Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Der Schädelschmied (Jens Lossau / Jens Schumacher)

Egmont LYX
Klappenbroschur, 352 Seiten
ISBN 978-3-8025-8456-5
9,99 €


Ein kurzer Einblick

Jorge und Hippolit sind zurück! In Barlyn, einer abgelegenen Minenstadt tief unter der Erde, wird ein ranghoher Zwergenpolitiker tot aufgefunden, sein Schädel gespickt mit Dutzenden Stahlnägeln. Doch die Tür seines Büros ist von innen hermetisch verriegelt. Zauberei? Meister Hippolit und sein Assistent Jorge nehmen die Ermittlungen auf. Was steckt hinter dem rätselhaften Todesfall? Ein aberwitziger Suizid? Ein Monster aus den Abgründen der Minen? Je tiefer Hippolit und Jorge graben, umso ungeheuerlicheren Dingen kommen Sie auf die Spur …

Bewertung

Ein von innen verriegelter Raum 19 Stockwerke unter der Erde. Ein Abschiedsbrief. Ein Toter mit 36 in den Schädel geschlagener massiver Nägel. Wie ist das möglich? Ein unmöglicher Selbstmord oder ein mysteriöser Mord? Drei Ermittlerteams aus Sdoom werden in die Zwergenstadt Barlyn gerufen, um den (Selbst-)Mord aufzuklären. Als Belohnung winkt die stattliche Summe von 1000 Goldkaunaps. Meister Hippolit und Jorge, ein Meisterdetektiv und sein Assistent aus Sherlepp sowie Glaxiko, der Leiter der Stadtwache Nophelets, stürzen sich in die Ermittlungen.

Mit »Der Schädelschmied« geht die »IAIT«-Reihe der Autoren Lossau und Schumacher in die dritte Runde. Einmal mehr müssen Hippolit und Jorge, die beiden besten Ermittler des Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie einen kniffligen Fall lösen, der zwischen Krimi und Fantasy-Persiflage angesiedelt ist. »Der Elbenschlächter« nahm die Elben aufs Korn, in »Der Orksammler« bekamen die Orks ihr Fett weg und im neuesten Fall werden die Zwergen-Klischees strapaziert und ins lächerliche gezogen, ohne jedoch die Ernsthaftigkeit eines unterhaltsamen Fantasy-Krimis zu verlieren.
Rassismus, Ausbeutung und Korruption gehören zur Tagesordnung. Lüsterne Zwerginnen, von der Minenarbeit ausgebrannte Zwerge und intrigante Politiker behausen die Zwergenstadt Barlyn. »Heil Hyndrich!«-Rufe werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit gerufen und Trinklieder - überhaupt geben sich die Zwerge gerne dem Alkohol hin - lobhudeln das edle Geschlecht der Zwerge als Herrenrasse. Das lässt nicht nur an das Dritte Reich denken, sondern soll und darf ganz gewiss als Persiflage des Dritten Reichs angesehen werden. Namen wie Barlyn, Wymmler oder Hyndrich werden nicht von ungefähr gewählt worden sein. Fremdenfeindlichkeit, übermäßige Kontrollen und ein der SA gleich zu setzender Einsatztrupp des Barlyner Herrschers vervollständigen das Nazi-Repertoire und münden in eine herrlich, skurrile Situationskomik.
Die Zwergenstadt Barlyn ist eine Minenstadt mit 34 Stockwerken und einem ausgeklügelten Licht-, Belüftungs- und Abwassersystem, das eine zwergische Meisterleistung aus tausenden von Rohren und Klappen ist. Überwacht wird das System mittels Thaumaturgie. An diesem Ort müssen Meister Hippolit und Jorge der Troll einen kniffligen, an Unmöglichkeit grenzenden Fall lösen. Kein leichtes Unterfangen, wenn die Zwerge ein falsches Spiel treiben und Jorge beständig dem nächsten Bierhumpen hinterher rennt.
Ganz nach dem Motto: Was sich bewährt hat, ist immer gut nimmt sich auch dieser Roman zum Vorbild. Die Herren Autoren wissen die Nuancen dezent neu zu gestalten, ohne zu viel zu verändern. Nach wie vor gibt sich Jorge mit seinen Sprichwörtern gerne als Philosoph aus und nach wie vor nervt der Troll mit seiner unnötigen Vielzahl an Sprichwörtern gehörig. Auch Hippolit hat sich nicht verändert. Wohl aber einmal mehr das Setting, das nach Nophelet und der Totenstadt Torrlem nun in Barlyn spielt. Konsequent bauen Lossau und Schumacher ihre Welt aus. Anders als in »Der Orksammler« steht das Element des Krimis vermehrt im Vordergrund. Eine interessante Figurenkonstellation trägt ihriges dazu bei. Die zur Erheiterung anregende Vulvatte Jorges weicht dem Trio der Ermittler, womit von vornherein die Detektivarbeit mehr Aufmerksamkeit bekommt. Überhaupt ist die »Quest«-Führung rätselhaft und in Teilen schwer erratbar gelungen. Wie die Stahlnägel in den Schädel Borrkuds gelangen konnten, obwohl kein anderes Individuum den Raum hatte betreten können, ist früh und schnell erraten, die Umstände aber und das genauere Wie sind eine verdammt harte Nuss; auch für Meister Hippolit.

Fazit

Hippolit und Jorge, das ungleiche Ermittler Duo mit Hirn und Faust, ermitteln in der zwergischen Minenstadt Barlyn an einem kniffligen Todesfall, der auf den ersten Blick sowohl Mord als auch Selbstmord ausschließt. Obwohl Lossau und Schumacher wenig verändern, führen sie an den wichtigen Stellen Neuerungen und Änderungen ein, sodass Bekanntes nicht langweilig wird. »Der Schädelschmied« ist ein famoser Fantasy-Krimi mit überdrehten Zwergen-Klischees.

4 von 5 Punkten

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