Hunts Blindheit fördert eine düstere Stimmung, die nicht allein durch dunkle Straßen und verfallene Gemäuer entsteht. Nassise hat damit eine Konsequenz des Romans zu einem Vorhandensein von Finsternis umgeformt und somit die natürliche Dunkelheit durch Hunts Blindheit mit einer stimmigen Atmosphäre verbunden, sodass der Roman noch runder wirkt.
Statt auf der Hype-Welle der Vampir-Romantacy mit zu schwimmen, stellt Nassise Gespenster aller Art in den Vordergrund. Es ist eine mehr als angenehme Abwechslung. Die Gespenster plagen Rachegefühle oder treiben teilnahmslos durch die Stadt, um zwei Extreme zu nennen. Lust, Liebe und Verlangen finden hier kaum ihren Platz. Lediglich die Andeutung einer möglichen Entwicklung einer Beziehung zwischen Hunt und der Hexe Clearwater wird als zwischenmenschliche Entwicklung fast stiefmütterlich in die Handlung eingeflochten. 
Rückblenden im Roman empfand ich zwar als störend, doch machten sie durchaus Sinn, da sie Hunts Motivation anhand alter Geschehnisse sehr gut beleuchten. Ich konnte Hunt viel besser verstehen, das, was ihn antrieb, und warum er so ist wie er ist.
Das große Happy End vieler Romane gibt es hier nicht. Zwar kann Hunt am Ende den Sieg davontragen, doch das Schicksal kann ihm seinen größten Wunsch nicht erfüllen, sodass ein wenig Trübsal in der Luft hängen bleibt. Wehmütig, aber umso entschlossener, bricht Hunt in den zweiten Teil der Chroniken auf.
Joseph Nassise ist die Verquickung von Phantastik und Thriller außerordentlich gut gelungen. Einerseits präsentiert er durch die Arbeit der Polizei einen realistisch authentischen Hintergrund, andererseits schaut der Leser durch Hunts Blick hinter die Kulissen der Wirklichkeit und erblickt eine Welt voller magischer Wesen.

Fazit

Ein magischer Roman und ein flotter Thriller, der mit seinem eigenwilligen Protagonisten Hunt einen absonderlichen Charakter vorführen kann. Ein furioses Finale komplettiert das Bild und macht große Lust auf die Fortsetzung, an der Nassise momentan arbeitet.

4 von 5 Punkten

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