Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Der Traum des Kelten (Mario Vargas Llosa)

Suhrkamp Verlag
Taschenbuch, 443 Seiten
ISBN: 978-3-518-42270-0
24,90 €


Ein kurzer Einblick

Roger Casement sitzt in der Todeszelle eines englischen Gefängnisses. Während er auf die Entscheidung über seinen Gnadengesuch wartet, erinnert er sich seines abenteuerlichen Lebens. Er denkt daran zurück, wie er in Afrika und im Amazonasgebiet Grausamkeiten, die an der Bevölkerung begangen wurden, aufdeckte, und wie die Besinnung seiner irischen Wurzeln den britischen Helden schließlich in seine jetzige Situation brachte…

Bewertung

Mario Vargas Llosa erzählt in seinem neusten Roman die Lebensgeschichte eines beeindruckenden Mannes. Zwar nicht mit biographischer Detailliertheit, aber doch Korrektheit, lässt er den irischen Nationalhelden Roger Casement in den letzten Tagen seines Lebens an dieses zurückdenken. Doch nur die Hälfte der Kapitel lassen den Leser in das Leben eines Mannes eintauchen, der sich sein gesamtes Leben über für andere, besonders für schwächere, eingesetzt hat. In den anderen Kapiteln kann man miterleben, wie jemand noch leise an eine Begnadigung hofft, die auf Grund der Umstände eigentlich unwahrscheinlich scheint, sich aber auch mit dem Sterben auseinandersetzt.
In all diesen Kapiteln zeichnet Mario Vargas Llosa das Bild eines Mannes, der zunächst gegen koloniale Ungerechtigkeiten in Afrika gekämpft hat, bevor er im Amazonasgebiet die Grausamkeiten eines britischen Unternehmens aufgedeckt hat und dagegen vorgegangen ist. Diese Erzählungen zeigen, welch tiefen Sinn für Gerechtigkeit Roger Casement hatte. Zudem erlebt man einen Mann, der sogar persönlich zurücksteckte, um gegen die grausame Behandlung von Menschen einzutreten. Deren gute Behandlung war ihm ein so großes Anliegen, dass er sich vehement dafür einsetze und nicht eher Ruhe gab, bis eine Verbesserung eingetreten bzw. die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden waren. Roger Casement war ein Idealist, der versucht hat für seine Überzeugungen eine Öffentlichkeit zu schaffen. Allerdings erlebt man auch einen Mann, der zwischen seiner Tätigkeit für die Britten und seinen irischen Wurzeln stand und den sein starker Nationalismus sogar zu Verrat bereit werden lassen hat.
Seine Gutgläubigkeit führt schließlich zu seiner Verhaftung. Diese und seine Behandlung im Gefängnis bzw. die Behandlung durch die britische Regierung, die ihn einst als Nationalheld ausgezeichnet hat, zeigen aber auch die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit des Ersten Weltkrieges auf. So ist das Schicksal eines homosexuellen Verräters trotz all seiner Leistungen und Bekanntschaften eigentlich von Beginn des Romans an vorgezeichnet.

Fazit

Ein Roman über einen großen Menschen, der das Schicksal und die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht überleben konnte. Beeindruckend erzählt und mit Potential für viele grüblerische Stunden.

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Suhrkamp Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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