Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel (Cameron Pierce)

Voodoo Press
Taschenbuch, 85 Seiten
ISBN 978-3-902802-12-5
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Eine verrückte, märchenhafte Erzählung über eine eingelegte Gurke, einen Pfannkuchen und die Apokalypse. 
Es ist Gaston Glews sechzehnter Trauertag - der sechzehnte traurigste Tag seines Lebens. Sein Geburtstag - und jener Tag, an dem seine Eltern sich das Leben nahmen. Gaston Glew hat die Traurigkeit satt. Deswegen konstruiert er eine Rakete, um mit ihr hinaus in den Weltraum zu reisen, mit der Hoffnung, dem salzigen Schicksal zu entkommen. 
In der Zwischenzeit wird Fanny Fod, das schönste Pfannkuchen Mädchen der Welt, von einer geheimnisvollen Traurigkeit überwältigt, während sie die Quelle des Glücks bewacht. Das mysteriöse Knuddelmonster.

Als Gastons Raumschiff in das Arhornsirupmeer stürzt, wird für ihn, als auch für Fanny Fod nichts mehr so sein, wie es einmal war. 

Bewertung

Nicht immer muss für neuartige Geschmackskreationen zum Kochbuch gegriffen werden. Cameron Pierce vergewaltigt auf viel elegantere Art den sittsamen Umgang mit Nahrungsmitteln. Wie können eine Salzgurke und ein Pfannkuchen miteinander Sex haben? »Die eingelegte Apokalypse der Pfannkucheninsel« hält die Antwort parat. Die Irrwitzigkeit und Absurdität gelangt mit diesem Einfallsreichtum aber noch längst nicht an ihre Grenzen.
Gaston Glew ist eine eingelegte Salzgurke vom eingelegten Planeten. Ein Trauertag folgt dem nächsten. Keine Freude, kein Glück lässt sich auf Gaston Glews Planeten finden. Als er zum 16. Geburtstag nach altem Brauch keine Schrotflinte erhält und seine Eltern Selbstmord begehen, besteigt er das selbstgebaute Raumschiff und macht sich auf die Suche nach dem Glück. Auf dem Pfannkuchenplaneten stößt er nicht nur auf eine rassistische Sonne, ein Ahornsirupmeer, sondern auch auf Friede, Freude, Eierkuchen. Ach ja, natürlich auch auf das schöne Pfannkuchenmädchen Fanny W. Fod mit den Erdnussbutterlippen. Als Einzige auf diesem im ewigen Glück schwelgenden Planeten ist sie traurig.
Gaston Glew aus der depressiven Trauergesellschaft der eingelegten Salzgurken findet sich auf einmal in einer Spaßgesellschaft des künstlich aufrecht gehaltenen Glücks wieder. Kein Grund ist ein guter Grund zu feiern. Ein Grund ist natürlich auch ein Grund zu feiern. Einen jeden Tag auf Paraden und Feste zu gehen, gehört zum Leben eines Pfannkuchens dazu. Das Besäufnis mit Ahornsirupbier darf nicht fehlen. Mit dem Eintreffen Gaston Glews nimmt das Glück auf dem Pfannkuchenplaneten jedoch ein jähes Ende ...
Gurken-Pfannkuchen-Sex und deftiger Splatter mit spritzendem Ahornsirup und der befriedigenden Vergewaltigung von soeben mordlüstern umgebrachten Pfannkuchen ist noch längst nicht alles, was des Lesers Verstand kopfschüttelnd umwölkt. Cameron Pierce‘ Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Flott und geradlinig, abgedreht und einfallsreich, setzt der Autor die Normalität gnadenlos ab und hebt die Absurdität auf den Thron. Nach Gewöhnlichkeiten braucht nicht Ausschau gehalten zu werden. So ausgeflippt die Ideen des Romans auch sein mögen, siegt die Oberflächlichkeit über die Tiefgründigkeit. Cameron Pierce hat sich zu sehr auf die schrägen Einfälle verlassen und dabei das Einfühlungsvermögen in die Figuren missen lassen. Die Identifizierung mit einer Salzgurke mag vielleicht nicht unbedingt leicht fallen, doch eben dies wäre die nötige Kunst in diesem abgedrehten Abenteuer gewesen. So fällt »Die Apokalypse der eingelegten Pfannkucheninsel« unter die grandios inszenierten, gut geschriebenen und ungewöhnlich kreativ lustigen Ideen der grundsoliden Bizarro Fiction-Geschichten.

Fazit

Ein depressives und suizidales Wesen darf dem Planeten der eingelegten Bewohner angehängt werden, die sich ihrer Trauer ergeben. Das Glück hat es aber auch schwer ... Freude an diesem Machwerk werden nur jene finden, die sich auf ein solch bescheuertes Abenteuer einlassen und jedwede Sinnhaftigkeit über Bord werfen. Doch wie es so ist, man nehme den Roman als Paradebeispiel, löst die ungebrochene Trauer das Glück ob der Kürze des Romans ab.

4 von 5 Punkten

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