Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Die Bäckereiüberfälle (Haruki Murakami)

DuMont
Hardcover, 100 Seiten
ISBN 978-3-8321-9636-3
14,99 €


Ein kurzer Einblick

Murakamis legendäre Bäckereiüberfälle sind ein Musterstück surrealistisch-existentialistischer Erzählkunst, in dem der Weltbestsellerautor seinem unnachahmlichen Humor freien Lauf lässt. Nachdem Murakamis Erzählung ›Schlaf‹ weltweit mit Kat Menschiks Zeichnungen erschien, traf Murakami seine Illustratorin in Berlin und wünschte sich, dass sie weitere seiner Geschichten bebildert. Das Ergebnis sind ›Die Bäckereiüberfälle‹ – wie man sie noch niemals gesehen hat.

Bewertung

»Die Bäckereiüberfälle« ist keineswegs ein neuer Roman Murakamis, sondern eine Auskopplung zweier Erzählungen aus »Der Elefant verschwindet«: »Der Bäckereiüberfall« und »Der zweite Bäckereiüberfall«. Wer meint, er kenne die Geschichte doch, sei darauf hingewiesen, dass vorliegende Veröffentlichung dennoch zum Pflichtprogramm Murakamis gehört. Die Illustrationen Kat Menschiks befördern Haruki Murakamis Erzählungen auf eine vollkommen neue Ebene, die bezaubert und bezirzt.
Menschiks Illustrationen zu »Schlaf« sind in einem traumhaften Nachtblau und Silber gehalten, »Die Bäckereiüberfälle« erstrahlen in Moosgrün und Gold. Obwohl Menschiks Zeichnung schlicht gestaltet sind, ist die Betrachtungsebene sehr viel höher angesetzt. Ein Symbol im Text, eine Szene aus der Geschichte oder ein scheinbar unbedeutendes Wort bildet die Grundlage der Illustrationen. Diese selbst gehen nicht kunstlos in einer sachlichen Darstellung und Wiedergabe des Gelesenen auf, sondern unterstützen Text und Aussage auf unnachahmliche Weise und gehen sogar noch einen Schritt weiter: Kat Menschiks Illustrationen könnten eine ganz eigene Geschichte erzählen.

Der Hunger veranlasst zwei Freunde eine Bäckerei zu überfallen. Doch zu dem Überfall kommt es nie. Der Bäcker schenkt ihnen das Brot - im Tausch gegen das Hören von Musik. Jahre später: Die Freunde sind ihrer Wege gegangen, einer hat geheiratet und abermals wird er von tierischem Hunger ergriffen. Zusammen mit seiner Frau macht er sich erneut auf den Weg eine Bäckerei zu überfallen ...
Haruki Murakamis Erzählungen sind weder tiefgründig noch bedeutungsschwanger. Die Botschaft ist einfach: Teile und erfreue dich daran und bedenke: Zum Tausch gehören immer zwei! Einfach, klar und stilistisch unbedeutend gehalten, entfaltet sich eine Geschichte, die auch keinerlei Schnörkel und kapriziöse Handlungsverläufe benötigt. Zusammen mit Kat Menschiks Illustrationen lassen Story und Bild den Leser durch ihre Schlichtheit in eigenen Fantasien und Traumbildern aufgehen. »Die Bäckereiüberfälle« regen zum Träumen, zum Nachdenken und zum Fantasieren an - und das in schlichtester, aber dafür schönster Manier. Manchmal siegt die Einfachheit!

Fazit

Mit Kat Menschiks Illustrationen traumhaft bebildert, erzählen Haruki Murakamis Erzählungen in ihrer Schlichtheit von zwei Lebenssituationen mit einvernehmendem Hunger, die als Parabel angesehen werden dürfen, es aber nicht müssen. Zum Träumen, Staunen und Nachdenken regen »Die Bäckereiüberfälle« auf jeden Fall an.

4 von 5 Punkten

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