Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Der Zauberberg (Thomas Mann)

Fischer Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 984 Seiten
ISBN-10: 3596294339
12,90 €


Ein kurzer Einblick

Der 24-jährige Hans Castorp reist in ein Sanatorium nach Davos, um seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen für drei Wochen zu besuchen. In dieser Zeit lebt er mit Joachim dessen Alltag eines Kranken und findet immer mehr Gefallen am Sanatorium und seinen Besuchern. Als schließlich seine Abreise näher rückt, scheint Hans Castrop doch nicht mehr ganz so gesund zu sein....

 Bewertung

Durch einen Sanatoriumsaufenthalt seiner Frau Katia in Davos kam Thomas Mann auf die Idee, die wohl wichtigsten sieben Jahre Hans Castorps in „Der Zauberberg“ niederzuschreiben. Wie schon in anderen Werken nahm er auch in „Der Zauberberg“ sich reale Personen zum Vorbild für seine Figuren.
Entstanden ist ein Roman, den man im Gegensatz zu etwa den „Buddenbrooks“ nicht einfach an ein paar Tagen runter lesen kann. Das Lesen des Romans erfordert die ganze Aufmerksamkeit des Lesers und ist wohl, um sich erst einmal an das Werk Thomas Manns heranzutasten, auch eher weniger geeignet. Vor allem ab dem mittleren Teil ist der Roman durch viele philosophische Diskussionen geprägt, die für den Leser nicht ohne weiteres zu verstehen sind. Aber darin besteht auch einer der Anreize des Romans. Man liest und liest und versucht verzweifelt den Diskussionen zu folgen. Falls dies nicht immer gelingt, sollte man allerdings nicht verzweifeln, denn diese sind kaum so angelegt, dass sie jeder ohne sich mit dem Diskussionsgegenstand genauer auseinandergesetzt zu haben, verstehen könnte. Zudem sind sie für die Handlung auch weniger wichtig und somit entgehen dem Leser keine allzu wichtigen Informationen, wenn er nicht jede Diskussion versteht.
Aber nicht nur die Diskussionen, vor allem zwischen Settembrini und Naphta, setzen die volle Aufmerksamkeit des Lesers voraus, auch wichtige Ereignisse sind sprachlich so geschickt umschrieben, dass man schon genau lesen muss, um sie nicht einfach zu überlesen. Daher ist „Der Zauberberg“ eher nicht als Bettlektüre für müde Stunden geeignet.
Da der Roman sich allerdings nicht gerade mit Handlung und Spannung überschlägt, kann man ihn ohne weiteres über einen längeren Zeitraum lesen, ohne Gefahr zu laufen, wichtige Ereignisse zu vergessen.
Trotz des Schwierigkeitsgrades des Romans dokumentiert er jedoch sehr gut den Reifungsprozess Hans Castorps. Dessen Charakter wird durch die Begegnungen mit den verschiedensten Personen und durch viele philosophische und politische Diskussionen beeinflusst. Zudem ist der Roman eine wunderbare Parodie auf die Einbildung von Krankheiten und führt dazu, dass man über den Faktor Zeit noch einmal genauer nachdenkt. Obwohl das Thema Tod im Roman allgegenwärtig ist, wird es keinesfalls im Sanatorium mit einer Verständlichkeit wahrgenommen, sondern führt immer wieder dazu, dass sich Hans Castorp und somit wohl auch der Leser darüber Gedanken macht.

2,5 von 5 Punkten

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