Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Die Bücher des Kataklysmus 2: Die Blutschuld (Sean Williams)

Otherworld
Hardcover, 592 Seiten
ISBN: 978-3-8000-9520-9
14,95 €

Ein kurzer Einblick

Der Kataklysmus liegt ewig zurück, doch seine Auswirkungen machen sich immer noch bemerkbar ... Als ein Homunkulus aus der Zwischenöde entkommt, werden Sal und Shilly aus ihrem Versteck gelockt, um zu helfen, ihn aufzuspüren. Als Gegenleistung werden die Himmelswächter sie nicht mehr wegen Experimenten mit obskuren Geheimnissen verfolgen. Aber was genau ist diese seltsame Kreatur? In welcher Verbindung steht sie zur lückenhaften Geschichte der Welt? Und was hat sie mit Highson Sparre zu tun, Sals vermisstem Vater? Familiengeheimnisse, Politik, lebendige Geister und tote Körper ... all das müssen Sal und Shilly überwinden, um die Wahrheit über die Zwischenöde und die geheimnisvolle Kluft herauszufinden.

Bewertung

Schon mit „Die Spiegelzwillinge“ hat Sean Williams bewiesen, dass er ein Meister seines Fachs ist. Mit unnachahmlichem Geschick gelingt es ihm neue Welten zu erfinden, die an Komplexität und Vorstellungskraft nicht überboten werden können. Es hat den Anschein des Mühelosen, verliert sich zugleich aber in ausgereiften Ideen und verwinkelten Zusammenhängen. Mit den allseits bekannten mittelalterlich angehauchten Fantasywelten haben „Die Bücher des Kataklysmus“ nichts mehr gemein. Seine Welt ist eigenständig; zusammengesetzt aus tausend vorhandenen Ideen, die so präzise in die Handlung eingebettet und mit eigenen Kreativideen erweitert sind, dass Bekanntes nicht mehr also solches zu erkennen ist.
Im Gegensatz zum ersten Band hat Sean Williams die Komplexität etwas heruntergefahren. Was aber nicht heißen soll, dass dieser Band einfach wäre! Im Gegenteil – nach wie vor muss der Leser sich in diese Welt einfinden, Ideen und Grundkonzepte dieser Welt verstehen. Oder er wird von der Handlung gnadenlos überfordert sein.
Der Kataklysmus liegt nun schon Jahrhunderte zurück, niemand weiß wie viel Jahre verflossen sind. Die Welt, die Seth und Hadrian Castillo gerettet haben, existiert nur noch in Ansätzen. Und dennoch sind die Auswirkungen des Kataklysmus noch immer zu spüren. Die Welt breitet sich als fragwürdiges Etwas vor dem Verstand des Lesers auf, denn immer wieder tauchen neue Wendungen und irritierende Geschehnisse am Horizont auf, die das Weltverständnis bzw. Teile des Weltverständnisses in neue Strukturen pressen. Doch ob diese gefestigt sind, ist selbst dann noch fragwürdig, ist selbst den Menschen dieser Welt so manches fremd und unverständlich. Sie Leben und herrschen in ihrer Nische, kämpfen um ihre Existenz und führen ein Leben, das sie als normal betrachten. Doch die Welt ist Veränderungen unterworfen. Als der Homunkulus der Zwischenöde entkommt, wird Normalität und Fremdartigkeit kontrastiert, wie es krasser nicht sein könnte. Der Homunkulus ist ein Wesen der „alten“ Welt, ein Wesen, dass nicht in diese „neue“ Welt gehört – Und dennoch hat es eine Aufgabe.
Zwischen all diesen weltumspannenden Ereignissen, darf natürlich auch das Kleine nicht vergessen werden, das seinen ganz eigenen Einfluss auf die Entwicklung dieser Welt hat. Die Himmelswächter wollen den Homunkulus gnadenlos töten, die Menschähnlichen fürchten ihn als fremdartiges Wesen, das ihren Vorstellungen zuwider läuft und ihr Leben bedroht, Sal und Shilly möchten zunächst erfahren, welche Aufgabe, welches Ziel der Homunkulus hat und respektieren es als berechtigtes Lebewesen. Die Yadachi und ihre Gebieterin Considine wiederum wollen mit den Ereignissen gar nichts zu tun haben und werden dennoch mit hineingezogen. Es entbrennt ein kleiner Krieg zwischen den Parteien und innerhalb der eigenen Reihen, will doch ein jeder sein eigenes Ziel verfolgen.

Fazit

Auch wenn Jahrhunderte vergehen, kann ein Roman in gewisser Weise nahtlos einen anderen fortsetzen. Sean Williams ist ein Meister der Fantasy und jedem empfohlen, der auf anspruchsvollere Fantasy steht. „Die Blutschuld“ lässt viele Fragen offen und den dritten Band „Die hängenden Berge“ mit Sehnsucht erwarten.

4 von 5 Punkten

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