Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Die Entdeckung der Currywurst (Uwe Timm)

DTV
Taschenbuch, 187 Seiten
ISBN: 978-3-423-12839-1
8,90 €


Ein kurzer Einblick

Als Kind hat der Erzähler häufig bei Lena Brücker an der Imbissbude seine Currywurst gegessen und dabei aufgeschnappt, dass sie die Currywurst entdeckt hat. Nun will er diese Geschichte genauer wissen und macht sich auf die Suche nach Lena Brücker. Er findet eine hochbetagte Dame, die nicht nur von der Entdeckung der Currywurst zu erzählen hat, sondern auch von einer Liebesgeschichte…

Bewertung

Uwe Timm greift in seiner Novelle ein Thema auf, über das sich die meisten von uns wohl noch nie Gedanken gemacht haben: Wie kam es eigentlich zur Entdeckung der Currywurst? Doch bietet diese Frage eigentlich nur den Rahmen für die Erzählung einer besonderen Liebesbeziehung. Denn, um zu erklären, wie sie die Currywurst entdeckt hat, holt Lena Brücker etwas weiter aus und erzählt von der großen Liebe ihres Lebens. Die Entdeckung der Currywurst tritt dabei etwas in den Hintergrund, so dass man beim Lesen eigentlich die gesamte Zeit auf weitere Entwicklungen im Bezug auf die Entdeckung der Currywurst gespannt ist und dabei leider etwas enttäuscht wird. Die ständige Spannung wird hier nicht wirklich befriedigt und am Ende, als die Entdeckung schließlich aufgelöst wird, ist man sogar etwas darüber enttäuscht, dass sie so wenig mit dem Rest der Geschichte zusammenhängt.
Auch wenn in dieser Hinsicht die Geschichte nicht ganz befriedigt, macht doch der Rest der Erzählung die Novelle durchaus lesenswert. Man erlebt eine Liebesbeziehung, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges entsteht. So erfährt man nicht nur, wie die Menschen in Hamburg die letzten Tage des Krieges, die ersten Tage der Besatzung und schließlich den Wiederaufbau erlebt haben, sondern man kann auch eindringlich die Überwachung unter der Nazi-Diktatur miterleben.
Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Lena Brücker und dem desertierten, sich bei ihr versteckenden und etwas jüngerem Bremer entwickelt, kann man schwer in Worte fassen. So ist sie zwar durch gegenseitige Abhängigkeit geprägt, die dazu führt, dass sich Lena Brücker entgegen ihrem ehrlichen Charakter verhält, doch ist ihre Beziehung viel komplexer. Die Angst vor dem Zerbrechen dieser Beziehung führt Lena Brücker dazu, die Kapitulation vor Bremer geheim zu halten. Doch diese Lüge ist für sie nur schwer aufrecht zu erhalten und als sie schließlich platzt, sieht sie sich wieder dort, wo sie am Anfang stand, allerdings mit mehr Selbstbewusstsein.

Fazit

„Die Entdeckung der Currywurst“ erzählt vor dem Hintergrund einer interessanten Frage eine ungewöhnliche Liebesbeziehung, die zeitgeschichtlich in die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Wiederaufbau eingeordnet ist und allein dadurch dem Leser ein eindrucksvolles Bild einer völlig anderen Zeit verschafft.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen