Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Der verbotene Schlüssel (Ralf Isau)

cbj
Hardcover, 512 Seiten
ISBN-13: 978-3-570-13834-2
18,99

Ein kurzer Einblick

»Manche Dinge bleiben besser für immer unentdeckt.« Nur kurz denkt die 14-jährige Sophia an diesen Rat, als sie das Erbe ihres geheimnisvollen Großvaters annimmt: Der alte Mann, den sie nie selbst gekannt hat, vermacht ihr eine komplexe kleine Maschine, die wie ein Uhrwerk voller Zahnrädchen und Halbkugeln aussieht. Und dazu einen Schlüssel – vor dem ein Brief des Großvaters eindringlich warnt. Der verbotene Schlüssel – Sophia kann ihm nicht widerstehen: Sie zieht das Uhrwerk auf und findet sich in einem bizarren, gefährlichen Reich wieder. Mekanis, das perfekte, gefühllose Land, erwacht durch sie zu neuem Leben. Und Sophia ist keineswegs allein: Theo, ein ebenso rätselhafter wie anziehender Junge, ist seit Jahrhunderten in dieser Welt gefangen. Und der dunkle Herrscher des fremden Reichs lauert mindestens ebenso lange auf die unheilvolle Chance, die Sophia ihm jetzt eröffnet.

Bewertung

Vom alten Atlantis bis in unsere heutige Zeit und noch darüber hinaus entbrennt eine Geschichte gegen Oros, den Meister der Zeit, und gegen die Machtgelüste des Menschen. Nur ein unschuldiges Kind kann den geheimen Krieg beenden und Oros in seine Schranken verweisen. Sophia, 14 Jahre alt, ist Erbin der Juwelierkette S.K. und Gejagte von Oros, denn sie wird es sein, die Oros bezwingen kann.
Eigentlich besitzt „Der verbotene Schlüssel“ eine gewöhnliche Story, die keine großen Überraschungen verborgen hält, doch dafür ist sie umso eleganter verpackt. Mit packender Sprachgewalt gelingt es Ralf Isau eine Welt zu zeichnen, die eigentlich unsere ist, aber Geheimnisse birgt, die besser verborgen bleiben sollten. Entsprungen im alten Atlantis – oder Atlant-Ys, wie es korrekter heißen sollte – versucht sich der Mensch eine Macht anzueignen, der er nicht gewachsen ist: Der Zeit selber!
Heute und gestern vermischen sich, erzählen eine Geschichte, die weltumspannender und gewaltiger nicht sein könnte. Unsere Welt und die mechanische Welt Mekanis spielen im Gewirr der Zeiten ein Reigenspiel der Willkür, stülpen sich über, tauschen sich aus und sind Konkurrenten, wie sie ärger nicht sein könnten: Leben und Gefühl gegen Gefühllosigkeit und Perfektionismus.
Theo, ein Kind des Gestern und ein Schicksalsopfer von Mekanis, wird Sophias Gefährte im Kampf gegen Oros. Unwillkürlich nimmt man die beiden in die Herzen auf; sie sind aber auch zu süß, die beiden. Theo, der das Wissen um Oros und das geheimnisvolle Uhrwerk, das Sophia von ihrem Großvater geerbt hat, kennt. Sophia, die dazu ausersehen ist den Kampf gegen Oros zu führen. Zwei Jugendliche, die unterschiedlicher nicht sein könnten, entbrennen in Liebe zueinander, die dezent und unbeholfen – und gerade dadurch passend – in die Geschichte eingeflochten ist.
Ein wenig Kritik, die dem Roman letztendlich aber kaum schadet, muss dennoch sein. Sophia wirkt so manches Mal etwas zu erwachsen. Auch wenn Jugendliche heutzutage erwachsener wirken als sie sind, kann dies hier keine Entschuldigung sein. Des Öfteren hat es gar den Anschein gemacht, als ob Sophia den Erwachsenen ebenbürtig sei, ebenbürtig im Sinne von: Gleiche Lebenserfahrung und damit gleicher Respekt gegen Gleichaltrige.

Fazit

Eine faszinierende Handlung, die beim Zielpublikum – ein äußerst spannender Roman für die Jugend – einschlagen sollte; und darüber hinaus. Ralf Isau ist und bleibt der deutsche Phantast, der ohne Wenn und Aber an die Sperrspitze deutscher phantastischer Autoren gesetzt werden kann. „Der verbotene Schlüssel“ ist das aktuelle Zeugnis.

4,5 von 5 Punkten

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