Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Der Trip (Jeremy C. Shipp)

Voodoo Press
Taschenbuch, 180 Seiten
ISBN 978-3-902802-11-8
12,95 €


Ein kurzer Einblick

Schluss mit dem langweilen Dasein eines Blaublüters! Zeit für DEN TRIP – eine einjährige Odyssee, gesponsert von den freundlichen Konzernen der Nachbarschaft. Doch die große weite Welt bekommt Bernard Johnson nicht zu sehen. Dafür wird er ein Entführungsopfer und die Schlüsselfigur eines geheimen Drogenkriegs. Und vermisst dabei nicht ein einziges Mal seinen ganz eigenen „American Dream“.

Bewertung

Eine wirre Handlung, unausgegorene Figuren, die gerne Namen und Eigenschaften ändern, ein schwer zugänglicher Stil – und dennoch ist „Der Trip“ für den Wonderworld Award for Best Bizarro Fiction nominiert. Kann das sein? Es kann sein! Vergleichbar ist Shipps Werk vielleicht noch mit Nick Mamatas' „Abwärts. Move Underground“ (Edition Phantasia), wobei beide Werke allerdings vollkommen andere Themen behandeln. Sprachlich mag Shipp Mamatas nicht hinterherhinken, in der Ausführung und Gestaltung des Romans liegen allerdings Welten. Wo Mamatas beeindrucken kann, enttäuscht Shipp grenzenlos.
Trotz dieser herben Kritik, beweist Jeremy C. Shipp aber eines: Thematisch kann er seine Geschichte glamourös verpacken. Selten habe ich einen so gesellschaftskritischen Roman gelesen, der der Menschheit keineswegs ihr Verfehlen plakativ vor Augen führt, sondern das Anliegen zwischen den Zeilen trägt und doch direkt hinausposaunt. Macht und Korruption prägen das Bild der reichen Staaten. Nicht nur du und ich können gekauft werden, sondern jeder. Vertuschung und Verschleierung liegen an der Tagesordnung. Jeremy C. Shipp zeichnet ein dreckiges, verräterisches und käufliches Bild einer Welt, für die man sich schämen muss. Insbesondere dann, wenn man Bürger der reichen Staaten ist. Lassen wir uns nicht mehr blenden, entdecken wir die Wahrheiten unserer Regierungen, die Wahrheiten, die still unter den Tisch gekehrt werden, wenn wir nicht hingucken!
Über die gravierend stilistischen Schwächen kann die grandiose Ausarbeitung des Themas allerdings nicht hinwegtäuschen. Mir widerstrebt es fast, die Stilistik schlecht zu nennen, denn ich glaube, dass die Stilistik gerade bei diesem Roman ein sehr subjektiver Eindruck ist. Mit Shipps Stil kann ich wenig anfangen, andere lassen ihn vielleicht vergolden. Bevor mein Eindruck also für bare Münze genommen wird, bitte ich darum, sich selbst ein Bild zu machen.

Fazit

Subjektiv stilistisch schwach kann das Gegengewicht, das gesellschaftskritische Thema, auf ganzer Linie punkten. Schwer lesbar bleibt „Der Trip“ dennoch und fällt damit in die Kategorie: durchgefallen. Nominiert wurde der Roman dennoch für den Wonderworld Award for Best Bizarro Fiction – Für mich fragwürdig; doch entscheidet selbst.

2 von 5 Punkten

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