Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Die dritte Klaue Gottes (Adam-Troy Castro)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 428 Seiten
ISBN: 978-3-404-28541-9
14,00 €


Ein kurzer Einblick

Andrea Cort hat in ihrer Kindheit Grausames durchlebt: Im Alter von acht Jahren musste sie zur kaltblütigen Killerin werden. Heute ist sie die beste Ermittlerin im Diplomatischen Corps. Sie verbeißt sich nur in die "heißen" Fälle, die man niemand anderem anvertrauen will. Dabei hilft ihr ihre dunkle Vergangenheit. Denn seit ihrer Kindheit ist Andrea kein Mensch mehr. Sie ist ein Monster ...

Bewertung

Setting „Halbgeist“: Eine autarke künstliche Welt. Setting „Die dritte Klaue Gottes“: Ein luxuriöser Fahrstuhl! Krasser hätte ein Settingwechsel nicht ausfallen können. Adam-Troy Castro wendet sich von der extravaganten Welt One One One ab und schickt die Ermittlerin des Diplomatischen Corps Andrea Cort zu einem ungewollten Aufenthalt mitten im Nirgendwo. Um die Umweltverschmutzung der Welt Xana auf ein Minimum zu begrenzen, wurde jeglicher zivile Luftverkehr verboten. Die einzige Verbindung zwischen dem orbitalen Hauptterminal Layabout und Xana sind die Fahrstuhlkabinen. Und ausgerechnet jene, die königliche Kutsche, in der sich Andrea Cort aufhält, bleibt mitten in ihrer Fahrt stecken; und in all der Aufregung wird der erste Mord – zunächst noch völlig unbemerkt unter allen Anwesenden – begangen. Nichts und Niemand kann die Gefangenen in den nächsten Stunden aus dieser verzwickten Lage befreien, sodass es nun an Andrea Cort ist, den Mord aufzuklären. In einer Welt, in der die Rechtslage nicht dem Diplomatischen Corps, sondern den Bettelhines, den Herrschern der Welt Xana, unterliegt, ist dies jedoch gar nicht so einfach, denn stets befindet sich die Ermittlerin in der Gefahr durch ihre Nachforschung verurteilt zu werden, da sie Dinge erfährt, die nicht für jedes Ohr bestimmt sind.
Adam-Troy Castro hat die seltene Gabe, auch auf wenig Raum eine spannende Handlung aufbauen - und halten! - zu können. Der stete Zustrom an Informationen und weiteren Ereignissen, die zusehends in einem Blutbad ausarten, halten die Gehirnzellen auf Trab, will das Geheimnis doch gelüftet werden: Was hat es mit dem Attentat auf Andrea Cort auf Layabout auf sich? Warum stoppte der Fahrstuhl und warum befreit das Militär nach Eintreffen die Gefangenen nicht aus ihrer unglücklichen Lage? All dies nimmt mit einer sehr interessanten Figurenkonstellation, der größten Parallele zum ersten Roman und einer der größten Stärken, ihren Anfang. Schon auf Layabout begegnet Andrea Cort Attentätern der Bocai, kurz darauf wird ihr ein Bocai in friedlicher Mission in der königlichen Kutsche vorgestellt. Dass das Misstrauen nicht sofort beseitigt werden kann, versteht sich; zumal die Rasse der Bocai Andrea für ein Monster hält und sie lieber auf der Stelle tot denn lebendig sähe. Und so baut sich schnell ein Netz der unterschiedlichsten Figuren auf, die untereinander nicht immer freundlich gesonnen sind, deren pure Anwesenheit manchmal sogar fragwürdig erscheint. Auf jeden Fall aber entsteht aus diesem Hexenkessel unterschiedlicher Personen ein explosiver Cocktail.
Die Ermittlungen Andreas schreiten unermüdlich voran und bringen immer neue Geheimnisse ans Tageslicht. Doch die ewige Befragung der Passagiere ermüden auf Dauer jedoch und lassen die Handlung etwas stocken. Wäre Castros seltene Fähigkeit nicht, wäre die Handlung spätestens in der Mitte des Romans auf die Stufe 0 der Langweiligkeitsskala gefallen. Glücklicherweise weiß Castro jedoch, wie er Spannung beibehalten kann. Und das vortrefflich!
Was versteht der Leser eigentlich unter dem Begriff Ehrengast? Am ehesten nimmt er eine Person mit einem besonderen Status an, eine Person, die dem Gastgeber besonders wichtig ist und daher vielleicht einige außergewöhnliche Privilegien bekommt. Nun – all das ist richtig; doch längst nicht alles. Ehrengastauf Xana zu sein heißt sehr viel mehr. Besonders für Andrea Cort, die ihren Gastgeber Hans Bettelhine, Besitzer eines Munitionsimperiums, für einen Vernichter der Zivilisationen hält. Als sie die Bedeutung desEhrengastes erfährt, ist dies wie ein Schlag ins Gesicht! Zwar wurde endlich ein Teil ihrer Vergangenheit enthüllt, doch vielleicht wäre dieser besser verborgen geblieben …

Fazit

Man kann so viel Rätseln wie man will, stets hinkt man Andrea Cort mindestens einen Schritt hinterher, stets treten neue Aspekte auf, die bedacht werden müssen, sodass ein Erraten dem Wort Unmöglichkeit mehr als nahe kommt. Überraschend laufen die Fäden zusammen, findet das Wirrwarr aus Fäden, Beziehungen, Machtaspekten und Geheimnissen ein jähes Ende. Freunde der SF und des Krimis sind hier bestens bedient!

3 von 5 Punkten

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