Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Die Bücher des Blutes I - III (Clive Barker)

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Hardcover, 800 Seiten
ISBN 978-3899960235
Diese Ausgabe ist vergriffen
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Ein kurzer Einblick

Freunde des literarischen Horrors seien ausdrücklich gewarnt: Die Kultbücher von Clive Barker sind nichts für zartbesaitete Gemüter. Abgründig, wortgewaltig, unheimlich, grausig und wolllüstig - dank diesen Attributen gehören seine Erzählungen zu dem Besten, was das Genre je hervorgebracht hat.

Bewertung

Clive Barkers „Die Bücher des Blutes“ sind Kult. Und das nicht ohne Grund. Ich möchte gar nicht lange drumherum reden: Auch Clive Barker unterliegt in seinen Geschichten Qualitätsschwankungen. Wo andere Autoren jedoch bei einem Abfall von Qualität miserable Geschichten vorlegen, kann Clive Barker noch immer begeistern: Er schwankt zwischen gut und sehr gut. Lesestoff für die Tonne ist schlicht und ergreifend nicht vorhanden! Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen.
Trotz des Titels, sprudelt weder das Blut aus den Buchseiten hervor, noch wird der Leser von übermäßiger Gewalt attackiert. Blutig, bedrohlich und lebensgefährlich sind all seine Geschichten natürlich dennoch. Aber Splatterstorys ohne Sinn und Verstand lassen sich vergebens finden. Vielmehr greift der Autor neben drastischen Szenen auf klassische Horror- und Gruselelemente zurück; gedüngt mit Kreativideen der Marke Clive Barker. Also eben jenen Ideen, die „Die Bücher des Blutes“ erst zum Leseerlebnis jener Art machen, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Abgründig und grausam, drastisch und blutig, detailreich und monströs: Das sind „Die Bücher des Blutes I - III“ aus denen ich fünf Geschichten exemplarisch heraus greifen möchte.

1. Buch des Blutes

1. Das Buch des Blutes
2. Der Mitternachts-Fleischzug
3. Das Geyatter und Jack
4. Schweineblut-Blues
5. Sex, Tod und Starglanz
6. Im Bergland: Die Agonie der Städte

„Das Geyatter und Jack“: Das Geyatter, ein Furienwesen aus der Hölle, hat ein Problem. Es soll dem Gewürzgurken-Importeur Jack Polo seine Seele entreißen. Doch dieser lässt sich von den unheiligen Aktivitäten nicht beirren und treibt seinerseits das Geyatter in den Wahnsinn. Erst zu Weihnachten bekommt das Geyatter seine Chance. Als Jack jedoch aufgebracht das Haus verlässt, begeht das Geyatter einen folgenschweren Fehler: Es wird zum Diener Jacks.

„Sex, Tod und Starglanz“: Terrence Calloway, Regisseur des Theaterstückes „Was ihr wollt“ von William Shakespear und heimlicher Geliebter der untalentierten Diane Duvall, die die Hauptrolle der Viola spielt, möchte die letzte Aufführung im Theater, das geschlossen werden soll, zu einem Erfolg werden lassen. Der charismatische Richard Lichfield jedoch hat seine eigenen Pläne und ersetzt Diane durch seine Frau, die schon einst die Rolle der Viola inne hatte. Die Aufführung wird zu einer Aufführung für die Verblichenen, die ein letztes Mal begeistert und euphorisch dem Theaterstück beiwohnen; sehr zum Erschrecken der lebenden Schauspieler.

2. Buch des Blutes

1. Moloch Angst
2. Das Höllenrennen
3. Jacqueline Ess: Ihr Wille, ihr Vermächtnis
4. Wüstenväter
5. Neue Morde in der Rue Morgue

„Höllenrennen“: Die Hölle schleust einen ihrer Läufe in ein Wohltätigkeitsrennen in London ein. Sollte ihr Läufer siegen, wird Gregory Burgess, ein Gesandter der Hölle, über England regieren. Sollte ihr Läufer versagen, wird in England weitere 100 Jahre die Demokratie regieren, bevor die Hölle erneut antritt, um einen neuen Sieger auszufechten. Wer zurück sieht, wird von der Hölle verschlungen. Allen Teilnehmern sitzt die nackte Angst im Nacken, obwohl sie rein gar nichts vom wahren Hintergrund des Rennens ahnen.

„Wüstenväter“: Davidson bleibt mit seinem Wagen mitten in der Wüste liegen. In einiger Entfernung sieht er schemenhaft eine Gruppe Musik machend dahinziehen. Er läuft ihnen hinterher, um entsetzt festzustellen, dass es keine Menschen sind, sondern abscheuliche Dämonen. Eines der Monster zerstört seinen Wagen und rennt vom Benzin entzündet weiter Richtung der Stadt Welcome, wo es sterbend zusammenbricht. Lucy ist unterdessen verzweifelt, denn ihr Mann Eugene schlägt ihren Sohn. Doch da tauchen die Kreaturen auf und nehmen ihren Sohn Aaron mit sich, denn dieser wurde von den Kreaturen und Lucy gezeugt. Unterdessen versammeln sich die Stadtbewohner und brechen schwer bewaffnet in die Wüste auf, um die Ungeheuer zu erledigen. Doch von ihnen soll nur Lucy entkommen.

3. Buch des Blutes

1. Rohkopf-Rex
2. Bekenntnisse eines (Pornographen-)Leichentuchs
3. Der Zelluloidsohn
4. Sündenböcke
5. Menschliche Überreste

„Bekenntnisse eines (Pornographen-)Leichentuchs“: Ronald Glass ist Buchhalter bis zu dem Tage, als er erfährt, dass die Firma, für die er arbeitet, schmutzige Geschäfte im Pornogewerbe tätigt. Sein Chef stempelt ihn daraufhin öffentlich als Pornozar ab, worauf Glass' Familie ihn verlässt. Ronald nimmt grausige Rache an den Handlangern seines Chefs; doch bevor er seinen Chef ebenfalls ermorden kann, wird er selbst ermordet. Sein Geist strömt im Leichenschauhaus in sein Leichentuch, aus dem er eine halbwegs menschliche Form formt und seinen Rachefeldzug fortsetzt.

Fazit

Die Kultbücher Clive Barkers tragen ihren Rang zurecht. Abgründig und drastisch zwingt Clive Barker seine Leser in Welten abzutauchen, die grausam sind, die erschreckend sind, die unsere Welt in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen. Clive Barker packt seine Geschichten nicht nur in Worte, er erweckt sie zum Leben und lässt sie als grausames und unerbittlich gefräßiges Monster auf uns Leser los.

4,5 von 5 Punkten

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