Dienstag, 18. Dezember 2012

Rezension: Der Wind bringt den Tod (Ole Kristiansen)

dtv
Taschenbuch, 496 Seiten
ISBN: 978-3-423-21376-9
9,95 €
 
Ein kurzer Einblick

Jule Schwarz ist selbstbewusst, erfolgreich und schön. Hinter ihrem makellosen Äußeren verbirgt sich aber ein tiefes Schuldgefühl, das die junge Frau schon lange in kein Auto mehr steigen lässt. Ausgerechnet sie soll nun ein Windparkprojekt in einem abgelegenen Dorf umsetzen. Am liebsten würde Jule alles hinschmeißen, doch dieser Auftrag bedeutet neben den täglichen Autofahrten aufs Land auch einen großen Sprung auf der Karriereleiter. Jule setzt sich hinters Steuer. Vor Ort sieht sie sich plötzlich mit ganz anderen Problemen konfrontiert. Eine Frauenleiche wird im nahegelegenen Wald gefunden. Die Tote sieht Jule zum Verwechseln ähnlich.

Bewertung

In dem beschaulichen Dörfchen Odisworth soll ein großer Windpark entstehen. Leider stellen sich die dortigen Anwohner den Plänen der Firma Zephiron entgegen. Nachdem ihrem Kollegen der Auftrag entzogen wurde, macht sich Jule Schwarz auf den Weg um die starrköpfigen Bewohner von dem Windpark zu überzeugen.
Für Jule keine leichte Aufgabe, denn um dort hinzukommen, muss sie sich wieder in ein Auto setzen. Jule hat vor vielen Jahren bei einem Unfall eine junge Frau totgefahren. Seitdem hat sie nicht mehr selbst am Steuer gesessen und schafft es auch erst seit kurzer Zeit bei einem Kollegen mitzufahren. Dank ihres Therapeuten gelingt es ihr Heil in Odisworth anzukommen, aber dort fangen ihre Probleme erst richtig an.
Kristiansen hat einen ruhigen Einstieg in seinen Roman gewählt. Spannung kommt am Anfang nicht auf, dafür füttert Kristiansen seine Leser mit interessanten Details über seine Protagonisten und man merkt gleich, dass Odisworth und seine Bewohner für Jule eine harte Nuss werden. Bei Jules Ankunft ist das Dorf in heller Aufregung, da eine Leiche auf dem Besitz eines Bauern gefunden wurde.
Nach und nach kommt der Leser mit Jule dem Geheimnis des Dorfes auf die Spur und es wird von Seite zu Seite spannender, so dass man das Ende gezwungenermaßen in einem Rutsch durchlesen muss, da man einfach wissen möchte, wie der Roman ausgeht.
Was mich zwischendurch etwas stutzig gemacht hat, waren die vielen Zufälle, wie die Personen doch alle mit Odisworth zusammenhängen. Zum Abschluss des Romans waren die Erklärungen zwar schlüssig, aber der Zufall spielte hier mehr als eine kleine Rolle und gerade die Rolle des Therapeuten passte meiner Meinung nach nicht ganz schlüssig in die Geschichte.
Ansonsten fand ich den Roman wirklich prima. Jule Schwarz ist eine interessante Hauptprotagonistin und wächst dem Leser schnell ans Herz. Ihr erlittenes Trauma macht sie greifbar und der Leser leidet mit. Auch die Stimmung des Dorfes hat Kristiansen gut eingefangen und die Halsstarrigkeit der dort lebenden Bewohner. Man leidet richtig mit Jule, der einige Steine in den Weg gelegt werden, aber man kann auch die Dorfbewohner verstehen, die ihrerseits ein Geheimnis hüten. Zwei Seiten einer Geschichte, die gut an den Leser herangetragen werden.

Fazit

Kristiansen hat mit kleinen Längen und der richtigen Mischung ein empfehlenswertes Erstlingswerk auf den Markt gebracht. Es macht Spaß, Jule auf ihrem Weg zu begleiten und man fiebert mit, wer der Mörder ist und ob sie es schafft, den Windpark in Odisworth anzusiedeln. Dtv hat den Romans als „Krimi des Monats“ ausgezeichnet und man kann dieser Empfehlung gerne Glauben schenken.

4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen