Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Die Bücher des Kataklysmus 1. Die Spiegelzwillinge (Sean Williams)

Otherworld
Tradepaperback, 576 Seiten
ISBN: 978-3-8000-9507-0
15,95 €

Ein kurzer Einblick

Die Castillo-Spiegelzwillinge sind auf Europareise, als das unfassbare geschieht: Seth wird Opfer eines Mordanschlages und Hadrian bleibt in einer Welt zurück, die schon bald nicht mehr der Erde gleicht, wie wir sie kennen. Die Zwillinge finden sich in einem mythischen Abenteuer kämpfender Götter wieder.

Bewertung

Was Maxime Chattam schon in „Alterra“ (PAN Verlag) tat, ging Sean Williams bereits in „Die Spiegelzwillinge“ (Otherworld Verlag) viel anspruchsvoller an: Die Umgestaltung der Erde in ein gefahrvolles Setting der ganz besonders magischen Art! Sean Williams legt Erwachsenenfantasy der besten Art vor. Dark Fantasy vom Feinsten. Dabei überfällt er den Leser schon auf den ersten Seiten mit einer Informationsflut, die einfach nur erstaunlich ist. Und dennoch überrollt sie den Leser nicht – zugegeben: Ein Quantum mehr und es wäre des Guten zu viel gewesen. „Die Spiegelzwillinge“ ist zwar kein Roman, der fordert, der aber schon verlangt, dass man am Ball bleibt. Jede Information, jede Idee und jede Handlung hat durchaus ihren Sinn und existiert nicht einfach nur, um Eindruck zu schinden oder gar die Seiten zu füllen. Im Gegenteil: Der Roman ist von der ersten bis zur letzten Seite durchdacht und verdammt spannend. Komplex und einfallsreich, die beiden Adjektive trifft es wohl mit am besten.
Ein Aspekt, den ich hier erwähnen möchte, der die Komplexität betrifft, ist das Sammelsurium aus einer unglaublichen Vielzahl an Religionen und Glaubenssystemen. Ich werde hier nur einige nennen: der Glaube der australischen Aborigines, jene der Zigeuner und der Indianer Nordamerikas ist vertreten, aber auch der aztekische, chinesische, christliche, ägyptische, altnordische und römische Glaube ist u.a. wiederzufinden. Sean Williams hat diese Glaubenssysteme auf bezaubernde Weise derart perfekt ineinander verschmolzen, dass man gar nicht weiß oder nur schwer sagen kann, wo eine religiöse Tradition aufhört und eine eine neue anfängt. Es ist ein ganzheitliches – komplexes – Bild, das zu überzeugen und faszinieren weiß. Mit den Religionen einher gehen natürlich die mehr als phantastischen Ideen, die ich darum hier nur am Rande erwähnen möchte und lieber der Fantasie der Leser überlasse.
Fantasie lässt aber auch Platz für Überraschungen und Wendungen. Diese sind zwar spärlich gesäht, drehen aber ganze Meinungsbilder und Handlungsabsichten verschiedener Parteien um. Denn jeder steht auf seiner eigenen Seite und nutzt die anderen geschickt aus. Hadrian hat da natürlich den entscheidenden Nachteil, denn außer ihm und Ellis, Seths und Hadrians gemeinsamer Freundin, kennen sich alle in der neuen erschreckenden Welt aus. Und Hadrian ist der Schlüssel zum Kataklysmus, jener Junge, der im Zentrum des allgemeinen Interesses steht. Bis er das große Spiel verstanden hat, steckt er schon tief mitten drin und kann sich erst viel zu spät aus den Fäden befreien und seinen eigenen Weg gehen. Dabei wirkt die Intuition, mit der er vorgeht, manchmal etwas zu sehr gewollt. Zwar wird diese erklärt, für meinen Geschmack geht ihm diese jedoch von Anfang an etwas zu leicht von der Hand. Es wirkt zwar nicht unglaubwürdig, kratzt aber an der Glaubwürdigkeit – und dennoch passt es irgendwie.

Fazit

Sean Williams legt einen unglaublich starken Beginn seiner „Kataklysmus“-Quadrilogie vor. Es ist ein düsteres und verzauberndes und vor allem fantasiereiches Abenteuer voller Wunder und Geheimnisse. Fantasyleser, sowie Leser der dunklen Phantastik, werden an diesem Werk ihre helle Freude haben.

5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen