Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Der Schuh auf dem Dach (Vincent Delecroix)

Ullstein  
Hardcover,220 Seiten 
ISBN: 978-3-550-08771-4
16,90 €

Ein kurzer Einblick

Ein kleines Mädchen, das nicht schlafen kann und seinem müden Vater von einem Engel auf dem Dach gegenüber erzählt; ein melancholischer Hund, der sich plötzlich vor seinem Herrchen fürchten muss; ein verliebter Einbrecher, der sich rächen will; eine unglückliche junge Frau, die von einem illegalen Einwanderer verlassen wurde - wir treffen sie in einem Pariser Mietshaus an, und jeder von ihnen ist irgendwie einsam. Sie alle betrachten, jeweils aus einer anderen Wohnung heraus, einen Schuh, der in der Dachrinne gegenüber liegt und von dem niemand weiß, wie er dort hingekommen ist. Die Geschichte jedes einzelnen kreist um diesen ganz profanen Gegenstand, der zum Sinnbild wird für das, was einem im Leben manchmal fehlt.

Bewertung

Vincent Delecroix hat in diesem Buch zehn Kurzgeschichten aufgeschrieben, die sich allesamt um einen Schuh auf einem Dach drehen. Das schöne an diesen Geschichten ist, dass sie alle zusammenhängen. Hier geht es nicht alleine um einen Schuh auf dem Dach, sondern auch um das Beziehungsgeflecht der Menschen, die in dem Haus gegenüber wohnen. Die Personen, die in einer Geschichte die Hauptrollen spielen, kommen in einer anderen wieder als Randfigur vor. Das macht das Buch sehr sympathisch.
Die Geschichten selber sind vom Thema breit gefächert. Es geht um Rachedurst, den Verlust eines geliebten Menschen, die Suche nach dem Sinn des Lebens oder auch die Traumfrau. Vincent Delecroix hat seinen Schreibstil den einzelnen Geschichten angepasst. So kommt die Melancholie bei der Geschichte der verlorenen Liebe nicht zu kurz, und der genervte Vater, der nachts von seiner Tochter geweckt wird, hat den richtigen Sarkasmus parat. Bei vielen der Geschichten ist aber deutlich ein philosophischer Einfluss spürbar, deswegen ist das Buch mal nichts für zwischendurch. Am Besten nimmt man sich ein bisschen Zeit dafür und lässt die einzelnen Kurzgeschichten auf sich wirken. 

Fazit

Für Leser, die es gerne mal ein bisschen ruhiger angehen lassen und einfach mal nur vor sich her philosophieren möchten, ist dieses Buch genau das Richtige. Wer kurzweilige Zerstreuung sucht, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Etwas Konzentration muss man beim Lesen von "Der Schuh auf dem Dach" schon aufbringen.

3 von 5 Punkten

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